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München - Bei der Scuderia Ferrari hängt der Haussegen schief. Sebastian Vettel droht nach dem Bahrain-GP mit einem Crash. Teamkollege Charles Leclerc reagiert kleinlaut.

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Ring frei für die nächste Runde!

Sebastian Vettels Abschiedstournee bei der Scuderia Ferrari will einfach nicht in ruhige Fahrwasser kommen. Sportlich ist von den Italienern in dieser Saison nicht mehr viel zu erwarten - zu weit sind die Roten technisch abgehängt. (SERVICE: Konstrukteurswertung)

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Aber auch im Teamgebälk knirscht es ordentlich. Auf der Strecke scheint es fast so, als sei Vettels größte Gefahr sein Teamkollege Charles Leclerc. Beim Großen Preis von Bahrain kamen sich die beiden Boliden mal wieder gefährlich nahe. Nur der raschen Reaktion des viermaligen Weltmeisters ist es zu verdanken, dass zumindest beide Boliden aus Maranello ins Ziel kamen.

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Stein des Anstoßes war diesmal das riskante Überholmanöver des Monegassen beim Re-Start nach Romain Grosjeans Horror-Unfall. Leclerc, von Rang zwölf gestartet, presste sich in der ersten Kurve an Vettel vorbei, der eine Kollision nur durch ein Ausweichmanöver verhindern konnte. Infolgedessen fiel der Heppenheimer auf Rang 14 zurück und machte sich per Funk Luft.

Vettel fühlt sich an Spielberg erinnert

"Das kann er doch nicht machen", beschwerte er sich bei seinem Team und fügte hinzu: "Er tut so, als wäre ich nicht da gewesen. Genau wie in Österreich." In Erinnerung an dieses Ereignis schäumte Vettel weiter: "Vielleicht hätte ich es diesmal auf einen Crash ankommen lassen sollen. Den ganzen Vormittag reden wir darüber, wie wir uns gegenseitig Platz lassen sollen, und dann sticht der Kerl in die kleinste Lücke rein, die es gar nicht gibt, und spekuliert darauf, dass ich Platz mache."

Nach dem Rennen hatte sich der 33-Jährige wieder einigermaßen unter Kontrolle. "Ich habe am Start viel Boden verloren, weil ich Rücksicht auf das andere Auto von uns genommen habe", erklärte er diplomatisch.

Zumindest dämmerte Leclerc nach dem Rennen, dass er da vielleicht etwas zu weit gegangen ist: "Von meiner Seite kann ich nur sagen, dass es natürlich extrem eng war. Ich habe sichergestellt, dass er mich sehen kann. Du kannst argumentieren, dass es vielleicht nicht genug Abstand zwischen unseren Autos war, wenn man bedenkt, dass wir im selben Team sind. Aber ja - das war‘s."

In Monza 2019 beginnt der Zoff

Wirklich besänftigen wird sich Vettel von dieser angedeuteten Einsicht aber wohl nicht lassen. In der Beziehung der beiden Ferrari-Piloten ist schon zu viel vorgefallen, um nun so kurz vor Vettels Wechsel zu Aston Martin noch so etwas Ähnliches wie gegenseitige Wertschätzung aufzubauen.

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Begonnen hatte alles mit dem Großen Preis von Monza in der Saison 2019. Im Qualifying war abgesprochen, dass sich Vettel und Leclerc abwechselnd vor ihren schnellen Runden Windschatten geben sollten. Vettel hielt sich in Q3 an die Absprache, wartete seinerseits auf seiner zweiten schnellen Runde aber vergeblich auf die Hilfe des Teamkollegen.

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Nach außen versuchten alle Beteiligten die Wogen zu glätten, im Debriefing soll es allerdings hitzig zugegangen sein zwischen den beiden Kontrahenten.

In Spielberg eskaliert die Situation

Nur zwei Wochen später revanchierte sich Vettel beim Russland-GP. Dort verweigerte er eine Ansage seines Teams, Leclerc passieren zu lassen. Die Scuderia konnte die gewünschte Reihenfolge erst über den Boxenstopp herstellen. Eine weitere Eskalation der Situation wurde durch den Ausfall Vettels verhindert.

Seinen vorläufigen Höhepunkt fand der Zoff beim Großen Preis der Steiermark. Beim zweiten Rennen der aktuellen Saison krachte der Monegasse seinem Teamkollegen bereits nach wenigen Kurven in den Heckspoiler. Vettel musste in die Garage und das Rennen war für ihn beendet.

"Ich weiß nicht, welche Lücke Charles gesehen hat...aber es ist nicht gut gegangen", sagte der 33-Jährige danach bei RTL: "Ich hatte keinen Platz, woanders hinzufahren. Drei Autos in der Ecke gehen nicht", brodelte es nach dem Rennen in ihm.

Leclerc und Vettel: Ende einer Dauer-Fehde

Auch nach diesem Vorfall zeigte sich Lelcerc wieder zerknirscht. "Es war klar mein Fehler, da gibt es keine Diskussion“, so der Monegasse: "Heute war ich ein Arschloch, ich finde kein anderes Wort dafür. In unserer Situation müssen wir alle Chancen nutzen. Heute habe ich es vermasselt", sprach er bei Canal+ Tacheles.

Diese Beschreibung für seinen Teamkollegen ist Vettel wohl auch schon einige Male in den Kopf gekommen. Öffentlich gesagt hat er es immerhin noch nicht. Die - wenn auch sicher nicht ganz ernstgemeinte - Androhung eines Crashs ist allerdings eine neue Stufe im Zoff zwischen Vettel und Leclerc.

Daher ist es vielleicht ganz gut, dass die Saison nur noch zwei Rennen bereit hält. (SERVICE: Rennkalender)