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München - Nach dem Schummelskandal 2019 kommt Ferrari glimpflich davon. Die Folgen der Vereinbarung mit der FIA bekommt die Scuderia nun aber umso härter zu spüren.

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Um die Dimension des Ferrari-Debakels besser zu verstehen, lohnt ein Blick in die Vergangenheit.

Spa-Francorchamps, 1. September 2019: Charles Leclerc und Sebastian Vettel starten nach einer Demonstration der Stärke im Qualifying am Vortag aus der ersten Startreihe in den Belgien-Grand-Prix. Am Ende gewinnt der Monegasse sein erstes Formel-1-Rennen. Dem Ferrari-Motor war nicht einmal das eigentlich überlegene Mercedes-Aggregat gewachsen.

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Vettel: "Die Erkenntnis ist nicht positiv"

Fast ein Jahr später krebsten dieselben Piloten in ihren roten Fahrzeugen mehr schlecht als recht über den Asphalt der Ardennen-Achterbahn, und Vettel gab anschließend bei Sky ernüchtert zu Protokoll: "Es gibt eine Erkenntnis. Aber die ist nicht positiv. Der heutige Tag hat unsere Schwächen offengelegt."

Und davon gab es einige an diesem Spätsommer-Sonntag in Spa. Die Aerodynamik ineffizient, die Balance mangelhaft und - am offensichtlichsten - der Motor zu schwach. So standen die Ferrari im Vergleich zur Konkurrenz schon von Beginn auf verlorenem Posten, büßten auf der Geraden pro Runde 0,5 Sekunden ein: in der Formel 1 eine halbe Ewigkeit. Das Ergebnis im Ziel: Vettel 13., Leclerc einen Platz dahinter.

So sehr sich die Resultate von denen im Jahr zuvor auch unterscheiden: Die unterirdische Performance in 2020 ist in gewisser Weise auch auf das starke Ergebnis von 2019 zurückzuführen. 

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Rivalen wittern Ferrari-Tricksereien

Denn damals witterte die Konkurrenz bereits Tricksereien vonseiten der Scuderia, auch wenn der Automobilweltverband erst zwei Monate später aktiv wurde. Nach dem Großen Preis der USA gab die FIA gleich mehrere technische Anweisungen heraus, die genau das verhindern sollten, was die Rivalen den Italiener vorwarfen. 

Der Automobil-Weltverband bestimmte neue Regeln für den Ölverbrauch, überprüfte die Elastizität der Benzinleitungen genauer und führte einen zweiten Sensor ein, auf den Teams keinen Zugriff hatten.

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All diese Maßnahmen konnten als Reaktionen auf die Vorwürfe gegen die Italiener verstanden werden. Vor allem Red Bull unterstellte Ferrari immer wieder, sich durch das Einspritzen von mehr Benzin als erlaubt einen Vorteil bei der Motoren-Leistung zu ergaunern.

Die Folge: Bereits in den letzten Rennen der vergangenen Saison und bei den Testfahrten zur aktuellen Saison war Ferrari langsamer.

FIA mit nebulösem Statement

Den Grund dafür erfuhren die Teams der Formel 1 aber erst kurz vor Abschluss der Testfahrten im Februar. Damals hieß es in einem öffentlichen Statement des Weltverbandes vielsagend: "Die FIA kündigt an, dass sie nach einer gründlichen technischen Untersuchung ihre Analyse über den Betrieb der Ferrari-Antriebseinheit abgeschlossen hat und mit dem Team zu einer Einigung gekommen ist."

Über die Details des Abkommens wurde Stillschweigen vereinbart. Jedem in der Branche war aber klar, was dieser Deal zu bedeuten hatte: Ferrari kam um eine Strafe für die Motoren-Tricksereien herum, musste aber im Winter einen komplett neuen Motor bauen.

Schon damals aber hätten nach einem Bericht von auto, motor und sport Messungen ergeben, dass der neue Motor deutlich weniger Leistung als der alte aufweist.

Die Konsequenzen bekommen Vettel und Leclerc in dieser Saison vor allem auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken wie in Spa zu spüren. 

Vettel sprach zwar tapfer davon, dass es demnächst "wieder etwas besser werden sollte". Doch rein realistisch betrachtet besteht dafür wenig Hoffnung. Am kommenden Wochenende gastiert die Formel 1 in Monza. Dort wurden bislang die meisten Geschwindigkeitsrekorde in der Königsklasse aufgestellt.