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München - Lewis Hamilton fällt für den Sachir-GP aus. Bottas muss sich daher mit Hamiltons Kronprinz Russell messen. Das Ergebnis könnte beide Karrierewege entscheiden.

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Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2020 ist zugunsten von Lewis Hamilton entschieden - doch für Valtteri Bottas und George Russell wird der Große Preis von Sachir am Wochenende dennoch zum wichtigsten Rennen ihrer bisherigen Laufbahn.  (Formel 1: Der Große Preis von Sakhir, Sonntag, 18.10 Uhr im LIVETICKER)

Erstmals treten Hamiltons langjähriger Mercedes-Teamkollege und sein vermeintlicher Kronprinz in einem gleichwertigen Auto gegeneinander an. (SERVICE: Der Rennkalender der Formel 1)

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Vor allem Bottas steht dabei enorm unter Druck. Seine bisherige Chancenlosigkeit gegen Hamilton hatten seine Fans stets damit rechtfertigen können, dass er gegen einen der besten Fahrer in der Formel-1-Geschichte antreten muss, auf dessen Fahrweise das Auto zudem zugeschnitten ist.

Doch nun hat der Finne einen deutlich unerfahreneren Kollegen als Kontrahenten, der während eines Rennens noch nie in einem Spitzenauto saß. Eine Niederlage gegen ihn könnte Folgen für Bottas' Rennfahrer-Karriere haben.

"Russell ist ein großes Talent und hat die Beförderung verdient. Ich bin überzeugt: Er wird einen guten Job machen. Er hat gar nichts zu verlieren, Teamkollege Valtteri Bottas dagegen schon", sagt Ex-Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher bei SPORT1.

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Wolff: "Bottas hohe Messlatte für Russell"

Zumal: Die Wahl von Mercedes-Junior Russell als Ersatz für den an mit dem Coronavirus infizierten und beim zweiten Bahrain-Grand-Prix somit ausfallenden Hamilton dürfte einen Hintergedanken haben - und in diesem Zusammenhang auch die Entscheidung gegen die eigentlich erwartete Berufung von Reservist Stoffel Vandoorne.

Russell als "Leihgabe" von Wiliams hat Kalkül, wollen die Silberpfeile doch testen, wie der 22-Jährige selbst unter schwierigen Voraussetzungen im Vergleich zu Bottas abschneidet.

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"Ich bin zuversichtlich, dass er eine starke Leistung abliefern wird neben Valtteri, der für ihn eine hohe Messlatte sein wird", sagt Toto Wolff. (SERVICE: Fahrerwertung der Formel 1)

Auch wenn der Mercedes-Motorsportchef Russells Wechsel vom Williams zum Mercedes W11 als schwierig einschätzt, so ist er doch überzeugt: "Er ist bereit für das Rennen und verfügt zudem über ein detailliertes Verständnis der 2020er-Reifen und wie diese mit der derzeitigen Fahrzeuggeneration zusammenspielen.“

Ralf Schumacher: Bottas unter enormem Druck

Gelingt es Russell, die "Messlatte" Bottas zu nehmen, hat er allerbeste Karten auf ein Mercedes-Cockpit. Falls Hamilton erwartungsgemäß verlängert, ist für 2021 offiziell zunächst zwar kein Cockpit mehr frei. Doch das muss in der Formel 1 nichts heißen, falls Russell am Wochenende glänzt.

"Dann kann ich mir gut vorstellen, dass wir in der nächsten Saison George Russell an der Seite von Lewis Hamilton erleben werden", sagt  Schumacher bei SPORT1. "Bottas hat zwar einen Vertrag, aber ich kenne die Formel 1. Ich bin sicher, dass Toto Wolff einen Vertrag gemacht hat, der auch gewisse Schlupflöcher für den Fall der Fälle beinhaltet."

Der Druck auf Bottas ist demnach riesig, er muss liefern. Zumal der 31-Jährige zuletzt beim ersten Bahrain-GP als Achter enttäuscht hatte. 

"Bottas wirkt in letzter Zeit von seiner ganzen Körpersprache her nicht gerade selbstsicher", so Schumacher. "Je länger die Saison dauert, desto mehr verliert er gegen Hamilton. Er ist in Bahrain nach Hamiltons Ausfall der Teamleader, von dem alle den Sieg erwarten und man geht davon aus, dass er Mercedes-Neuling Russell im Griff hat. Sollte das nicht der Fall, schwant mir Böses."

Bottas kämpft nebenbei auch noch um die Vizeweltmeisterschaft gegen Red-Bull-Pilot Max Verstappen, was mit dem schnelleren Auto ebenfalls von ihm erwartet werden kann. Zwar hatte der Finne einige Male Pech mit Defekten, doch das trifft mindestens genauso häufig auf Verstappen zu.

Russell knackt sogar Qualifying-Rekord

Russell wiederum bewegt sich mit dem unterlegenen Williams in ganz anderen Regionen, wartet immer noch auf den ersten Punkt in dieser Saison. Gleichwohl macht der Brite immer wieder mit sensationellen Qualifying-Leistungen auf sich aufmerksam.

Ende Oktober hatte Russell sogar einen Formel-1-Rekord aufgestellt, nachdem er zum 34. Mal in Folge seit Karrierebeginn 2019 einen Teamkollegen im Qualifying hinter sich gelassen hatte. 

Für Russell wäre ein Wechsel zu Mercedes denn auch der nächste logische Schritt. Die Karriere des 22-Jährigen ist gepflastert mit Erfolgen, vor seinem Aufstieg in die F1 wurde er 2017 Meister in der GP3-Serie und gewann ein Jahr später die Formel-2-Meisterschaft.

Russell Mitglied im Mercedes-Förderprogramm

Vor allem gehört Russell aber seit Anfang 2017 zum Förderprogramm von Mercedes - was Wolff besonders freut: "Dieses Rennen stellt auch einen kleinen Meilenstein für uns dar, weil zum ersten Mal ein Mitglied unseres Juniorprogramms für das Mercedes-Werksteam an den Start geht."

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Mercedes liebend gern einen eigens herangezogenen Fahrer in die Königsklasse des Motorsports führen mag und nicht nur wie bisher fertige Stars holen will - ein Fakt, auf dem Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko nur allzu gerne herumreitet.

Russell könnte dabei nicht nur der Fahrer sein, der diese Sticheleien verstummen lässt, sondern auch die Lösung auf die Frage, wer nach Hamiltons Karriereende bei Mercedes die Titel einfahren soll.