Die IndyCar-Saison 2018 sieht 22 Autos auf Vollzeitbasis - wie viele werden es 2019?
Die IndyCar-Saison 2018 sieht 22 Autos auf Vollzeitbasis - wie viele werden es 2019? © LAT

Diverse IndyCar-Teams kokettieren für die Saison 2019 mit einer Aufstockung ihres Aufgebots - Motorenlieferanten Chevrolet und Honda zeigen sich nicht abgeneigt

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Die in zwei Wochen zu Ende gehende IndyCar-Saison 2018 weist mit 22 auf Vollzeitbasis eingesetzten Boliden ein gesundes - wenn auch nicht übermäßig großes - Starterfeld auf. Hinzu kamen bei einigen Rennen auf Teilzeitbasis eingesetzte Autos wie etwa der Juncos-Chevrolet oder der in Zusammenarbeit mit Michael Shank Racing eingesetzte dritte Schmidt-Honda. Beim Saisonhöhepunkt, dem Indy 500, wurde in den Trainings und Qualifyings sogar die dort traditionelle Feldgröße von 33 Autos überschritten.

In der IndyCar-Saison 2019, der nach 2018 dann zweiten mit der Einheitsaerodynamik, könnte noch das eine oder andere auf Vollzeitbasis eingesetzte Auto hinzukommen. Lassen sich allein schon die realistischsten Pläne der Teams verwirklichen, erscheint ein Starterfeld mit bis zu 25 Vollzeit-IndyCar-Boliden für die neue Saison wahrscheinlich.

Penske: Newgarden, Power, Pagenaud gesetzt

Bei den Topteams Penske und Ganassi bleibt bezogen der Teamgröße alles wie gehabt. Der noch amtierende Champion Josef Newgarden besitzt dem Vernehmen nach beim Team Penske einen Dreijahresvertrag, der ihn auch 2019 für das Team von "The Captain" Roger Penske fahren lässt. Will Power und Simon Pagenaud wurden von Penske am Rande des Pocono-Wochenendes ebenfalls für 2019 bestätigt.

Insbesondere bei Pagenaud war mit der Vertragsverlängerung nicht immer zu rechnen, denn Gerüchten zufolge hatte Penske seine Fühler auch nach Robert Wickens ausgestreckt, bevor der Kanadier an eben jenem Pocono-Wochenende so schwer verunfallte und sich seither auf dem langen Weg der Genesung befindet. Völlig unabhängig davon wird 2019 beim Indy 500 wie schon 2018 ein vierter Penske-Chevrolet für Helio Castroneves eingesetzt.

Ganassi: Rosenqvist statt Jones?

Bei Chip Ganassi Racing hat Scott Dixon kürzlich um "mehrere Jahre" verlängert. Der Neuseeländer hält damit dem Team, für das er bereits seit der CART-Saison 2002 ununterbrochen ins Lenkrad greift, weiter die Treue und ist aktuell auf dem besten Weg, seinen fünften IndyCar-Titel einzufahren. Das zweite Ganassi-Cockpit ist indes noch nicht vergeben.

Ed Jones, der seine erste Ganassi-Saison fährt, sieht sich vorsichtshalber schon mal nach Alternativen um. Denn das Gerücht, dass Ganassi anstelle von Jones den bereits mehrfach zu Testeinsätzen gekommenen Felix Rosenqvist verpflichten könnte, hält sich hartnäckig. In Person von Stefan Johansson hat Rosenqvist denselben Manager wie Dixon...

Jones erklärt seine wenig komfortable Lage auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' mit den Worten: "Momentan habe ich keine Pläne für nächstes Jahr. Ich bin mir nicht sicher, wie es weitergeht. Ich stehe ein wenig im Dunkeln und warte einfach ab, was passiert. Ich schaue mich aber um, welche Optionen es gibt, sodass ich für den Fall, dass es nicht zusammen mit Ganassi weitergeht, eine Alternative habe."

