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Nürburgring und München - Sebastian Vettels kommender Teamchef bei Aston Martin spricht bei SPORT1 über die Scuderia, Vettels Stärken und das Comeback von Nico Hülkenberg.

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Nach dem Ende der laufenden Saison wechselt Sebastian Vettel von Ferrari zu Aston Martin, dem Team, das jetzt noch Racing Point heißt. Sein neuer Chef Otmar Szafnauer freut sich bereits auf den künftigen Input des viermaligen Weltmeisters. Vor allem in Sachen Motor erwartet sich der Rumäne viel.

Doch Szafnauer will nicht nur von Vettel profitieren, er will dem Deutschen auch eine Menge geben. "Ich bin sicher, er wird aufblühen", so der Teamchef.

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Bevor es aber zwischen Vettel und dann Aston Martin ernst wird, steht am Sonntag der Große Preis der Eifel auf dem Programm (Formel 1: Großer Preis der Eifel am Sonntag ab 14.10 Uhr im LIVETICKER). Auf dem Nürburgring sitzt dann unverhoffterweise Nico Hülkenberg statt Lance Stroll im Cockpit.

Im SPORT1-Interview spricht Otmar Szafnauer über das kurzfristige Engagement von Hülkenberg, die Vorzüge von Sebastian Vettel und die Fehler der Scuderia.

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SPORT1: Mister Szafnauer, ausgerechnet beim deutschen Heimspiel am Nürburgring sitzt Nico Hülkenberg überraschend erneut im Cockpit eines Racing Point. Wie war Ihr Tag so?

Otmar Szafnauer: Unglaublich arbeitsreich (lacht). Lance fühlte sich heute Morgen unwohl. Also haben wir beschlossen, ihn für den Rest des Wochenendes nicht mehr einzusetzen. Glücklicherweise war Nico in der Nähe von Köln und konnte problemlos für Lance einspringen. Nach seinen Einsätzen in Silverstone war er die logische Wahl. Dass das Qualifying eine Mammutaufgabe für ihn werden würde, war von Anfang an klar. (Rennkalender 2020 der Formel 1)

SPORT1: 2021 haben Sie auch wieder einen deutschen Fahrer. Das ist in Ihrem Team ja gute Tradition...

Szafnauer: Stimmt. Wir hatten und haben Nico Hülkenberg, Adrian Sutil, vorher schon Timo Glock bei Jordan, Heinz-Harald Frentzen, Nick Heidfeld, sogar Michael Schumacher. Pascal Wehrlein hat für uns getestet - und nun kommt bald Sebastian Vettel. Wir freuen uns auf ihn und darauf, dass er uns auf das Level hebt, das er von den größeren Teams gewohnt ist. Er ist ein viermaliger Weltmeister. Ich bin sicher, er kann uns zeigen, worauf es ankommt, wenn man um Siege und Titel kämpfen will. Und wir werden ihm helfen, wieder das Können abzurufen, das ihn ausgezeichnet hat. Deshalb sollte die Kombination erfolgreich werden.

Otmar Szafnauer (l.) mit Alfa-Romeo-Routinier Kimi Räikkönen
Otmar Szafnauer (l.) mit Alfa-Romeo-Routinier Kimi Räikkönen © Imago

SPORT1: Was erwarten Sie genau von Vettel?

Szafnauer: Sebastian hat extrem viel Erfahrung und ist trotzdem erst 33 Jahre alt. Und er weiß, wie man Weltmeisterschaften gewinnt. Ich hoffe, dass er uns die Richtung vorgibt, in die wir das Team und das Auto entwickeln müssen. Wie geht ein Top-Team an ein Wochenende heran, was haben Ferrari und Red Bull anders gemacht als wir? Es ist nicht gesagt, dass beide Mannschaften etwas besser machen, aber so ein direkter Vergleich ist sinnvoll, um sich das Beste aus allen Welten herauszupicken. Das wiederum wird uns ermöglichen, den nächsten Schritt zu machen.

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SPORT1: Sebastian Vettel ist ein großer Fan der britischen Rennmentalität. Inwiefern trifft er bei Ihnen auf genau diesen Spirit?

Szafnauer: Zu 100 Prozent. Der Racing Spirit ist Teil unserer DNA. Alles begann mit Jordan und als Force India haben wir diese Mentalität weitergelebt. Wir haben Teams geschlagen, die doppelt so viel Budget hatten wie wir. Sebastian wird es genießen in diesem Umfeld zu arbeiten und es wird ihm helfen zu alter Stärke zurückzufinden. Dazu kommt, dass wir mit Lance Stroll einen sehr jungen, wissensdurstigen Fahrer haben, der viel von Seb lernen kann. Mit der Kombination aus beiden wäre es eine fantastische erste Saison für Aston Martin, wenn wir regelmäßig um Punkte und Podestplätze fahren könnten.

