Kann sich Mick Schumacher (l.) gegen seine Rivalen Robert Shwartzman (M.) und Callum Ilott durchsetzen?
Kann sich Mick Schumacher (l.) gegen seine Rivalen Robert Shwartzman (M.) und Callum Ilott durchsetzen? © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago/iStock
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München - Noch in diesem Jahr könnte Mick Schumacher Testfahrten in der Formel 1 bestreiten. Sein ehemaliger Teamchef und Marc Surer schätzen bei SPORT1 die Chancen ein.

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Am kommenden Renn-Wochenende in Monza werden die Ferrari-Bosse die Formel 2 mit Argusaugen verfolgen.

Auf der Heim-Strecke der Scuderia kämpfen gleich drei ihrer Piloten nicht nur um die Meisterschaft, sondern auch um ein Stamm-Cockpit für die Formel-1-Saison 2021. Für reichlich Spannung ist somit gesorgt.

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Erst recht, nachdem Mattia Binotto den Konkurrenzkampf zwischen den drei Ferrari-Junioren Mick Schumacher, Robert Shwartzman und Callum Ilott angeheizt hat: "Ich glaube, Robert, Callum und Mick tun alles und zeigen Fortschritte im Vergleich zum letzten Jahr. Ich denke, die zweite Saisonhälfte wird wichtig sein."

Für den Ferrari-Teamchef seien dabei nicht nur die reinen Ergebnisse, sondern in gleichem Maße die Entwicklung entscheidend. In der Fahrerwertung führt aktuell Shwartzman (132 Punkte) vor Ilott (122) und dem viertplatzierten Mick Schumacher (106).

Alle drei gehören der Ferrari Driver Academy an und wollen in die Königsklasse des Motorsports aufsteigen. SPORT1 hat bei Marc Surer und Frits van Amersfoort nachgefragt, wer die besten Chancen hat, welche Formel-1-Teams in Frage kommen und wo sich Mick Schumacher noch verbessern muss.

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Van Amersfoort: In der Formel 1 sollte ein Schumacher fahren

Der Sohn von Michael Schumacher durfte bereits 2019 in Bahrain Testfahrten absolvieren und hinterließ mächtig Eindruck. "Das war ziemlich beeindruckend, was er dort gezeigt hat. Er fuhr im Ferrari und im Alfa Romeo", schwärmt Surer: "Der Junge kann schon Formel 1 fahren."

Nicht von ungefähr kündigte Alfa Romeos Teamchef Frederic Vasseur jüngst an, dass Schumacher vor Ende der Saison sicher wieder Testfahrten absolvieren wird.

In dasselbe Horn bläst auch Teamgründer van Amersfoort, der Schumacher vor fünf Jahren den Einstieg in den Formelsport ermöglicht hatte. "Wenn man seine Karriere die letzten Jahre intensiv verfolgt - für mich fuhr er 2015 in der Formel 4 – hat er jedes Recht dazu, auf jeden Fall." Und schiebt nach: "Ich hoffe, dass er auf lange Sicht in der Formel 1 fahren wird, dort sollte ein Schumacher auf jeden Fall fahren."

Die Vor- und Nachteile des Namen Schumachers

Allein der Name verpflichtet allerdings nicht, wie Surer klarstellt: "Das hilft ihm, klar. Aber nur wegen seines Namens wird ihn auch keiner nehmen. Da wird er schon Erfolge vorweisen müssen. Die vergangenen Rennen deuten darauf hin, dass er das Zeug dazu hat. Es fehlt ihm nur noch das Rennglück. Letztes Mal hat er den Start verhauen und dann gewinnt auch noch sein Teamkollege Shwartzman."

Sein ehemaliger Teamchef bei Van Amersfoort Racing stellt auch die Vor- und Nachteile gegenüber. "Der Nachteil ist, dass man von ihm viel erwartet. Mick leidet aber nicht unter seinem Namen. Er hat keine Angst. Zudem ist er ein ähnlicher Typ wie sein Vater", so der Niederländer bei SPORT1 und sieht vielmehr das Positive: "Mick ist ein Draufgänger, arbeitet viel und hart. So kann er seinem Team viel bringen. Der Name Schumacher hat für viele Teams natürlich einen großen Vorteil. Ich habe schon immer gesagt, dass Mick, der den Namen Schumacher trägt, etwas mehr hat als andere Fahrer. Allein schon wegen der PR."

Surer: "Du musst die Formel 2 gewinnen, um aufzusteigen"

Die öffentliche Wahrnehmung und das gesteigerte Medieninteresse sind nicht zu unterschätzen. Nichtsdestotrotz müssen auch die Ergebnisse und Erfolge stimmen, wie der frühere Schweizer Formel-1-Fahrer betont.  