Andretti: Aufstockung auf mehr als vier Autos?

Bei Andretti Autosport haben die vier Stammfahrer - Alexander Rossi, Ryan Hunter-Reay, Marco Andretti und Zach Veach - allesamt langfristige Verträge bis mindestens 2019 im Team von Michael Andretti. Dessen Sohn Marco war der letzte, dessen Vertrag erneuert wurde. Zwischenzeitlich hatte der jüngere Andretti Gerüchten zufolge auch Verhandlungen mit Ed Carpenter Racing geführt.

Doch bei Andretti Autosport muss es für die Saison 2019 nicht zwangsläufig bei vier Autos bleiben. Man denkt nämlich darüber nach, das Team mittels einer Kooperation aufzustocken. Michael Andretti hat mehrfach betont, dass er "bis zu sechs Autos einsetzen kann". Als wahrscheinlichste Kooperationspartner gelten McLaren Racing und Harding Racing.

Bei McLaren plant man nach der eigentlich nach Abschied klingenden Pressemitteilung vom 14. August, in der Fernando Alonso seinen Rückzug aus der Formel 1 zum Saisonende 2018 bekanntgab, doch weiter mit dem Spanier. Allerdings würde sich die Zusammenarbeit dann eben nicht auf die Formel 1, sondern aller Voraussicht nach auf die IndyCar-Serie beziehen. Seinen ersten IndyCar-Test abseits eines Ovals soll Alonso am Mittwoch kommender Woche (5. September) in einem Honda-befeuerten Andretti-Boliden im Barber Motorsports Park absolvieren.

Ob es aber - sollte es für 2019 eine Kooperation McLaren/Andretti geben - beim Honda-Antrieb bleibt, ist noch nicht sicher. Denn Michael Andretti denkt für die Aufstockung seines Teams offenbar auch über die Variante Chevrolet nach. Sollte sich anstelle von oder zusätzlich zu McLaren eine Kooperation mit Harding Racing ergeben, wäre die Chevy-Variante ohnehin logisch, weil Harding schon jetzt ein Chevy-Team ist.

Als Fahrer für das noch nicht in Stein gemeißelte erweiterte Andretti-Aufgebot kommen neben Alonso auch die beiden Indy-Lights-Titlelkandidaten Patricio O'Ward und Colton Herta in Betracht. Zudem wäre im Falle einer Zusammenarbeit mit Harding Racing eine Weiteranstellung der dortigen Piloten - Gabby Chaves und/oder Conor Daly - denkbar.

Carpenter und Rahal: Aufstockung auf jeweils drei Autos?

Nicht nur bei Andretti Autosport, sondern auch bei Ed Carpenter Racing und auch bei Rahal Letterman Lanigan Racing zieht man den Gedanken einer Vergrößerung des Teams in Erwägung. Ed Carpenter, der sich 2018 eines seiner beiden Vollzeit-Autos mit Jordan King teilt, weil er selbst nur die Ovale und King nur die Rundkurse fährt, plant neu. Für 2019 möchte er zwei Autos auf Vollzeitbasis haben und ein drittes für ihn selbst auf Teilzeitbasis nur für die Ovale.

Bei Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) fahren derzeit Graham Rahal - der Sohn von Teammitbesitzer Bobby Rahal - und zudem Takuma Sato die komplette Saison. Im Gegensatz zu den Überlegungen von Ed Carpenter drehen sich die Überlegungen von RLL dem Vernehmen nach um ein drittes Auto auf Vollzeitbasis. Als Fahrer könnte auch hier Colton Herta zum Zug kommen, sollte er im erweiterten Andretti-Aufgebot keinen Platz finden.

