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München - F1-Sportchef Ross Brawn unternimmt einen erneuten Vorstoß, demnächst Rennen per Reverse Grid auszufahren. Die Chancen steigen nach Monza - trotz Widerstand von Mercedes.

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Die Letzen sollen die Ersten sein - oder wenigstens eine Chance darauf haben und so die Formel 1 endlich wieder richtig spannend machen.

Für viele Motorsport-Fans dürfte es ein fast schon verloren geglaubtes Gefühl gewesen zu sein, als Pierre Gasly beim Großen Preis von Italien dem Establishment unverhofft die Show stahl. Mit dem Franzosen im Außenseiter-Team Alpha Tauri triumphierte erstmals seit sieben Jahren wieder ein Rennstall, der nicht Mercedes, Ferrari oder Red Bull heißt.

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Weil sich der bisherige Dominator Lewis Hamilton nach einer Strafe und einem Neustart in der zweiten Rennhälfte von ganz hinten durch das Feld kämpfen musste, war der Weg geebnet für Gaslys Cinderella-Story - und für Ross Brawn danach für noch viel mehr.

Der Sportchef der F1-Eigentümer Liberty Media unternimmt nun den erneuten Vorstoß, Rennen mit einem durchgemischten Grid durchzusetzen, sprich: Grands Prix mit dem Charakter von Sprintrennen bei umgedrehter Startaufstellung, so wie es sich in Monza wegen einer Unterbrechung mit der roten Flagge eher zufällig ergeben hatte.

Reverse Grid: Mercedes stellt sich quer

"Wir glauben, dass das Rennen die Spannung gezeigt hat, die ein durchgemischtes Feld erzeugen kann", betonte Brawn dazu in seiner Kolumne auf der offiziellen F1-Website: "Und mit den nächstjährigen Autos, die gleich bleiben - da könnten unsere Fans ähnliches Drama sehen, wie wir es an diesem Wochenende in Monza hatten."

Zur Erinnerung: Schon im Frühjahr während der Corona-Zwangspause hatte Brawn sein Vorhaben aufs Tapet gebracht. (Die Fahrerwertung der Formel 1)

Sein konkreter wie kühner Plan dabei: An ausgewählten Wochenenden hätte am Samstag ein verkürztes Rennen ausgetragen werden sollen, bei dem die Startaufstellung die umgekehrte WM-Reihenfolge gewesen wäre. Das Ergebnis dieses Sprints hätte dann den Grid für das eigentliche WM-Rennen am Sonntag festgelegt.

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Am Ende aber stieß das Vorhaben bei mehreren Teams - allen voran Mercedes - auf Ablehnung.

"Ich glaube, die Formel 1 ist eine Leistungsgesellschaft. Der beste Fahrer im besten Auto gewinnt. Wir brauchen kein Gimmick, um das Feld umzudrehen und aufregendere Rennen zu erzeugen", hatte Silberpfeil-Teamchef Toto Wolff gewettert.

Brawn sieht Monza als bestes Beispiel

"Monza war ein Kandidat für ein Reverse-Grid-Sprintrennen, als wir überlegt haben, dieses Format in diesem Jahr zu testen", bestätigte Brawn nun: "Leider konnten wir es nicht durchbringen."

Das vergangene Renn-Wochendende indes war das Beste, was dem F1-Lenker und seinen Argumenten passieren konnte. (Rennkalender 2020 der Formel 1)

"Das Konzept ist noch immer etwas, das wir und die FIA in den nächsten Monaten durcharbeiten und mit den Teams für nächstes Jahr diskutieren wollen", erklärt Brawn: "Wir werden weiterhin neue Formate evaluieren - mit dem Ziel, die Show zu verbessern aber immer die DNA der Formel 1 zu erhalten." 

Dass er Mercedes und Co. damit ein gehöriges Umdenken abverlangt, ist dem Briten und früheren Ingenieur durchaus bewusst: "Natürlich müssten die Teams bei einem Reverse-Grid-Sprintrennen ihre Autos anders abstimmen. Gegenwärtig stimmt Mercedes ihre Autos so ab, um die schnellste Runde zu erreichen und dann das Rennen an der Spitze zu kontrollieren. Wenn sie wissen, dass sie überholen müssen, müssen sie diesen Ansatz ändern."

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Zweiter Anlauf zum Reverse Grid dank Concorde Agreement

Was Brawns Chancen auf die Verwirklichung seines Plans verbessert, ist das neue Concorde Agreement. Das sieht einen Einstimmigkeitszwang bei Beschlüssen nicht mehr vor, erachtet stattdessen ein Votum mittels einer so genannten Super-Mehrheit für hinreichend.

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Das wären in Zahlen 28 von 30 Stimmen der Beteiligten, die sich wiederum zusammensetzen aus zehn Protagonisten des Internationalen Automobilverbands FIA, weiteren zehn der Formel-1-Inhaber Liberty Media um Brawn sowie den zehn Teams.

Was auch bedeutet: Stimmen acht von zehn Rennställen zu, würde das bereits reichen für die Super-Mehrheit - und eine Mercedes-Ablehnung irrelevant erscheinen. 

Mick Schumacher macht es vor in Formel 2

Dass das unter anderem in der Formel 2 (wie auch bei der Superbike oder der Tourenwagen-WM) bereits zum Einsatz kommende Reverse-Grid-Modell funktionieren kann, bewies in Monza übrigens Mick Schumacher:

Der Sohn von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher war nach seinem Sieg im Hauptrennen beim anschließenden Sprint-Event vom achten Platz gestartet - und hatte dort dennoch mit Rang drei Grund zum Jubeln.