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Silverstone und München - Red-Bull-Pilot Max Verstappen kann den Silberpfeilen meist nicht gefährlich werden. Hat er ob seiner Chancenlosigkeit in Sachen WM-Titel bald die Nase voll?

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Den Funkspruch fanden nur seine Mechaniker lustig.

Mitten im Großen Preis von Großbritannien in Silverstone drückte Red Bull-Wunderknabe Max Verstappen (22) den Sprachknopf auf seinem Lenkrad und begann bei Tempo 240 eine Unterhaltung mit seinen Mechanikern. "Vergesst das Trinken nicht", erinnerte der Niederländer seine Jungs in der Box daran, trotz der Hitze des Renngefechts ihren Flüssigkeitshaushalt nicht zu vernachlässigen.

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Doch für Verstappen-Vertraute bedeutete der Funkspruch noch etwas ganz anderes. Es war wie das Schwenken einer weißen Flagge. Verstappen hat den Kampf um den WM-Titel aufgegeben, weil er trotz seines einzigartigen Talents nicht die Waffen hat, um der überlegenen Mercedes-Armee mit ihrem General Lewis Hamilton auch nur einigermaßen Paroli bieten zu können.

Verstappen ist frustriert

Nach Platz zwei in Silverstone hat der Holländer auf Platz drei der WM-Wertung schon 36 Zähler Rückstand auf den Briten. (Rennkalender 2020 der Formel 1)

Doch Verstappen wollte damit auch zeigen: Schaut her, ich habe die Kapazitäten ein Formel-1-Auto jede Runde eines Rennens am Limit zu bewegen, alles aus meinem Auto herauszuquetschen, und kann trotzdem nebenbei mit meinen Jungs an der Box Scherze machen. Am Ende ist alles sinnlos.

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Englische Formel-1-Experten wie Martin Brundle und Johnny Herbert bringen Verstappens Stimmung auf den Punkt. Beide Ex-Formel-1-Piloten haben immer noch engen Kontakt zu Verstappens Vater Jos, der mit beiden in den 90er Jahren in der Königsklasse gefahren ist.

"Max muss frustriert sein, dass Red Bull ihm nicht das Auto bauen konnte, mit dem er Mercedes schlagen und jüngster Formel-1-Weltmeister aller Zeiten werden kann", sagte Herbert.

Verstappen wie Senna?

Es ist nur eine gute Nachricht für Sebastian Vettel, der damit in der Statistik diesen Titel behalten wird. "Max wird so ungeduldig sein, dass er meiner Meinung nach jetzt alles versuchen wird, bei Mercedes zu fahren", behauptet Brundle sogar.

Nur Verstappens Vertrag spricht dagegen. Bis Ende 2021 ist er noch an Red Bull gebunden. Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve indes ist überzeugt: "Um die endgültige Spannung in die Formel 1 zurückzubringen, müsste Max im gleichen Auto mit Lewis Hamilton kämpfen können".

Zwar stellte Sky-Experte Nick Heidfeld bei SPORT1 die These auf, dass Lewis Hamilton der "vielleicht beste Formel-1-Fahrer aller Zeiten" ist. Doch einige Experten sind überzeugt: Verstappen ist der einzige, der eine ähnliche Magie beim Fahren versprüht, wie es zuvor nur der charismatische Brasilianer Ayrton Senna tat.

Über Senna behauptet sein Teamkollege Gerhard Berger noch heute "Ayrton war der Beste, den es je gab. Nur sein früher Unfalltod in Imola 1994 verhinderte, dass sich seine Überlegenheit auch in Zahlen ausdrückte."

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Oder anders ausgedrückt, ist Hamilton der Rockstar unter den Fahrern, sind Senna und Verstappen die Mozarts. (DATENCENTER: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Mateschitz würde Verstappen ziehen lassen

Die Red-Bull-Verantwortlichen sind sich ihrer Verantwortung bewusst.

Motorsportchefberater Helmut Marko, der Verstappen entdeckte, förderte und ihm im Alter von 17 Jahren schon mit dem legendären Brasilianer verglich, sagte zu SPORT1: "Wir müssen Max das Auto bauen, damit er Weltmeister werden kann. Im Moment ist Mercedes noch zu weit weg. Das müssen wir anerkennen. Aber wir werden weiterhin alles versuchen, damit er das Material bekommt, das er braucht. Fest steht, er hat einen Vertrag mit uns bis Ende 2021." 

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Christian Horner weiß aber, was Verträge wert sind. Der Red Bull-Teamchef redete in der Netflix-Formel-1-Dokumentation 2019 Klartext. "Wenn wir Max nicht das notwendige Material liefern können, das er braucht, werden wir ihn nicht halten können", gab er ungewohnt offen zu.

Verträge hin und oder her: Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz legt seinen Juwelen keine Steine in den Weg, wenn sie weg wollen. Bei Sebastian Vettel war es so, vermutlich auch bei Verstappen. "Ich werde Reisende nicht aufhalten, egal was Verträge sagen," hat er schon vor sechs Jahren als sein Credo zementiert.