"Die Fähigkeiten, einen Formel-1-Boliden zu bewegen, ist das eine. Das andere sind die Erfolge in der Karriere. Und da fehlt in der Formel 2 aktuell ganz klar etwas. Denn eigentlich musst du die Formel 2 gewinnen, um in die Formel 1 aufzusteigen. Und da sind mindestens noch zwei Piloten vor Mick, der Ilott und der Shwartzman", so Surer.

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Und weiter: "Blöd ist hierbei, dass Shwartzman sein Teamkollege ist, sodass er es nicht aufs Auto schieben kann. Bisher hat es der Russe einfach besser gemacht als Mick. Es wird zwischen den dreien wohl einen Ausscheidungskampf geben, da Ilott, Schumacher und Shwartzman alle der Ferrari Driver Academy angehören. Vielleicht kriegen sie aber auch zwei von denen in der Formel 1 unter."

In den vergangenen fünf Rennen wurde Schumacher aber immer besser und fuhr vier Mal aufs Podest. Die Konkurrenten Ilott (zwei Siege) und Shwartzman (drei Siege) stehen in der Fahrerwertung dennoch weiterhin vor ihm. "Die beiden sind gerade erfolgreicher. Mick fehlen noch die Siege. Ilott und Shwartzman gewinnen dagegen Rennen", stellt Surer bei SPORT1 klar, will aber keine voreiligen Schlüsse ziehen, wer von dreien in die Formel 1 aufsteigen wird.

Hier muss sich Schumacher noch verbessern

Seiner Meinung nach wird es auf die letzten Rennen ankommen: "Klar, die Fahrerwertung ist ein Thema. Das andere ist aber, wenn Mick die letzten Rennen gewinnt, dann ist er der Favorit auf ein Formel-1-Cockpit. Immer derjenige, der gewinnt, ist der Liebling und wird aufsteigen."

Van Amersfoort findet, dass Schumacher sich "seit 2015 mächtig gesteigert" hat und vergleicht den Deutschen mit zwei früheren Schützlingen: "Wir haben auch schon mit Max Verstappen und Charles Leclerc zusammengearbeitet. Das waren Jungs, die vielleicht ein bisschen mehr Talent hatten, aber wenn Micks Einsatz stimmt und er noch fahrerisch eine kleine Schippe drauflegt, wird er es schaffen."

Surer sieht vor allem Verbesserungspotenzial in der Qualifikation: "Im Freien Training ist Mick immer vorne mit dabei, in der Quali jedoch fehlt immer etwas. Da muss er sich verbessern. Die Ansätze hat er ja, er ist schnell genug, kann überholen, kann kämpfen. Jetzt muss er nur noch in der Quali mal vorne landen, damit er von vorne wegfahren kann. Dann passt es."

Stellt sich nur die Frage, zu welchem Formel-1-Team Mick Schumacher am besten passen würde? Sky-Experte Ralf Schumacher warf vor kurzem in den Raum, dass Alfa Romeo 2021 vielleicht auf Nico Hülkenberg und "einen vielversprechenden jungen Mann" setzen könnten, da Kimi Räikkönen wohl seine Karriere beenden wird und Antonio Giovinazzi nicht überzeugen konnte.

Hülkenberg/Schumacher bei Alfa Romeo wäre "perfekt"

Van Amersfoort ist dagegen "ein großer Fan von jungen Löwen und würde es lieber sehen, wenn Räikkönen für Mick Platz macht. Ich habe nichts gegen erfahrene Piloten, aber ich würde lieber zwei jungen Fahrern die Chance geben. Und Mick würde da ganz gut hinpassen." Surer hält das Fahrer-Duo Hülkenberg/Schumacher sogar für "perfekt", könnte sich aber "auch vorstellen, dass ein Ferrari-Junior zu Alfa Romeo geht, und der andere zu Haas Racing."

Damit würden sich die Chancen von Mick Schumacher auf ein Stamm-Cockpit in der Formel 1 deutlich erhöhen - doch das beste Argument für einen Aufstieg könnte der 21-jährige Deutsche im Saison-Endspurt mit Siegen selbst geben.

Und da ist Surer sehr optimistisch, wie er bei SPORT1 nochmals betont: "Was mir immer aufgefallen ist - und deshalb lege ich auch so viel Wert auf das Saison-Finish: Mick ist ein superintelligenter Fahrer. Er kann überholen, das hat er mehrmals bewiesen. Und um alles zusammen auf die Reihe zu bekommen, dafür hat er bisher in jeder Rennserie etwas länger gebraucht. Am Schluss war er dann aber immer top! Und das könnte nun auch in der Formel 2 geschehen, wenn er alles auf die Reihe kriegt, dann ist er nicht mehr zu stoppen."