Paul Tracy ist enttäuscht von Robert Wickens' Verteidigung in St. Petersburg
Paul Tracy ist enttäuscht von Robert Wickens' Verteidigung in St. Petersburg © LAT

Paul Tracy findet, dass sich Robert Wickens über den Rossi-Unfall nicht wundern braucht: "In das Scheunentor wäre ich mit einem LKW reingestochen!"

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Nur langsam beruhigen sich die Gemüter nach dem kontroversen Ende des IndyCar-Saisonauftakts 2018 in St. Petersburg. Robert Wickens, der beim letzten Restart von Alexander Rossi ins Aus befördert wurde, hat bislang vor allem tröstende Worte erhalten, während Rossi einen Shitstorm über sich ergehen lassen musste. Doch erstmals äußert sich nun ein Experte kritisch über den Restart des ehemaligen DTM-Piloten. Und dieser kommt aus gerechnet aus dem eigenen Land: Paul Tracy findet, dass Wickens viel besser hätte verteidigen müssen.

"Ich kann es aus Rossis Perspektive nachvollziehen", sagt der ChampCar-Meister von 2003 gegenüber 'Racer'. "Wickens hatte keinen tollen Restart , hat die Innenbahn nicht abgedeckt und die Tür weit offen gelassen. Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn es Rossi nicht versucht hätte. Er hat es probiert, sie sind sich ins Auto gefahren und am Ende hat er Wickens aus dem Weg geschossen. Aber bei dieser gottverdammten Riesenlücke hätte ich es auch probiert. Da hätte man mit einem Truck reinstechen können!" Wickens sagte nach dem Rennen, dass innen zu viele Marbles lagen, um härter zu verteidigen.

Trotz allem hält Tracy viel von seinem Landsmann: "Er hatte ein hervorragendes erstes IndyCar-Wochenende und ist ein herausragendes Talent. Ich kenne ihn, seit er ein Baby war. Seine Eltern haben mit ihm und mir ein Foto bei einem Toronto-Rennen gemacht und dann war er bei mir im Team, als wir 2003 mit Forsythe Meister geworden sind. Er fuhr damals in der Formel Atlantic, als er 15 oder 16 war. Dann ist er nach Europa gegangen. Ich kenne ihn also seit langer Zeit. Und es tut mir leid für ihn, wie das ausgegangen ist."

Paul Tracy war seinerzeit als Raufbold bekannt. Wenn er sich einmal ungerecht behandelt fühlte, schreckte er nie davor zurück, den Kampf mit Fäusten fortzusetzen. Kein Wunder also, dass es ihn enttäuscht, wie professionell beide Fahrer mit der Situation umgehen: "Er hat echt Klasse bewiesen, aber was ich sehen will, sind Rivalitäten. Ich will sehen, wie er sagt: 'Zur Hölle mit ihm! Nächstes Rennen ist er dran!' Und ich will, dass Rossi endlich dieses 'Mr. Nice Guy'-Ding sein lässt und ein echter Drecksack wird."

Seines Erachtens würde es IndyCar nur helfen, wenn beide Fahrer mehr Pfeffer in die Sache bringen würden: "Die Leute schlagen sich darüber in den sozialen Medien die Köpfe ein. Da wäre es doch schön, wenn sie aufeinander losgehen würden. Ich mag Rossi, denn er ist ein beinharter Rennfahrer. Aber dann steigt er aus dem Auto aus und bleibt ganz ruhig." Vielleicht müsste Tracy dazu aber erst einmal den beiden in Formel 1 und DTM glattgebügelten Fahrern erklären, wie man in Amerika echte Fehden aufbaut - und sei es nur zum Schein.

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