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München und Imola - Valtteri Bottas zeigt in Imola ein enttäuschendes Qualifying. Toto Wolff macht ein Problem beim Finnen aus. Für Lewis Hamilton könnte das zum Problem werden.

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"To whom it may concern: Fuck you!" 

Das funkte Valtteri Bottas einst nach seinem Auftaktsieg in Melbourne 2019.

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Der Finne war sauer auf die Kritiker, die immer wieder anzweifelten, dass er bei Mercedes mehr als ein stiller Nummer-2-Fahrer neben Lewis Hamilton sein könnte.

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Und zweifelsohne zeigt Bottas immer wieder, was für ein exzellenter Fahrer er sein kann oder auch ist - doch ein ernsthafter WM-Kandidat? Eher nicht.

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Bottas lässt Konstanz vermissen

Der Start in diese Saison zeigt eindrucksvoll, warum das so ist: Bottas fehlt die Konstanz. Der 31-Jährige kann enorm schnell sein, was er vor allem in Trainings häufiger zeigt und ab und an sogar im Qualifying oder Rennen.

Doch Bottas hat wie beim Qualifying in Imola auch immer wieder Einbrüche dabei, die man so von einem Hamilton nicht kennt - oder zumindest deutlich seltener sieht (Formel 1 in Imola: Rennen So. ab 15 Uhr im SPORT1-Liveticker).

Nach starken Trainingseinheiten und der Bestzeit in Q1 - fast anderthalb Zehntel vor Hamilton - stand am Ende nur der enttäuschende achte Startplatz. Eine halbe Sekunde hinter dem Teamkollegen, der seinen Mercedes auf die Pole stellte.

Wolff: "Wenn es darauf ankommt..."

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff stimmte das nachdenklich. "Er hat unheimlich gute Runden dazwischen. Er war in Turn 2 und 3 unheimlich schnell in den Trainings. Aber wenn es im Qualifying darauf ankommt, sind das die Ecken, wo die Zeit fehlt", sagte der Österreicher bei Sky.

An den entscheidenden Stellen, die Bottas zuvor in den Trainings noch glänzend meisterte, patzt er demnach also unter Druck - zumindest in Imola. Keine guten Voraussetzungen, um mit den Weltklasse-Piloten Hamilton und Max Verstappen um einen Titel zu kämpfen.

Bottas konnte sich den Einbruch nicht genau erklären, aber das Auto verhielt sich laut ihm anders: "Im ersten Run von Q3 fuhr ich in Kurve 2 - und plötzlich brach das Heck aus. Das hat sich durch den ersten Sektor gezogen, da habe ich viel Zeit verloren. Im zweiten Run ist das wieder passiert."

Bereits bei den Tests und beim Auftaktrennen in Bahrain hatte Bottas über Probleme mit dem Heck geklagt. Allerdings sei es diesmal anders gewesen: "Jetzt war es mehr beim Kurveneingang. Das hatte ich noch nie."

Kriegt Bottas Reifen nicht auf Temperatur?

Stellt sich die Frage, wieso Hamilton nicht ähnliche Probleme hatte. Gibt es wirklich ein Problem am Mercedes von Bottas, was sich aber so leicht nicht finden lässt?

Für Wolff lag das Problem von Bottas am Aufwärmen der Reifen: "Valtteri hat es nicht geschafft, für den ersten Run den Reifen auf Temperatur zu bringen. Die Q1-Zeit mit dem zweiten Schuss hätte für P4 gereicht. Das ist natürlich unerfreulich."

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Wolff weiß, dass Mercedes 2021 einen starken zweiten Fahrer braucht, wenn es mit Hamiltons achtem WM-Titel klappen soll. Aufgrund der Überlegenheit von Mercedes war es in den vergangenen Jahren womöglich sogar von Vorteil, eine ruhige Nummer 2 zu haben, die nur hin und wieder Glanzlichter setzt. 

In dieser Saison befindet sich Red Bull jedoch mindestens auf Augenhöhe - und glaubt man Hamilton und Wolff, ist Mercedes sogar nur "der Jäger", da das Auto "in allen Bereichen unterlegen" sei.

Red Bull greift mit Verstappen und Pérez an

Fakt ist: Red Bull hat mit Sergio Pérez und Verstappen gleich zwei Fahrer, mit denen das Team Spitzenreiter Hamilton im Rennen attackieren kann. Oder wie es Wolff knapp ausdrückte: "Uns fehlt das zweite Auto."

In Bahrain hatte noch Red Bull dieses Problem, doch Pérez findet sich augenscheinlich immer besser in seinem neuen Team zurecht. Der Mexikaner ist wohl Verstappens stärkster Teamkollege seit Daniel Ricciardo - und könnte dafür sorgen, dass Hamilton von zwei Seiten unter Druck gerät.

In Imola zum Beispiel lässt Red Bull Pérez mit einer anderen Strategie starten. Mit den Softreifen hat er im Duell mit Hamilton und Verstappen auf der langen Graden eine gute Chance, direkt die Führung zu erobern. Danach könnte er den Briten ausbremsen und Verstappen so den Sieg ermöglichen.

Mercedes braucht zwei starke Fahrer

Dauerhaft wird diese Situation für Mercedes kaum zu lösen sein. Daher sagte Sky-Experte Ralf Schumacher auch, dass sich Bottas so ein Qualifying nicht mehr allzu oft leisten sollte - auch im Hinblick auf seine Zukunft als Mercedes-Fahrer.

Denn Hamiltons wahrscheinlicher Kronprinz George Russell glänzt bei Williams weiter und raste in seinem unterlegenen Boliden auf Rang 12. Gelingt Bottas nicht schleunigst eine Steigerung, läuft seine Zeit bei Mercedes nach dieser Saison vermutlich ab.

Aber womöglich lässt sich Bottas erneut durch die wachsende Kritik an ihm zu Höchstleistungen motivieren - auf Dauer werden jedoch wohl auch diese gelegentlichen Highlight-Rennen nicht mehr reichen.