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München - Beim ersten Saisonrennen der Formel 1 herrscht sogar bei Toto Wolff Verwirrung um eine Regel. Die FIA erklärt ihr Vorgehen beim Duell Verstappen vs. Hamilton.

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"Nicht schlecht für einen alten Mann." Die Genugtuung stand Lewis Hamilton (36) nach dem Großen Preis von Bahrain ins Gesicht geschrieben.

Sieben WM-Titel hat der Brite vorm Saisonstart 2021 gewonnen und 94 Siege geholt. Trotzdem war ihm dieser 95. Triumph besonders wichtig. Denn der König hat den Kronprinz noch einmal daran hindern können, ihn vom Thron zu stoßen.

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Nach Max Verstappens (23) überlegener Pole Position in einem bärenstarken Red Bull-Honda waren viele Experten davon ausgegangen, dass der junge Holländer den Auftakt zur neuen Formel-1-Saison in der Wüste gewinnt.

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Doch Mercedes und Hamilton wussten sich noch einmal zu wehren. "Wir mussten etwas Besonderes machen, um sie zu schlagen", gibt der Brite zu und spricht damit die Strategie mit zwei früheren Stopps an. "Es war unheimlich schwierig, die Reifen zu schonen und gleichzeitig nicht zu langsam zu werden."

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Verstappen verschafft sich einen Vorteil

Doch all das hätte nichts gebracht, wenn Verstappen bei seinem Überholmanöver wenige Runden vor Schluss nicht geschludert hätte. Mit allen vier Reifen überquerte das Mega-Talent aus Holland die weiße Linie der Streckenbegrenzung, nachdem er Hamilton kassiert hatte. Die Regelhüter der FIA werteten das Verlassen der Piste als unfairen Vorteil. Verstappen musste den ersten Platz wieder herschenken und damit auch den Sieg.

Das Problem: Eigentlich sollten die sogenannten Track Limits im Rennen gar nicht gelten! Hamilton überfuhr die weiße Linie an derselben Stelle in Kurve vier gleich mehrfach, ohne dafür bestraft zu werden. (Rennkalender der Formel 1 2021)

Red Bull-Teamchef Christian Horner fordert deshalb: "Wir brauchen Konstanz. Es darf nicht okay sein, die Linie im Rennen zu überfahren, aber dass man den Platz bei einem Überholmanöver nicht nutzen darf. Es sollte schwarz oder weiß sein – und nicht grau."

Mercedes-Teamchef Wolff "verwirrt"

Sogar Mercedes-Teamchef Toto Wolff zeigte sich "verwirrt". Wolff: "Denn vor dem Rennen hieß es, es würde keine Strafen geben, wenn man den Wagen in Kurve vier hinaustragen lässt. Dann kam auf einmal die Mitteilung: Wenn das weiter getan würde, werde das als Gewinnen eines unerlaubten Vorteils angesehen und geahndet. Wir haben das mit der Rennleitung diskutiert, mussten uns aber beugen. Wir haben da natürlich nicht das letzte Wort. Doch letztlich war es so, dass diese Entscheidung uns den Sieg gebracht hat." 

Trotzdem kann Wolff den Ärger bei Verstappen nachvollziehen: "Ich finde, wir brauchen da künftig klare Ansagen und nicht einen Roman von Shakespeare."

Wolff meint die sogenannten "Event Notes", eine Zusammenstellung von Regeln, die nur für das aktuelle Rennen gelten – und die während des Wochenendes in Bahrain sogar aktualisiert wurden. Laut Version eins vom Donnerstag wurden die Track Limits in Kurve vier gar nicht überwacht, weil durch Kunstrasen und Kiesbett ohnehin eine natürliche Streckenbegrenzung vorhanden sei.

In Version zwei vom Freitag ist von einer Kontrolle im Training die Rede, nicht jedoch im Rennen – es sei denn, der Fahrer habe sich einen anhaltenden Vorteil verschafft. (Alle Rennen der Formel 1 im LIVETICKER)

FIA-Rennleiter Masi spricht Klartext

FIA-Rennleiter Michael Masi will sich im Nachhinein auf gar keine Diskussion einlassen. "Es kam im Fahrerbriefing ganz klar zur Sprache und stand auch in den Event Notes, dass wir Verstöße nicht überwachen, wenn es nur um die Rundenzeit geht", erklärte der Nachfolger des legendären Rennleiter Charlie Whiting: "Aber es war immer klar und steht auch so im Reglement, dass damit kein anhaltender Vorteil gewonnen werden darf."

Masi versteht die ganze Aufregung nicht. "Ich habe den Fahrern bereits am Freitag mitgeteilt, dass ich mich am Funk melden und dem Team empfehlen werde, die Position zurückzugeben, wenn ein Auto neben die Strecke fährt und durch ein Überholmanöver einen anhaltenden Vorteil gewinnt", ergänzte der Australier.

Fest steht: Die Diskussion erübrigt sich ohnehin, hätte Verstappen sich vor und nach den entscheidenden Szenen besser positioniert. Nico Hülkenberg glaubt als Experte bei Servus-TV: "Max hatte noch ein bisschen Platz in der Kurve. Aber das sieht er in dem Moment natürlich nicht, wenn er im Auto sitzt. Da wird er sich ärgern."

Sky-Experte Martin Brundle hätte dem Red-Bull-Star indes eine andere Stelle zum Platztausch empfohlen: "Er hätte Lewis auch zwischen Kurve 13/14 durchlassen können. Dann hätte er DRS gehabt und gleich wieder attackieren können." (Fahrerwertung der Formel 1)

So oder so. Die gute Nachricht für Verstappen und die Formel 1 lautet nach dem GP Bahrain: Mercedes hat in Red Bull einen echten Herausforderer gefunden. Und Verstappen fordert Hamilton zum Gigantenduell.