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Silverstone und München - In Silverstone gelingt Mercedes trotz Doppel-Pole kein Sieg. Valtteri Bottas wird im Anschluss ungewöhnlich deutlich. Max Verstappen jubelt dagegen nur. Stimmen.

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Beim Jubiläums-Grand-Prix in Silverstone gewinnt trotz einer Doppel-Pole kein Mercedes.

Pole-Setter Valtteri Bottas wirft den Silberpfeilen im Anschluss vor, "als Team geschlafen" zu haben. Auch bei Teamkollege Hamilton ist die Stimmung nicht besser. Vor allem die maroden Reifen ärgern den Briten.

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Bei Ferrari-Pilot Sebastian Vettel herrscht schon während des Rennens dicke Luft, was auch im Anschluss nicht besser wird. 

Überraschungssieger Max Verstappen jubiliert dagegen ob des unerwarteten Triumphs.

SPORT1 fasst die Stimmen zum Rennen in Silverstone von RTLSky, ORF aus der Boxengasse und der Pressekonferenz zusammen.

Max Verstappen (Red Bull), Rang 1: "Das habe ich nicht kommen sehen! Aber nach dem ersten Stint sah es danach aus, dass wir sehr gut zu den Reifen waren. Natürlich war es eine Frage, wie sich Mercedes auf den harten Reifen schlägt. Wir hatten eine Menge Pace am Auto, ich hatte eigentlich gar keine Reifenprobleme. Wir haben einfach gepusht, und es ist ein unglaubliches Ergebnis, hier zu gewinnen." (Rennkalender 2020 der Formel 1)

zum WM-Kampf: "Die Reifen waren für diese Strecke eigentlich etwas zu weich. Es ist etwas schade, dass wir das nicht auch auf anderen Strecken haben, denn normalerweise kommen wir mit einem Stopp durch, weil die Reifen so robust sind."

Lewis Hamilton (Mercedes), Rang 2: "Das war nicht unser Tag. Wir müssen herausfinden, was da passiert ist. Mit den Reifen umzugehen, war eine immense Herausforderung. Herzliche Gratulation an Max und an Red Bull Racing, aber wenn ich mir im Parc fermé die Walzen anschaue, dann sagt das alles darüber, was heute den Ausschlag gegeben hat."

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zu den Reifenproblemen: "Ich hätte nie erwartet, dass wir solche Probleme haben würden. Aber wir kämpften mit Blasenbildung auf der Lauffläche, auch mit Reifen, die gar nicht so alt waren. Ich habe selten ein Rennen erlebt, in welchem das so schlimm war. Wieso das an unserem Wagen so markant übler ist als an anderen? Ich weiß es nicht."

in Runde 37 am Funk zu seinem Ingenieur: "Die Reifen fliegen mir jetzt nicht um die Ohren, oder?"

Valtteri Bottas (Mercedes), Rang 3: "Wenn man von Pole startet und Dritter wird, dann ist das nicht ideal. Ich denke, an einem Punkt haben wir als Team geschlafen, als Max uns überholt hat. Meine Strategie war alles andere als ideal."

zum Renngeschehen: "Der Mittelstint war ziemlich kurz. Wir haben gekämpft und ich konnte sehen, dass Max zur gleichen Zeit reinkam, da wusste ich, dass es schwierig werden würde. Gegen Ende des letzten Stints versuchte ich, alles zu geben, um Gelegenheiten zu schaffen. Ich habe vielleicht etwas aufgeholt, aber dann haben die Reifen komplett aufgegeben."

Charles Leclerc (Ferrari), Rang 4: "Für mich ist dieser vierte Platz wie ein Sieg. Das hört sich natürlich nicht so gut an, aber man muss realistisch sein und sehen, wie unsere aktuelle Situation ist. Wir starteten von Platz acht, und wenn sie am Morgen gesagt hätten, dass wir Vierter werden, dann hätte ich das sofort unterschrieben. An einem Punkt dachte ich sogar darüber nach, Bottas anzugreifen."

Nico Hülkenberg (Racing Point), Rang 7: "Ich glaube nicht, dass ich es auf dem zweiten Prime-Satz bis zum Ende geschafft hätte. Ich glaube, ich hatte eine riesige Blase hinten links und habe massiv Vibrationen bekommen. Und das wäre glaube ich nicht gegangen sieben Runden lang, weil das war schon sehr extrem am Ende. Von daher sind wir in den dritten Stopp gezwungen worden."

und weiter: "Bisschen komisch - weil im zweiten Stint auf dem Prime, das ging echt gut, und ich habe gedacht, der dritte sollte eigentlich easy peasy werden. Aber war wie ein anderer Reifen, der nicht funktioniert hat."

zu seiner Leistung: "Nicht das Märchen, wie sich das alle gewünscht hatten." Aber eine "solide Leistung".