Juncos: Aufstockung auf zwei Autos geplant, aber nicht Vollzeit

Eine Aufstockung seines Teams plant auch Ricardo Juncos. Der Teambesitzer von Juncos Racing hat in der Saison 2018 ein Auto auf Teilzeitbasis an den Start gebracht. Dieses wurde abwechselnd von drei Piloten gefahren: Rene Binder, Kyle Kaiser und Alfonso Celis Jr. Mit Blick auf 2019 plant Juncos den Einsatz eines zweiten Boliden, von einem Vollzeitprogramm mit einem - geschweige denn zwei - Auto(s) will der Argentinier aber noch nicht sprechen.

"Zwei Autos zu haben ist definitiv der richtige Weg, denn wir wollen unsere Performance steigern", erklärt Juncos im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' und weiter: "Gerade für Rookies, aber auch für recht erfahrene Piloten ist es immer schwierig, wenn sie niemanden haben, mit dem sie ihre Daten austauschen können."

Deshalb erwägt Juncos, bei einigen Rennen der Saison 2019 zwei Autos einzusetzen, bei einigen anderen aber wie bisher komplett fernzubleiben. Bezüglich der Fahrer gibt sich der Juncos-Boss noch bedeckt, sagt aber: "Leider haben wir derzeit keine Teamsponsoren. Das heißt, wir werden Fahrer einsetzen müssen, die Geld mitbringen. Wir arbeiten aber sehr hart daran, Teamsponsoren zu finden. Das ist Teil meiner Aufgaben als Teambesitzer."

Kommen Dreyer/Reinbold, DragonSpeed, Scuderia Corsa?

Darüber hinaus gibt es im Lager von Dreyer/Reinbold Racing schon seit längerem Pläne, künftig nicht nur beim Indy 500, sondern auch bei weiteren IndyCar-Rennen anzutreten. Die bislang letzte volle Saison des Teams von Dennis Reinbold war 2011.

Bei dem bislang im Langstreckensport angesiedelten Rennstall DragonSpeed gibt es Pläne, 2019 in die IndyCar-Serie einzusteigen. Entsprechende Gespräche mit IndyCar-Rennchef Jay Frye hat es bereits gegeben. Und auch die ebenfalls im Langstreckensport aktive Scuderia Corsa, die beim diesjährigen Indy 500 eine Kooperation mit dem Team von Bobby Rahal einging, um Oriol Servia fahren zu lassen, kann sich weitere IndyCar-Starts vorstellen.

Chevrolet und Honda können sich Ausweitung vorstellen

Anzeichen auf eine Vergrößerung des IndyCar-Starterfeldes gibt es für 2019 also diverse. Die beiden in der Rennserie engagierten Motorenhersteller Chevrolet und Honda sprechen sich nicht kategorisch gegen eine Ausweitung ihres jeweiligen Programms aus, wenngleich dies mit erhöhten Kosten einhergehen würde.

Chevrolet rüstet 2018 für die Teams von Trevor Carlin, Ed Carpenter, A.J. Foyt, Mike Harding und Roger Penske insgesamt zehn Autos auf Vollzeitbasis plus das Ein-Wagen-Teilzeitprogramm von Ricardo Juncos aus. Honda verweist mit den Teams von Michael Andretti, Dale Coyne, Chip Ganassi, Bobby Rahal und Sam Schmidt auf zwölf Autos auf Vollzeitbasis plus das Ein-Wagen-Teilzeitprogramm von Michael Shank.

"Wir werden kein Limit dafür setzen, wie viele Motoren wir im nächsten Jahr anbieten. Für Gespräche mit Interessenten sind wir offen und wir werden jede einzelne Anfrage individuell bewerten" wird ein Honda-Sprecher von 'Racer' zitiert. Aus dem Chevrolet-Lager wurden dem Fachmagazin ganz ähnliche Aussagen zugespielt.

Die IndyCar-Saison 2019 beginnt am 10. März in St. Petersburg (Florida) und endet am 22. September in Laguna Seca (Kalifornien). Der komplette Rennkalender soll in wenigen Tagen veröffentlicht werden.

© Motorsport-Total.com