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München - In seiner SPORT1-Kolumne erklärt Peter Kohl die Folgen der Budget-Deckelung in der Formel 1. Die Auswirkungen sind bereits beim Saisonauftakt in Bahrain sichtbar.

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Hallo liebe Motorsport-Freunde,

Kostenreduzierung. Seit Jahren das Streitthema schlechthin in der Königsklasse.

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Die kleinen Teams mit schmalem Budget sind dafür, sie wollen dadurch konkurrenzfähiger werden. Die großen Teams mit prall gefühlten Börsen haben wenig Lust, Vorteile abzugeben.

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Der erstmals greifende Budget-Deckel von 145 Millionen US-Dollar für diese Saison führt dazu, dass einige Big-Player wie Mercedes und Ferrari hochbezahlte Belegschaft in anderen Themenbereichen unterbringen muss. Was direkt zu einer Aufwertung der Langstrecken-WM führt, in der plötzlich viele Hersteller sich ambitioniert fühlen, LMH oder LMHd - Projekte aufzulegen.

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Budget-Deckelung beeinflusst Saisonauftakt

Kosten wurden auch durch die Reduzierung der Vorsaison-Testtage von acht im vergangenen Jahr auf drei in diesem Jahr gesenkt. Gut für die Budgets, aber mit Folgen für den Saisonauftakt. (SERVICE: Der Rennkalender der Formel 1 2021)

Generell gilt: Ist der eigene Windkanal nicht zu 100 Prozent richtig kalibriert, nutzen die erhobenen Daten im heimischen Werk wenig, wenn sie auf der Strecke nicht die errechneten Veränderungen bringen. Dazu haben die Top-Teams weniger Windkanalstunden zur Verfügung als die Hinterbänkler, um mehr Chancengleichheit zu schaffen.

Bei Mercedes ist der Effekt in Bahrain deutlich zu sehen gewesen. Die Anpassung an die neuen Aerodynamikregeln, unter anderem mit neuem Unterboden, hat das Heck des W12 schwammig werden lassen. In der Kürze der Testtage konnten Hamilton und Bottas das Problem nicht wirklich umfangreich aussortieren. Bottas bezeichnete sein Auto deshalb am ersten Rennwochenende als "unfahrbar".

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Red Bull auf dem richtigen Weg

Red Bull hat viele Dinge bereits Ende der vergangenen Saison schon in die richtige Richtung gelenkt. Was sich 2021 sehr positiv bemerkbar macht. Plötzlich haben wir zwei Teams auf Augenhöhe an der Spitze im Kampf um die WM-Titel. Gut so! Ein positiver Effekt der eingeschränkten Möglichkeiten.

Denn Mercedes kann jetzt nicht mehr auf Teufel komm raus eine Heerschar an hochbezahlten Ingenieuren und Technikern rund um die Uhr mit der Lösung der Problemfelder beschäftigen. Was in der Vergangenheit eine Stärke war.

Generell sind alle Teams, die bei den Tests in Bahrain mit Problemen zu kämpfen hatten und dadurch deutlich weniger als die Konkurrenten zum Fahren gekommen sind, beim Saisonstart an selber Stelle ins Stolpern geraten.

Stellvertretend kann man da Aston Martin sehen. Sebastian Vettel kam in drei Tagen, immer wieder ausgebremst durch technische Defekte, auf 117 Runden. Kimi Räikkönen fuhr im Alfa alleine am Schlusstag 160 mal um den Kurs! Ein Fluch des Sparens.

Neue und gewechselte Fahrer als Verlierer

Verlierer sind zu Saisonbeginn nahezu alle Fahrer, die Teams gewechselt haben, oder als Debütanten neu eingestiegen sind. Beispiel Daniel Ricciardo: Selbst für einen erfahrenen und erwiesenermaßen siegfähigen Piloten wie den Australier reichen die knappen Vorbereitungsmöglichkeiten nicht, sich ans neue Auto anzupassen.

Im Qualifying bei der Zeitenjagd über eine Runde lässt sich das noch kaschieren. Im Rennen hat der Sunnyboy seine gute Laune schnell verloren, weil er mit zunehmender Renndistanz immer langsamer wird. Er hat keine Chance, für sich ein renn- und distanzfähiges Set-Up zu erarbeiten. Der Reifenverschleiß ist bei ihm signifikant höher als bei Teamkollege Lando Norris, der auf seine Erfahrungen von 2020 zurückgreifen kann.

Vettel hat seinen Aston Martin noch nicht seinem Fahrstil anpassen können, Perez geht es bei Red Bull genauso. Und Carlos Sainz zieht gegen Leclerc den Kürzeren. Auch ein Fluch des Sparens. Die wahren teaminternen Kräfteverhältnisse werden sich wohl erst nach fünf oder sechs Rennen zeigen. (Alle Rennen der Formel 1 im LIVETICKER)

Abläufe können nicht ausreichend geübt werden

Die Neuen haben am meisten zu kämpfen. Bei den drei Testtagen mussten sie sich das Auto jeweils mit dem Teamkollegen teilen.

Mick Schumacher kam so nicht mal auf 1000 km. Im Simulator fahren ist schön und gut als Vorbereitung. Aber aufgrund der neu konstruierten Reifen für 2021 von Pirelli gab es vorab keine Daten, wie das Auto sich in Real mit dem neuen Gummi verhält. Das war im Vorfeld deshalb auch nicht zu simulieren.

Die Folge: Nikita Mazepin leistet sich im Freien Training und im Qualifying Dreher, wirft das Auto auf dem Kerb zu Rennbeginn weg. Mick Schumacher hat nach dem Re-Start mit erkalteten Reifen einen Dreher, Gott sei Dank ohne Einschlag. Yuki Tsunoda verliert beim Start mehrere Positionen.

Weil diese ganzen Abläufe unter verschiedenen Bedingungen im Vorfeld nicht wirklich ausreichend geübt werden konnten. Mangels Zeit. Ein Fluch des Sparens.

Der Sakhir-Circuit ist windanfällig, dazu mit ständig wechselnden Windrichtungen. Plus dem Sand auf dem Asphalt. Keine optimale Strecke, um sich auf ein neues Auto und neue Herausforderungen einzuschießen. Umso beachtlicher der neunte Platz von Tsunoda! Der erste Japaner, der seit 2012 in die Punkte fährt. Bei seinem Debut unter diesen erschwerten Bedingungen. Hut ab!

Spannung in Imola

Aber wenig Fahrzeit bedeutet wenig Fahren am Limit. Es wird dauern, bis die Neuen die Macken ihrer Autos verinnerlicht haben. Zeigen die sich im Hochgeschwindigkeitsbereich bei Tempo 300, kann das üble Folgen haben. Vor allem im Rennen im Pulk fahrend. Ein gesteigertes Risiko aufgrund der Testbeschränkungen. Ein weiterer Fluch.

Für die Mechaniker ist die Beschränkung und Reduzierung der Tests aus Spargründen ein Segen. Die Belastungen und Reisestrapazen durch das Mammutprogramm von 23 Rennen sind für viele eh schon grenzwertig.

Mal sehen, wer mit diesem Thema am besten zurecht kommt. Weitere Aufschlüsse darüber wird der nächste Grand Prix in Imola bringen.

Pedal To The Metal - Ihr Peter Kohl