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Sebastian Vettel (Ferrari), Rang 12 - am Funk nach dem ersten Stopp: "Wir stecken genau so im Verkehr, wie wir das eigentlich nicht wollten. Das haben wir heute Morgen besprochen. Ihr wisst, dass ihr das vermasselt habt."

zu seiner Kritik am Funk: "Wir haben heute Morgen darüber gesprochen, dass es keinen Sinn macht, an die Box zu kommen, wenn wir wissen, dass wir nachher in den Verkehr geraten, und genau das ist aber passiert. Dann wechselte ich auch noch auf die harten Reifen, um nur knapp zehn Runden zu drehen, was auch überhaupt keinen Sinn macht. Wir sprachen darüber und ich denke, wir haben heute einfach nicht die beste Arbeit abgeliefert." (DATENCENTER: Die Fahrerwertung der Formel 1)

zu seinem Dreher kurz nach dem Start: "Ich bin nicht ganz sicher. Ich hatte einen sehr guten Start, auch auf dem härteren Reifen. Dann konnte ich nicht wirklich irgendwo hin in der ersten Ecke. Ich habe versucht, mich aus allem rauszuhalten. Weiß nicht. Entweder war es der Randstein oder ein Auto von hinten, ich hatte einen Schlag bekommen und habe urplötzlich das Heck verloren. Dann war natürlich schon sehr viel Zeit verloren, aber ich kam überraschend schnell wieder ans Feld ran. Von da an haben wir heute, glaube ich, keinen guten Job gemacht, was die Strategie angeht."

zur Reifenwahl: "Wir haben [beim ersten Stopp] einen harten Reifen aufgezogen, den wir nur für ungefähr zehn Runden drauf hatten - wahrscheinlich nicht einmal das. Das hat keinen Sinn ergeben. Warum sollte man den Hard für zehn Runden aufziehen und dann für 20 Runden den Medium? Am Ende sind mir dann die Reifen ausgegangen."

zur Strategie: "Ich glaube, wir hatten nicht den Mut, es dazu kommen zu lassen, dass Charles mich überholt, obwohl er auf einer anderen Strategie unterwegs war. Man hat es dann vorgezogen, mich an die Box zu rufen, um das Ganze zu umgehen, und von da an war es dann ein bisschen Quark. Ich denke, wir hätten heute auch mit der verpatzten ersten Runde viel mehr Boden gut machen können."

Mattia Binotto (Teamchef Ferrari) - zur Strategie mit Vettel: "Sie hat es Charles ermöglicht, weiter nach vorne zu kommen. Insgesamt war er die richtige Entscheidung für das Team, und wir denken nicht, dass Sebastian dadurch einen Nachteil hatte. Er hat sofort wieder auf Kimi aufgeholt, und gegen Kwjat hätte er sowieso keinen Overcut geschafft."

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zur Beeinflussung des Rennens von Vettel durch dessen Dreher: "Ich denke, das war der Schlüssel - und nicht die Strategie."

Toto Wolff (Mercedes-Motorsportchef): "Der Sieg war nicht drin für uns. Wir waren nicht das schnellste Auto, und dann kann man die Strategie nicht optimieren. Haben wir alles richtig gemacht oder nicht? Das ist noch nicht klar. Aber wenn man so einen Vorsprung wie Max hat, dann müssen wir uns mit Platz zwei und drei begnügen. Wir haben gesehen, dass wir bei sehr heißen Streckenbedingungen dieses Defizit haben. Da haben wir heute die Bestätigung bekommen."

zu den Reifenproblemen: "Wir konnten die Reifen aufgrund von Blasenbildung nicht halten, aber Max hat die ganze Zeit grüne Zeiten gefahren - er wurde also schneller. Das müssen wir in den Griff bekommen und verstehen. Der heutige Tag hat gezeigt, dass man demütig sein muss. Die Leute haben gesagt, dass die WM durch ist und Mercedes jedes Rennen gewinnen wird. Aber das tun wir nicht."

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Helmut Marko (Motorsportchef Red Bull): "Wir haben immer noch Probleme, ganz klar, im Chassis. Aber wir kommen näher. Unsere größte Schwäche ist das Qualifying. Aber wir haben immer gesagt, die WM ist für uns noch nicht vorbei. Man vergisst, dass wir das erste Rennen in Österreich vom Speed her auch gewinnen hätten können."

zur WM-Wertung: "Vom letzten Sonntag rede ich gar nicht. Es läuft nicht ganz glücklich, aber wir sind froh, dass wir uns wieder aufgerappelt haben. Max ist bereits Zweiter in der WM. Die Richtung stimmt."

Ralf Schumacher (Ex-Pilot und Sky-Experte) - zum Dreher von Vettel: "Es sieht nach einem Fehler von ihm aus. Er hat Angst davor, zu kollidieren, und ist auf den Randstein drauf. Etwas too much. Klar, ist beim Start immer schwer abzuschätzen. Der Start an sich war ja nicht schlecht. Er fährt aber auch viel zu spitz rein und dafür gibt es eigentlich keine Notwendigkeit. Dann bricht das Auto ganz komisch aus. Ich kann es mir fast nur erklären, dass auf dem Randstein etwas passiert ist. Er dreht sich aber fast wie von alleine, nicht absichtlich, aber … Es sieht natürlich wieder sehr unangenehm aus für ihn. Sagen wir es mal so."