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München und Sakhir - George Russell ist nach dem Sakhir-GP am Boden zerstört. Der Hamilton-Ersatz führt Bottas vor, ehe Mercedes ihm den Sieg kostet. Doch Russells Zukunft ist rosig.

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Wohl nie zuvor hat man den Fahrer des Tages nach einem Rennen so niedergeschlagen liegen sehen.

Mit seinem Schicksal hadernd hatte sich George Russell auf ein kleines Stück Wiese gelegt, um dieses völlig verrückte Rennen in Sakhir noch einmal Revue passieren zu lassen. (SERVICE: Fahrerwertung)

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"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es wurde uns zweimal weggenommen", hatte der Brite zuvor unmittelbar nach Rennende am Funk gesagt. Es folgte ein Schimpfwort, ehe der verzweifelte Russell kurz sogar während der Fahrt seine Arme und den Kopf auf das Lenkrad legte.

Anschließend erhielt Russell nicht nur vom Renningenieur, sondern auch von Mercedes-Cheftaktiker James Vowles und Motorsportchef Toto Wolff Lob für seine Fahrt sowie eine Entschuldigung für den peinlichen Fehler, der Russell letztendlich um den hochverdienten Sieg gebracht hatte.

Wirklich trösten konnte ihn aber keiner, genauso wenig wie die weltweiten Formel-1-Fans, die ihn mit 48% der Stimmen trotz des neunten Platzes zu ihrem Fahrer des Tages wählten.

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Wolff lobt "neuen Star" Russell

"Es nur der Beginn eines Märchens, welches heute nicht geklappt hat. Ich würde sagen 'a new star is born''', teilte Wolff nach dem Rennen in einem von Mercedes veröffentlichten Statement über Russell mit.

Das Märchen hatte am Dienstagmorgen um 2 Uhr begonnen, als Wolff bei Russell auf dem Handy anrief. Er erzählte dem 22-Jährigen, dass Rekordmeister Lewis Hamilton positiv auf das Coronavirus getestet worden war und er für ihn einspringen soll – sofern Williams dafür die Erlaubnis gibt.

Zu Russells Glück spielte sein eigentliches Team mit - und so durfte er den Sakhir-GP für Mercedes bestreiten. Nachdem er bereits mit Trainingsbestzeiten am Freitag und einem starken Qualifying am Samstag aufhorchen ließ, folgte im Rennen sein Meisterstück.

Direkt am Start düpierte er Bottas und überholte den Teamkollegen. Russell kontrollierte danach das Rennen mühelos, bis Mercedes ein fataler Boxenstopp-Fehler unterlief. Als beide Fahrer während einer Safety-Car-Phase kurz nacheinander in die Box kommen sollten, wurden bei Russell die Vorderreifen vertauscht.

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Mercedes verpatzt Stopp beider Fahrer

Da dies verboten ist, musste Russell direkt noch einmal in die Box, was ihn einige Positionen kostete. Er fiel sogar hinter Teamkollege Bottas zurück, obwohl der Reifenwechsel bei dessen Boxenstopp 27 Sekunden gedauert hatte, da seine Vorderreifen auf dem Wagen von Russell waren. (SERVICE: Konstrukteurswertung)

"Ich glaube, das war einer der kolossalsten Fuck-ups, den wir je hatten. Es war eine Seite des Teams, die den Funkspruch nicht gehört hat. Und so war der falsche Reifen draußen für das falsche Auto", erklärte Wolff die verpatzten Stopps bei Sky.

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Zurück auf der Strecke hielt sich Russell nicht lange mit Bottas auf und überholte ihn ein zweites Mal im Rennen, nachdem dieser sich einen kleinen Fehler erlaubt hatte. Wie eiskalt Russell diesen ausnutzte, würden sich viele Mercedes-Fans vermutlich auch einmal von Bottas wünschen.

Dem Finnen bereiten Überholmanöver oft merklich größere Probleme als Teamkollege Hamilton - und augenscheinlich auch dem ähnlich furchtlosen Russell. Nachdem dieser sich bis auf Platz zwei vorgekämpft hatte und kurz zuvor war, den späteren Sieger Sergio Pérez anzugreifen, wurde er von einem Plattfuß ausgebremst.

Bottas entgeht drittem Überholvorgang knapp

Russell fiel weit außerhalb der Punkteränge zurück, kämpfte sich mit schnellsten Rennrunden aber noch einmal bis auf Rang neun vor. Für Bottas kam die Zielflagge gerade rechtzeitig, sonst wäre er ein drittes Mal in einem Rennen von seinem Teamkollegen überholt worden.

Noch dazu von einem Teamkollegen, der erstmals in einem Rennen im Mercedes saß und der Prellungen am ganzen Körper hatte, weil er nicht ins Cockpit des deutlich kleineren Hamilton passte. Der heroische Einsatz wurde zumindest mit den ersten Punkten seiner Formel-1-Karriere belohnt.

Nach dem verrückten Rennen erhielt er einen Anruf seiner Eltern. "Meine Mutter konnte nicht sprechen. Ich glaube, sie hat vermutlich geweint, deshalb hat sie meinen Vater ans Telefon geholt", sagte Russell bei Sky und fügte hinzu: "Er hat gesagt: 'Du kannst so stolz sein, wir sind sehr stolz auf dich.'"

Selbst die FIA zeigte Mitleid nach der Gala-Leistung und beließ es bei einer Geldstrafe von 20.000 Euro für Mercedes. Zwar erklärten die Stewards in einem Statement, dass eine Disqualifikation von Russell möglich gewesen wäre - doch man entschied sich dagegen, da es mildernde Umstände geben würde.

Hamilton-Genesung entscheidet über Einsatz

Russell hatte nach dem Rennen aber auch so gefunkt: "Ich bin am Boden zerstört, aber wir werden diese Chance wiederbekommen." Dann fiel ihm ein, dass er eigentlich gar nicht für Mercedes fährt, weshalb er sich leicht korrigierte: "Ich hoffe, wir kriegen diese Möglichkeit wieder."

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Mit "wir" meinte er in diesem Fall wohl in erster Linie sich, da Mercedes sich sicher sehr bald wieder in einer Sieg-Position befinden wird. Wie schnell es bei Russell passiert, hängt von der Genesung von Hamilton ab. "Wenn er gecleart wird, wenn er einen negativen Test hat, dann wird er fahren. Und wenn nicht, dann ist es George", stellte Wolff klar.

Russell wird daher abwarten müssen, ob er in dieser Saison noch einmal die Chance erhält. Ein Mercedes-Cockpit dürfte nach diesem Auftritt jedoch nur noch eine Frage der Zeit sein. Zwar sieht Wolff die Paarung Hamilton und Russell für 2021 "im Moment nicht als realistische Situation".

Russell könnte sogar Hamilton gefährlich werden

Dass Wolff es aber für "eine interessante Situation" hält und sogar eine "Art Achterbahnfahrt für alle von uns" befürchtet, zeigt deutlich, dass Wolff dem jungen Briten sogar zutraut, Landsmann Hamilton gefährlich werden zu können.

Doch auch wenn die Verantwortlichen kein Schlupfloch im für 2021 gültigen Vertrag von Bottas entdecken sollten, wird Russell eben im Jahr darauf zum Mercedes-Fahrer. Sein erster Karrieresieg, um den er in Sakhir von seinem Team gebracht wurde, ist daher wohl nur aufgeschoben.

Denn wie sagte Wolff am Samstag noch: "Ihm gehört die Zukunft."