SPORT1: Sie haben einmal gesagt, dass jeder von uns Liebe braucht, auch Fahrer. Inwiefern werden und können Sie Sebastian wieder mehr Liebe geben als zuletzt Ferrari?

Szafnauer: Es geht um den Respekt und die Art und Weise zusammenzuhalten. Wir wissen die Talente jedes Einzelnen zu schätzen und zeigen nicht mit dem Finger auf jemanden. Wir ermutigen unsere Leute, aus Fehlern zu lernen. Wir ziehen alle am selben Strang und haben eine gute Arbeitsatmosphäre, eine Kultur, in der wir niemanden beschuldigen, weil er einen Fehler gemacht hat. Das bezieht sich auch auf die Fahrer. Wir treffen Entscheidungen aufgrund von Daten. Man kann ein noch so guter Entscheider sein, wenn man keine guten Informationen hat, auf denen die Entscheidungen beruhen. Das wird Seb gefallen und ich bin sicher: Er wird aufblühen.

SPORT1: Dürfte ihm auch Ihr Auto mehr entgegen kommen als der Ferrari mit seinem Wackel-Heck?

Szafnauer: Das wird die Zeit zeigen. Aber ja, ich denke, er wird mit unserem Auto gut zurechtkommen. Wir freuen uns auch auf sein Feedback zu unserem Motor. Nico Hülkenberg konnte unseren Antrieb gut mit dem Renault vergleichen, bei Seb wird es der Ferrari sein. Alles Dinge, die uns helfen.

SPORT1: Vettel musste sich in den letzten Monaten sehr viel Kritik anhören. Warum setzen Sie so viel Vertrauen in ihn?

Szafnauer: Weil ich glaube, dass ein 33 Jahre alter Pilot das Fahren eines Formel-1-Autos nicht von heute auf morgen verlernt. Es muss an etwas anderem liegen. (DATENCENTER: Die Fahrerwertung der Formel 1)

SPORT1: Racing Point wird 2021 Aston Martin heißen. Können die Fans Siege von der James-Bond-Marke erwarten?

Szafnauer: Die Möglichkeiten das Auto von diesem auf nächstes Jahr zu verbessern, sind aufgrund der Corona-Pandemie und entsprechenden Regeländerungen begrenzt. Aber: Wir haben derzeit das drittschnellste Auto und damit werden sich in einer langen Saison Möglichkeiten ergeben - so wie Gasly dieses Jahr in einem Alpha Tauri gewinnen konnte. Ich freue mich auf diese Gelegenheiten und dann müssen wir da sein und zuschlagen. Auch da wird ein Sebastian Vettel mit seinem Näschen für Rennsituationen helfen.

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SPORT1: Wird sich mit dem berühmten Namen Aston Martin auch der Druck erhöhen?

Szafnauer: Natürlich wird der Druck größer und auch sonst wird sich einiges ändern. Aston Martin ist eine große, 107 Jahre alte Traditionsmarke. Ich bin ein großer James-Bond-Fan. Wir wollen die Marke würdig vertreten. Aber wir haben ein schnelles Auto und zwei tolle Fahrer. Wir sind gut vorbereitet. Sebastian wird uns helfen, die gesamte Performance aus dem Auto rauszuholen.

SPORT1: 2021 greift erstmals auch eine Budgetgrenze. Ihr Team galt schon immer als effizient. Ein Vorteil?

Szafnauer: Das könnte in der Tat ein Vorteil sein. Es ist jedenfalls einfacher, mit einem Team zu wachsen als es zu schrumpfen. Während wir sowieso unterhalb der Budgetgrenze operieren, müssen andere Teams erst einmal Möglichkeiten ausmachen, wo sie sparen können. Und sie werden dabei auch Performance verlieren. Das könnte uns in die Karten spielen.

SPORT1: Genau wie eine neue Fabrik und ein neuer Simulator.

Szafnauer: Stimmt. Unsere Simulations-Werkzeuge werden immer besser. Wir werden schon bald die Infrastruktur haben, um mehr zu experimentieren. Also werden wir unsere Entwicklungsrate hoffentlich steigern. Danach werden wir auch einen neuen Simulator bekommen und im Laufe des Jahres 2021 in die neue Fabrik umziehen. Bis dahin wird es 2020 noch ein spannender Kampf im Mittelfeld und fürs nächste Jahr freue ich mich auf ein Aston-Martin-Team mit einem viermaligen Weltmeister am Steuer.