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Monza und München - Beim Italien-GP versagen am Auto von Sebastian Vettel die Bremsen und er durchbricht mehrere Wegweiser. Auch Leclerc scheidet aus. Wie kam es zum Drama?

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Italienische Mechaniker schmettern in Monza die italienische Nationalhymne. Es ist das Traumszenario der Tifosi, der italienischen Fans.

Doch einen Schönheitsfehler hat das Podium 2020. Es steht kein Ferrari-Pilot auf dem Treppchen, sondern AlphaTauri-Fahrer Pierre Gasly.

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Schlimmer noch: Ferrari hat zu dem Zeitpunkt längst zusammengepackt. Bremsversagen bei Sebastian Vettel in Runde sechs, Fahrfehler von Charles Leclerc nur wenig später. Beide SF1000 bocken. Der erste Doppelausfall beim Heimrennen im Autodromo Nazionale seit 1995.

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Rosberg fassungslos über Ferrari

Damals wurde eine abgerissene Onboard-Kamera zur nationalen Katastrophe. Die hatte sich von Jean Alesis Ferrari gelöst und Gerhard Bergers Ferrari lahmgelegt. Anschließend zwang das Kabel, das sich um Alesis Hinterachse gewickelt hatte, auch den Franzosen zur Aufgabe. Allerdings: Damals lagen beide roten Renner in Führung, heute fuhren sie noch nicht mal unter den ersten Zehn.

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"Dass dann ausgerechnet ein anderes italienisches Team gewinnt, war für Ferrari heute natürlich noch mal die Krönung", schüttelt RTL-Experte Nico Rosberg den Kopf. Der ehemalige Mercedes-Star kann nicht verstehen, was bei der Scuderia los ist.

"Das kann doch nicht sein, dass Ferrari ihm so ein Auto hinstellt. Das ist nicht nur langsam, sondern auch gefährlich. Besonders auf einer Highspeed-Strecke wie Monza", zeigt sich Rosberg fassungslos. Bei Tempo 300 kollabiert Vettels Hinterradbremse am Ende der langen Start-Ziel-Geraden. Der Deutsche rauscht durch die Styropor-Blöcke. Erste Diagnose: explodierte Bremsleitung.

Doppeltes Aus für Ferrari

"Das Problem hat sich schon früh angekündigt. Erst hinten links, dann auch rechts. Ich habe dann Gas rausgenommen und versucht das Auto auf der Bremse zu schonen", erklärt der Deutsche. "Beim Anbremsen hatte ich dann plötzlich keinen Bremsdruck mehr. Zum Glück passiert das mit viel Auslauf in der ersten Kurve" Und nicht woanders.

Zum Beispiel vor der superschnellen Parabolica-Kurve, wo am Samstag vor 50 Jahren Jochen Rindt wegen einer gebrochenen Bremswelle starb. Oder wo Charles Leclerc heute im zweiten Ferrari schwer crashte.

Leclerc verliert Kontrolle

Leclerc verliert urplötzlich die Kontrolle über das Heck seines störrischen Autos. Er versucht noch gegenzulenken, doch da ist es schon zu spät. Der Ferrari rast durchs Kiesbett mit Vollgas frontal in die Reifenstapel. Es folgt ein heftiger Aufprall, der rote Renner versinkt in der Bande. Vettels Teamkollege bleibt zum Glück unverletzt und kann aus eigener Kraft aussteigen.

"Wenn jemand wie Charles das Auto so verliert, heißt das: Der Ferrari ist unfahrbar", ist sich Rosberg sicher.

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Unfahrbar, defekt, eine rasende Zeitbombe. Für Ferrari wird die Saison immer peinlicher. Die Liste der Pleiten ist lang. Das einst so stolze Traditionsteam hat Probleme mit dem Speed, der Zuverlässigkeit und der Strategie.

Ferrari sagt Medienrunde ab

Die Medienrunde für Printjournalisten wurde am Abend vorsorglich abgesagt. Teamchef Mattia Binotto äußert sich nur kurz im Fernsehen: "Es war der schlimmste Abschluss für ein schwieriges Wochenende. Mit beiden Autos nicht über die Distanz zu kommen, ist richtig schlecht", sagt er.

In einer Krise stecke Ferrari trotzdem nicht. "Ich habe schon letztes Mal gesagt, dass wir keine Krise haben. Ich bestätige das: Es ist nicht der Fall. Das Fazit heute lautet: Wir haben ein schwieriges Wochenende schlecht abgeschlossen", erklärt Binnotto weiter.

Für Vettel bleibt angesichts solcher Uneinsichtigkeit nur noch, sich in Galgenhumor zu flüchten. "Schlimmer geht offenbar immer in diesem Jahr", grinst der Deutsche unter seiner roten Maske. "Am Dienstag bin ich im Simulator, da hält das Auto wenigstens."

Mamma Mia, Ferrari!