Scott Dixon fuhr seinen fünften IndyCar-Titel souverän nach Hause
Scott Dixon fuhr seinen fünften IndyCar-Titel souverän nach Hause © LAT

Mit Platz zwei beim Finale in Sonoma holt sich Scott Dixon seinen fünften IndyCar-Titel - Alexander Rossi kämpft und verliert doch - Rennsieg für Ryan Hunter-Reay

©

Scott Dixon (Ganassi-Honda) hat sich am Sonntag auf dem Sonoma Raceway in Kalifornien mit Platz zwei zum IndyCar-Champion 2018 gekrönt. Indes muss sich Alexander Rossi (Andretti-Honda) nach verpatztem Start ins Rennen, packender Aufholjagd und schließlich Platz sieben mit dem Vizetitel begnügen. Der abschließende Punkteunterschied zwischen Dixon und Rossi beträgt nach 17 Saisonrennen, wovon es bei zwei (Indy 500 und Sonoma) doppelte Punkte gab, 57 Zähler.

Für Dixon ist es bereits der fünfte IndyCar-Titel. Nach 2003, 2008, 2013 und 2015 ist der Neuseeländer nun also auch 2018 Champion. In der ewigen Bestenliste liegt nur A.J. Foyt mit sieben IndyCar-Titeln noch vor Dixon, der mit seinem fünften nun die vierfachen Titelträger Mario Andretti, Sebastien Bourdais und Dario Franchitti hinter sich gelassen hat. Der 2015er Titel, den er damals denkbar knapp im Tiebreak gegen den punktgleichen Juan Pablo Montoya errang, ist der einzige Titel, der aus Dixons gewohntem Fünfjahres-Rhythmus ausbricht.

"Das alles ist ein Verdienst vieler Menschen, angefangen bei meiner Frau Emma, dem Team, meinen Teamkollegen, meiner Familie und allen, die involviert sind", so die ersten Worte des neuen Champions Scott Dixon. Als mitentscheidenden Faktor auf dem Weg zum neuerlichen Titelgewinn bezeichnet der Ganassi-Pilot nicht zuletzt "unser Zurückschlagen an jenem Tag in Portland". Damit spricht der neue Titelträger auf die unglaublichen Vorkommnisse vor zwei Wochen an.

Penske nach Jubiläum ohne Chance im Titelkampf

Den beiden von Verizon gesponserten Penske-Piloten Josef Newgarden und Will Power blieb beim Abschied von Verizon als IndyCar-Titelsponsor wie befürchtet nur eine Nebenrolle im Titelkampf. Vorjahreschampion Newgarden musste mit Platz acht endgültig einsehen, dass er die Titelehren abgeben muss. Power, der Champion von 2014, belegte Platz drei im Rennen und hat damit Newgarden noch vom dritten Tabellenrang verdrängt. Dank seines ersten Indy-500-Sieges sprach Power direkt nach dem Rennen von "einem richtig guten Jahr".

Penskes NASCAR-Star Brad Keselowski hatte beim wilden Auftaktrennen in die Playoffs 2018 in Las Vegas, das erst wenige Minuten nach dem Start des IndyCar-Saisonfinales zu Ende ging, für den 500. Sieg in der Geschichte des Penske-Teams gesorgt. Für die IndyCar-Truppe gab es wenig später aber nicht direkt einen weiteren Rennsieg - geschweige denn einen angesichts des großen Punkterückstands auf Dixon ohnehin extrem unwahrscheinlichen Titelgewinn.

Der Sieg beim Grand Prix von Sonoma, der nicht nur den Abschied von Verizon als IndyCar-Titelsponsor, sondern auch den Abschied der Rennserie vom Sonoma Raceway markierte, ging im Zuge einer dominanten Vorstellung an Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda). Nach seinem Durchbrach nach jahrelanger Durststrecke, der ihm im Juni in Detroit gelang, beschließt der IndyCar-Champion von 2012 damit die Saison 2018 mit zwei Siegen.

Start: Rossi rauscht in Andretti und startet Aufholjagd

Hunter-Reay, der den Titelkandidaten schon am Samstag mit seinem gelben Andretti-Honda die Show gestohlen hatte, indem er auf die Pole-Position fuhr, führte beim Sonoma-Abschied nahezu die komplette Renndistanz an. Indes erlitt sein um den Titel fahrender Andretti-Teamkollege Alexander Rossi direkt im Startgetümmel einen herben Rückschlag. Noch im ersten schnellen Linksknick rauschte der Tabellenzweite und Hauptgegner von Tabellenführer Scott Dixon ausgerechnet einem seiner weiteren Teamkollegen - Marco Andretti (Herta/Andretti-Honda) - ins Heck.

