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München - Sebastian Vettel erlebt einen Saisonsart zum Vergessen. Baldige Besserung zeichnet sich nicht ab. Das liegt aber weniger an ihm als an seinem neuen Team.

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Es sollte der Auftakt einer innigen Beziehung werden zwischen Sebastian Vettel und seinem "Honey Ryder".

So hatte der Heppenheimer bekanntlich sein Auto bei seinem neuen Team Aston Martin getauft. Er, der James Bond im grünen Overall, harmonierte in Bahrain mit seiner neuen Partnerin aber noch längst nicht so gut wie Sean Connery damals im ersten 007-Film mit Schauspielerin Ursula Andress. (Alles Wichtige zur Formel 1)

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Was der viermalige Weltmeister nach dem völlig verpatzten Renn-Wochenende zum Start in die neue Formel-1-Saison über seinen neuen Boliden sagte, klang in der Tat wenig amüsiert.

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Vettel sauer: "Viele Dinge kämpfen gegen mich"

"Ich fühle mich nicht zu Hause im Auto, viele Dinge kämpfen da gegen mich, so dass ich mich nicht aufs Fahren konzentrieren kann", schimpfte der 33-Jährige. Es waren Sätze, die er so oder so ähnlich auch im letzten Jahr häufig wählte. (Die Stimmen nach dem Bahrain-GP)

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Damals bei Ferrari war ihm das aber irgendwann egal. Denn er wusste ja schon früh in der Saison, dass seine Leidenszeit in Maranello bald zu Ende gehen und ein neues Abenteuer auf ihn warten würde.

Und dann das! Aus im ersten Qualifying-Abschnitt, Strafversetzung auf den letzten Startplatz fürs Rennen, da die Kollision mit Esteban Ocon. Am Ende Platz 15!

Vettel sammelt im Aston Martin nur Strafpunkte

Statt der ersten WM-Punkte gab es die ersten Strafpunkte – und das nicht zu knapp. Drei waren es, weil er in der Quali die gelben Flaggen nicht beachtet hatte, zwei weitere für den von ihm verursachten Unfall mit Ocon.

Nun könnte man das Rennen einfach abhaken und darauf bauen, dass es im nächsten Rennen schon wieder ganz anders laufen kann. Schließlich habe man ja "sehr viel gelernt", wie Vettel noch betonte.

Doch ob diese Erkenntnisse bei seinem "Honey Ryder" zu einer baldigen Verbesserung der Leistung führen werden, muss bezweifelt werden. Denn offensichtlich gehört Aston Martin zu den Verlierern der neuen Aerodynamik-Regel in der Formel 1. (Die Pressestimmen zum Bahrain-GP)

Die betrafen vor allem den Unterboden und den Diffusor. Ein Handicap, das Aston Martin mit einem flacheren Anstellwinkel des Boliden versucht hat, auszugleichen.

Neue Aerodynamik-Regeln schwächen Vettel

Mit diesem Design-Schachzug aber dürfte das Team Vettels Wagen in die völlig falsche Richtung entwickelt haben. Daten aus Bahrain zeigen, dass die Grünen im Qualifying 2,3 Sekunden pro Runde langsamer waren als im vergangenen Jahr auf derselben Strecke, als das Team noch Racing Point hieß. (Fahrerwertung der Formel 1)

"Das ist eine direkte Folge der neuen Aero-Regeln", ist sich Vettels neuer Team-Boss Otmar Szafnauer sicher.

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Pikant dabei: Mercedes hat beim Design offensichtlich ebenfalls aufs falsche Pferd gesetzt. Auch der Serien-Weltmeister entschied sich dafür, den Boliden flacher anzustellen als die Konkurrenten von Red Bull und Ferrari. Die Folge: Im Vergleich zum Vorjahr büßte auch Mercedes über zwei Sekunden bei der Rundenzeit ein.

Wollte man Mercedes schaden?

In der Szene wird übrigens offen darüber spekuliert, dass die Formel 1 mit dem neuen Aerodynamik-Reglement hauptsächlich Mercedes schaden und so die Dominanz der Silberpfeile brechen wollte.

Auf eine entsprechende Frage wich Szafnauer aus: "Ich sage nur, dass die neuen Aero-Regeln Autos mit einem flacheren Anstellwinkel härter getroffen haben als steiler angestellte Autos."

Klar ist aber: Während Mercedes immer noch siegfähig ist und durch Lewis Hamilton in Bahrain den ersten Saison-Erfolg feiern konnte, sieht es für Aston Martin düster aus. Auch wenn im Heck des grünen Flitzers ebenfalls ein Mercedes-Motor steckt.

Dabei war das Team unter dem Namen Racing Point im vergangenen Jahr noch der große Aufsteiger gewesen und kam in der Konstrukteurs-Wertung auf einen starken vierten Platz. (Alle Rennen der Formel 1 im LIVETICKER)

Doch auch damals schon ist dem Rennstall die Nähe zu Mercedes zum Verhängnis geworden, als er unerlaubter Weise die Bremsbelüftung des Motorenpartners kopiert hatte. Die Sanktion fiel mit 15 Strafpunkten in der Konstrukteurs-WM überraschend milde aus.

Wird Aston Martin zum großen Verlierer?

In dieser Saison könnte es Aston Martin noch viel schlimmer treffen – und das ganz ohne Bestrafung.

Denn der Anstellungswinkel eines Boliden gehört zum Grundgerüst eines jeden Autos und kann nicht mal eben von einem auf das andere Renn-Wochenende behoben werden. "Selbst wenn wir wollten, wäre das nicht möglich", klagt Szafnauer, "weil die Radaufhängung an den diesjährigen Autos bereits homologiert wurde."

Es ist also zu befürchten, dass Vettel mit seinem "Honey Ryder" noch eine ganze Weile den Konkurrenten hinterher fahren muss. (Rennkalender der Formel 1 2021)