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München - Bei seinem Wechsel von Ferrari zu Aston Martin profitiert Sebastian Vettel von einer Klausel im Vertrag von Sergio Pérez. Auch deshalb fällt die Entscheidung spät.

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Er ist wieder der alte Sebastian Vettel.

Locker, zugänglich, immer einen coolen Spruch auf den Lippen. Man merkt, dass sein Wechsel zu Aston Martin eine riesen Erleichterung für ihn war. Den Donnerstagabend verbrachte er alleine in seinem Motorhome, bereitete sich zum Abendessen Eier zu. Er war großartig gelaunt dabei. Denn die Eier schmeckten ihm jetzt viel besser als noch die Woche zuvor in Monza. Da zweifelte er an seiner Formel-1-Zukunft, stand kurz vor dem Rücktritt.

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Denn wie der nächstjährige Aston-Martin-Teamchef Otmar Szafnauer bestätigte, ließ sich die Truppe um Milliardär Lawrence Stroll viel Zeit mit der Entscheidung. Pérez behalten oder Vettel engagieren? Das war die Frage aller Fragen.

Klausel in Pérez' Vertrag entscheidend

Geholfen hat Racing Point – so erfuhr SPORT1 – offenbar eine Klausel in Pérez' Vertrag. Demnach konnte das Team Pérez ohne Abfindung kündigen, wenn der Mexikaner nach dem Italien-GP in der WM hinter seinem Teamkollegen Lance Stroll liegt.

Deshalb macht auch die späte Entscheidung pro Vettel Sinn: Vor dem GP in Monza hatte der Mexikaner nur neun Punkte Rückstand auf seinen jungen Teamkollegen aus Kanada. Theoretisch hätte er ihn in der Tabelle noch überholen können. Doch als Stroll in Monza als Dritter aufs Podium fuhr und Pérez gleichzeitig nur einen Zähler holte, war der Weg für Vettel frei. 

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Szafnauer bestätigt das. "Lance ist schon seit ein paar Jahren bei uns. Sein Vater besitzt das Team. Als wir über einen Fahrerwechsel nachdachten, weil Seb verfügbar war, dachten wir aufgrund von Optionen im Vertrag über Checo nach. Diese Optionen gab es nicht bei Lance."

Verkündung ging rasend schnell

Szafnauer entschuldigte sich quasi dafür, dass er im Vorfeld der Verpflichtung Nebelkerzen schmeißen musste. "Jedes Mal, wenn man mich über einen Fahrerwechsel fragte, hatte Pérez noch einen für uns gültigen Vertrag", so der Rumäne. Nach Monza eben nicht mehr. 

Danach ging alles extrem schnell. So schnell, dass Aston Martin noch nicht mal offizielle Fotos vom neuen Fahrer machen konnte. SPORT1 erfuhr: Die verwendeten Bilder, die das Team in der offiziellen Verkündung verschickte, kamen von Vettel selbst. Die Fotos hatte der Deutsche vor zwei Jahren als Privatmann gemacht und jetzt wieder ausgegraben.

Was von Aston-Martin-Seite aus für Vettel sprach: "Er ist 33 Jahre alt, immer noch auf dem Höhepunkt seiner Karriere, hat viel Erfahrung, ist extrem motiviert, arbeitet hart. Seb passt perfekt zu uns und unseren Zielen", so Szafnauer. "Mit Aston Martin und dem neuen finanziellen Hintergrund, dem neuen Werk in Silverstone, dem Plus an Personal um 20 Prozent", werde das Team deutlich wachsen.

"Sebastian bringt die Erfahrung von vier WM-Titeln und 53 Siegen mit, und wird uns damit helfen. Wir wollen in die Top drei, Top vier vorstoßen." 

Vettel darf Stroll schlagen

Vettel sieht das genauso: "Ich denke, Aston Martin ist eine legendäre Marke und das Team hat das Potential sich noch mehr zu steigern. Es ist eine Herausforderung und ich nehme sie gerne an." Geld, betont der Deutsche noch mal, "hat keine Rolle gespielt." Die angeblichen 15 Millionen Euro Jahresgehalt wolle er nicht kommentieren.

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Szafnauer räumte auch gleich mit dem Vorurteil auf, der Deutsche dürfe Teamkollege Lance Stroll nicht schlagen – immerhin ist der Kanadier der Sohn des Teambesitzers. "Keine Frage", betont Szafnauer. "Vettel darf Lance natürlich schlagen, wenn er besser ist. Wir haben unsere Fahrer immer gegeneinander antreten lassen. Das wird auch in der Zukunft so sein."

Fest steht: Die einzige Wahl, die Vettel hatte, könnte für ihn das Sprungbrett zu weiteren Siegen werden, womöglich auch Titeln.

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Aston Martin für Ecclestone richtige Wahl

Der Meinung ist zumindest Vettel-Vertrauter Bernie Ecclestone. 

"Seb hatte zwar keine große Wahl, aber Aston Martin könnte noch ein Blatt mit vier Assen für ihn werden", sagte er im Gespräch mit SPORT1. "Sollte Mercedes als Werksteam doch mal aufhören, könnte Aston Martin diese Rolle übernehmen. Beide Marken verbindet ja auch eine Kooperation auf dem Automobilsektor. Wenn das passiert, hat Sebastian alles richtig gemacht."

Bis dahin will der Heppenheimer seinen Job bei Ferrari mit Anstand beenden. Das nächste Mal am Sonntag beim 1.000-Ferrari-Rennen in Mugello. Um Siege, das steht fest, wird er in dieser Saison nicht mehr fahren. Doch mit der neuen Perspektive kann er diese für einen Rennfahrer extreme frustrierende Erkenntnis lockerer verkraften.