Rossi fiel mit Reifenschaden ans Ende des Feldes zurück und musste die Box aufsuchen. Der frühe Rückschlag warf den Titelkandidaten von Andretti Autosport nicht nur auf den 25. und damit letzten Rang im Rennen zurück. Er warf ihn auch aus der Führungsrunde. Doch Rossi gab nicht auf und hatte Glück. Als Graham Rahal (Rahal-Honda) in der 43. von 85 Runden mit technischem Defekt stehenblieb, gab es eine Gelbphase, die dem Kalifornier perfekt in die Karten spielte.

Rossi lag nämlich eingangs der zweiten Rennhälfte nicht nur wieder in der Führungsrunde, sondern nach dem Restart sogar an siebter Stelle. 25 Runden vor Schluss legte er dann unter Grün als erster Fahrer den letzten Boxenstopp ein und hatte somit als erster Fahrer genügend Sprit, um es bis ins Ziel zu schaffen. Allerdings musste er so auch am längsten mit dem letzten Reifensatz fahren. Unterm Strich wurde Rossis Aufholjagd, die sowohl Tempo als auch glücklichem Timing zu verdanken war, mit Platz sieben belohnt. Weil Titelkonkurrent Dixon aber den zweiten Platz belegte, reichte es für Rossi nicht zur Sensation in Form der späten Wende im Titelkampf.

Hunter-Reay widmet Wickens den Finalsieg

Die entscheidende Szene im Rennen, nämlich seinen Auffahrunfall mit Marco Andretti noch vor der ersten Kurve, kommentierte Rossi direkt nach der Zieldurchfahrt. "Ich weiß nicht, ob er vom Gas gegangen ist oder was da los war. Insgesamt betrachtet muss ich mit der Saison zufrieden sein", so der Vize-Champion, der in seiner dritten IndyCar-Saison erstmals ernsthaft um den Titel kämpfte. Bekanntlich muss man immer erst einen Titel verlieren, bevor man einen gewinnen kann...

Indes fuhr Ryan Hunter-Reay völlig unbeeindruckt von all dem zu seinem zweiten Saisonsieg, bei dem er dank Pole-Position und den meisten Führungsrunden die beim Finale vergebene Idealpunktzahl von 104 Zählern abräumte. Damit ist neben Power auch Hunter-Reay in der abschließenden IndyCar-Gesamtwertung 2018 noch an Vorjahreschampion Josef Newgarden vorbeigekommen. Im Moment seines Siegesjubels dachte Hunter-Reay an jenem Fahrer, mit dem er am 19. August so folgenschwer kollidiert war: "Ich möchte diesen Sieg Robert Wickens widmen. Ich wünschte, er wäre jetzt hier."

Hinter dem siegreichen Andretti-Piloten Ryan Hunter-Reay und dem neuen Champion Scott Dixon machte Will Power als Dritter das letzte Podest der IndyCar-Saison 2018 komplett. Die Top 5 wurden abgerundet vom Sonoma-Sieger der Jahre 2016 und 2017 - Simon Pagenaud (Penske-Chevrolet; 4.) - sowie von Marco Andretti (5.).

Top 10 für Patricio O'Ward beim IndyCar-Debüt

Sebastien Bourdais (Coyne-Honda) verdrängte den am Schluss reifenbedingt etwas nachlassenden Alexander Rossi vom sechsten auf den siebten Platz und wurde seinerseits Sechster. Hinter Rossi und Josef Newgarden brachte IndyCar-Debütant Patricio O'Ward, der mit seinem Harding-Chevrolet schon im Qualifying mit Startplatz fünf überrascht hatte, als Neunter auf Anhieb ein Top-10-Ergebnis ins Ziel. Zehnter wurde Ed Jones, der möglicherweise scheidende Ganassi-Teamkollege des neuen Champions Scott Dixon.

Für Dauerbrenner Tony Kanaan war der Grand Prix von Sonoma das 300. IndyCar-Rennen in ununterbrochener Reihenfolge. Beim Jubiläum lief es für den Brasilianer in Diensten von A.J. Foyt Racing aber nicht viel besser als bei den vorherigen Rennen der Saison 2018. Er wurde Zwölfter hinter Santino Ferrucci (Coyne-Honda; 11.).

Damit ist die IndyCar-Saison 2018 in den Büchern. Scott Dixon hat seinen fünften Titel in der Tasche. Den Rookie-Titel für den besten Neuling des Jahres hat sich Robert Wickens trotz seines Pocono-Horrorcrashs und dem seitherigem Aussitzen sogar schon vor dem Finale gesichert.

© Motorsport-Total.com