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Startet Mick Schumacher in der Formel 1 gleich durch? Experte Marc Surer analysiert bei SPORT1 - und erklärt eine Aussage, die für Ärger gesorgt hatte.

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Der Titel in der Formel 2 im Sack, der Aufstieg in die Formel 1 perfekt: Mick Schumacher hat aus sportlicher Sicht die Woche seines Lebens hinter sich - wie schnell wird der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher nun der Königsklasse seinen Stempel aufdrücken?

Marc Surer, zwischen 1979 und 1986 selbst in der F1 aktiv und seit vielen Jahren einer der profiliertesten Motorsport-Experten im deutschsprachigen Raum, geht davon aus, dass Schumacher nach einer gewissen Anlaufzeit durchstarten wird.

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Im Gespräch mit SPORT1 merkt der Schweizer aber auch, dass das Team Haas, bei dem der 21-Jährige gelandet ist, nicht seine erste Wahl gewesen wäre.

Mick Schumacher kein "Überflieger"? Marc Surer steht dazu

Seitdem Schumacher 2008 im Kartsport erste Erfahrungen im Motorsport sammelte, arbeitete er sich Stufe für Stufe nach oben: Über die Formel 4 (2015 - 2016) und die Formel 3 (2017 - 2018) folgte der Sprung in die Formel 2, der mit dem Titelgewinn in der zweiten Saison gekrönt wurde.

"Er lernt extrem schnell", sagt Surer - obwohl er nach wie vor der Meinung ist, dass Schumacher "vielleicht nicht der Überflieger ist, der in ein Auto einsteigt und sofort gewinnt".

Diese Ansicht hatte Surer schon im Herbst im AvD Motorsport Magazin auf SPORT1 vertreten und damit unter anderem auch Micks Onkel Ralf Schumacher irritiert. Der 69-Jährige aber steht zu seinen Worten und betont, dass diese Analyse auch für Mick Schumacher spricht: "Man merkt, dass er Gelerntes sehr schnell umsetzen kann. Man sieht seine Entwicklung in der Vergangenheit. Im ersten Jahr fährt er jeweils mit und im zweiten Jahr gewinnt er. Das war in jeder Kategorie so."

Und gerade jetzt sei Schumachers kluger Kopf wichtiger denn je: "Die Formel 1 ist dermaßen kompliziert geworden mit den Reifen, der Bremsentemparatur und all dem anderen. Da hat einer, der mitdenkt, einen großen Vorteil", sagt Surer.

Surer findet Konstellation bei Haas nicht optimal

Anders als Michael Schumacher, der 1991 schon ab seinem zweiten Rennen mit Benetton in einem Spitzenteam Unterschlupf fand, muss Mick beim Neunten und Vorletzten der aktuellen Konstrukteurswertung erst mal lernen - sein erstes Freies Training wird er schon am Freitag vor dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi absolvieren (Haas-Boss Günther Steiner im SPORT1-Interview: Das erwarten wir von Schumacher).

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Aus Sicht von Surer ist Haas als erste Karriere-Station nicht ganz optimal: "Ich hätte ihn lieber bei Sauber Alfa Romeo gesehen. Das Team hat schon sehr viel Erfahrung mit jungen Piloten. Von Kimi Räikkönen bis Charles Leclerc - die sind alle bei Sauber in die Schule gegangen. Ich hätte das besser gefunden, wenn er neben einem erfahrenen Mann wie Räikkönen gefahren wäre."

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Stattdessen wird Altersgenosse Nikita Mazepin Schumachers Teamkollege, selbst ein Neuling. Dem Sohn des russischen Milliardärs Dmitri Mazepin eilt der schlechte Ruf eines "Paydrivers" voraus, dem das Geld des Vaters und nicht das Talent zu seiner Chance verholfen hat.

Surer sagt allerdings: "Er hat absolut das Zeug, in der Formel 1 zu fahren". Wobei er dennoch sicher davon ausgeht, dass "sich Mick im Team gegen Mazepin sehr bald durchsetzen wird". 

Führt Schumacher sein Team auf ein neues Level?

Als reinen Nachteil sieht Surer den Start bei Haas letztlich auch nicht: "Mick kommt in ein Team, das aktuell auf den hinteren Rängen platziert ist. Daher hat er eigentlich keinen großen Druck. Er kann lernen. Das Team will natürlich vorwärtskommen. Sie haben Mazepin, der Geld mitbringt. Dank Mick Schumacher werden sie gute Sponsoren finden. Somit wird es mit dem Team auch aufwärts gehen."

Schumacher hat einen mehrjährigen Vertrag mit unbekannter Laufzeit unterschrieben, es sieht so aus, als ob das Engagement als Langzeitprojekt angelegt ist.

Als gutes Zeichen in dieser Hinsicht sieht Surer auch, dass Ingenieur Simone Resta von Ferrari zu Haas kommen wird: "Das spricht alles dafür, dass das Team vorhat, nach oben zu kommen. Diesen Weg kann Mick mitgehen, weswegen der langfristige Vertrag sinnvoll ist."