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München - Sergio Pérez feiert in Sakhir den wichtigsten Sieg seiner Karriere. Doch es könnte für längere Zeit eines seiner letzten Formel-1-Rennen gewesen sein.

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Sergio Pérez hat in Sakhir den wichtigsten Erfolg seiner Karriere eingefahren.

Es war der erste Grand-Prix-Sieg des 30 Jahre alten Mexikaners, später hat in der fast 71-jährigen Formel-1-Geschichte nie ein Fahrer seinen Debüterfolg gefeiert. Der Racing-Point-Pilot gewann den turbulenten vorletzten Saisonlauf dank einer starken Aufholjagd. Nach einem unverschuldeten Unfall in Runde eins eroberte er vom letzten Platz den Sieg.

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Dabei profitierte Pérez von einem Reifenschaden George Russells, der als Ersatzmann für den positiv auf Corona getesteten Lewis Hamilton an den Start ging. Mit Max Verstappen, der in der Streckenbegrenzung landete, verabschiedete sich ein weiterer Konkurrent. (SERVICE: Konstrukteurswertung

Bei seinem Sieg spielte also offensichtlich auch ein Quäntchen Glück mit. Dennoch war man sich nach dem Rennen in Sahkir einig: Seinen ersten Formel-1-Triumph hatte sich Pérez verdient. "Gratulation an Sergio, klar freue ich mich für ihn und das Team. Sie haben es sich verdient", sagte etwa Sebastian Vettel.

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Pérez ohne Cockpit für 2021

Doch ausgerechnet jetzt, beim größten Erfolg seiner Karriere, steht Pérez vor einer ungewissen Zukunft. Denn: Im bald umbenannten Aston-Martin-Team wird Pérez von Vettel ersetzt. Für 2021 ist er noch ohne Cockpit.

"Ich habe bereits einige gute Optionen für 2022. Meine beste Option ist offensichtlich, im nächsten Jahr weiterzumachen. Aber wenn ich aufhören muss, dann ist das keine Katastrophe, ich kann 2022 wiederkommen", gab sich der F1-Profi optimistisch.

Es stellt sich allerdings die Frage, welcher Fahrersitz nächste Saison noch zur Verlosung steht.

Hoffen auf Platz neben Verstappen im Red Bull

Die Antwort ist enttäuschend: Pérez bleibt nur eine einzige Hoffnung auf einen Platz für 2021- und zwar bei Red Bull an der Seite von Max Verstappen, wo Alexander Albon nach mäßigen Leistungen auf der Kippe stehen soll.

"Sie werden eine Entscheidung nach diesem Wochenende treffen", sagte der 30-Jährige am Donnerstag vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi und gab sich entspannt: "Wann genau das sein wird, weiß ich nicht, aber ein bis zwei Wochen machen jetzt auch keinen Unterschied mehr."

Einen Wechsel in eine andere Serie schloss Pérez bereits aus. Sollte es mit Red Bull also nicht klappen, bleibt nur eine Zwangspause. "Es kann wirklich hart sein, und leider sind nicht die besten Fahrer in der Formel 1. Also machen wir weiter Druck und liefern ab. Ich denke, das ist der beste Weg", so Pérez.

Surer: "Teams schauen auf Fahrer, die Geld mitbringen"

Dass in der Königsklasse des Motorsports nicht immer nur bloße Leistungen ausschlaggebend sind, bemängelte auch der ehemalige F1-Pilot Marc Surer.

"Die Teams schauen heutzutage auch immer wieder auf Fahrer, die Geld mitbringen", machte der 69-Jährige bei SPORT1 deutlich und fügte hinzu: "Aber er bringt ja sogar Geld mit. Er hat Sponsoren, die ihn unterstützen. Dass dann so ein Fahrer, der Können und Geld mitbringt, kein Cockpit bekommt, ist sehr traurig für die Formel 1."

Das Problem der Paydriver habe es schon immer gegeben, so Surer. "Auch Michael Schumacher hat für sein erstes Formel-1-Rennen bezahlt. Das hat Sauber immer wieder bestätigt. Auch Niki Lauda hat sich in der Formel 1 eingekauft. Wenn ein Fahrer erfolgreich ist, dann hat er normalerweise auch Sponsoren im Rücken."

Der Fall Pérez zeige allerdings, dass es nicht immer nur am Geld liege, betonte der Schweizer. "Viele Teams setzen auch auf die Zukunft und damit junge Fahrer", erklärte Surer.

Formel-1-Teams setzen auf junge Fahrer

So geht mit Mick Schumacher in der neuen Saison ein 21-Jähriger für Haas an den Start. Sein Stallgefährte Nikita Mazepin ist ebenfalls erst 21 - sorgt allerdings gerade mit einem Sexismus-Skandal für so großes Aufsehen, dass sich sogar die FIA und Formel 1 zu Wort meldeten.

Platzt durch den Eklat um den jungen Russen doch noch sein F1-Traum bei Haas? Das könnte dann doch noch eine weitere Chance für Pérez bedeuten.

Pérez selbstbewusst: "Zehn Jahre lang gezeigt, was ich kann"

Fest steht, dass Pérez zuletzt immer wieder mit Podestplätzen sein fahrerisches Können unter Beweis stellte.

"In der Formel 1 ändert ein Rennen nicht dein Leben", betonte er mit Blick auf den Sakhir-Sieg und fügte selbstbewusst an: "Ich habe zehn Jahre lang Rennen für Rennen gezeigt, was ich kann. Auch diese Saison war sehr turbulent, und trotzdem bin ich Vierter im WM-Klassement."

Mit 125 Punkten ist er der beste Fahrer, der nicht in einem Mercedes oder Red Bull sitzt, Vettel steuert hingegen im Frust-Ferrari mit 33 Zählern als 13. auf die schlechteste Saison seiner Karriere zu. (SERVICE: Fahrerwertung)

Das Saisonfinale in Abu Dhabi am Sonntag (Formel 1:Großer Preis von Abu Dhabi ab 14.10 Uhr im SPORT1-Liveticker) könnte dennoch Pérez' vorerst letztes Formel-1-Rennen werden.

Doch der Mexikaner kann dort noch einmal Werbung in eigener Sache machen. Am besten mit einer ähnlichen Performance wie bei seinem Premierenerfolg in Sakhir.