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München - Noch 2017 zählt McLaren zu den schwächsten Formel-1-Teams. Andreas Seidl bringt den Rennstall auf Vordermann. Doch für ihn ist McLaren noch lange nicht am Ziel.

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Ein Traditionsteams ist zurück im Kampf um Podestplätze!

Jahrelang steckte der Rennstall aus Woking im grauen Mittelfeld der Formel 1 - oder noch weiter hinten - fest. Seit 2013 war man nie besser als Rang fünf in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft platziert, zeitweise war das Team sogar die Lachnummer der Königsklasse.

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Dieser Zustand passte so gar nicht zu der ruhmreichen Vergangenheit des nach Ferrari ältesten Rennstalls in der Königsklasse des Motorsports.

Acht Konstrukteurs-Titel, zwölf Fahrertitel und unzählige Grand-Prix-Siege - in diese Sphären will McLaren wieder vordringen. Und seit 2019 sieht es so aus, als ob zumindest Rennsiege in absehbarer Zeit wieder möglich werden.

McLaren zumindest wieder Best-of-the-Rest

In der vergangenen Formel-1-Saison landete das Team mit den Fahrern Carlos Sainz jr. und Lando Norris bereits auf Rang vier und holte sich den inoffiziellen Titel Best-of-the-Rest, mit deutlichem Vorsprung vor Motorlieferant Renault.

In der von Corona durcheinandergewirbelten Saison sorgen die McLaren bisher noch mehr für Furore. Direkt im ersten Rennen in Spielberg fuhr Norris auf Rang drei und brannte die schnellste Rennrunde in den Asphalt. Dieses Kunststück wiederholte Sainz im zweiten Rennen in Österreich.

Doch der Name, der mit der Auferstehung der Traditionsmarke am engsten verbunden ist, ist Andreas Seidl.

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Seidl hält wenig von Matrix-Management

Der gebürtige Passauer übernahm am 10. Januar 2019 die Position des Teamchefs bei McLaren Racing und nahm direkt einige Änderungen vor. Das in der Ära von Ron Dennis eingeführte Matrix-Management, bei der wichtige Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden, überzeugte Seidl wenig.

"Ich mag eine einfache traditionelle Motorsportorganisation", sagte Seidl und meinte damit, dass er wie bei Mercedes klare Zuständigkeiten bevorzugt.

Trotzdem mag er keinen autoritären Führungsstil. Der 44-Jährige ist vielmehr bestrebt, jedes einzelne Teammitglied mitzunehmen. Dafür sind Freiheiten im Arbeitsprozess unabdingbar.

"Ich liebe den Motorsport, weil es ein Teamsport ist. Ich hab früher Fußball gespielt und genauso will ich in der Formel 1 rangehen. Jeder soll morgens beim Aufstehen wissen, wie er sich in das Team einbringen kann", erklärte er sein Vorgehen bei SPORT1 im AvD Motorsport Magazin. (jeden Sonntagabend LIVE auf SPORT1 im Free-TV und Livestream)

"Können uns in allen Bereichen verbessern"

Seidl will dabei nicht von heute auf morgen die Welt verändern, sondern den Rennstall durch kleine, aber stetige Änderungen neu formen. "Wir können uns in allen Bereichen verbessern", machte er gleich zu Beginn seiner Amtszeit klar.

"Kurzfristig wollen wir uns weiter entwickeln. Nächstes Jahr wollen wir den nächsten Schritt in Bezug auf die Leistung der Autos machen",  formulierte er bei formula1.com seinen Fahrplan. Parallel dazu werden langfristige Projekte wie der Bau eines neuen Windkanals in Angriff genommen.

Der Erfolg gibt ihm bisher recht. Die Mitarbeiter und Verantwortlichen bei McLaren folgen ihm auf seinem Weg, wie auch Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock, der den Passauer noch von gemeinsamen BMW-Zeiten kennt, bestätigt.

"Er weiß, wie er mit den Menschen umzugehen hat. Er kennt sehr gut die Stärken der verschiedenen Leute, die er dann in die richtige Position schiebt", sagte er zu Seidls Stärken im Formel-1-Podcast Starting Grid.

Seidl hat Fahrer unter Kontrolle

Das gilt auch für den Umgang mit seinen Fahrern, die sich bisher auch ohne Stallorder diszipliniert zeigen. "Vor allem zu Beginn der Saison ist es wichtig, dass beide Piloten frei fahren können. So bekommen wir aus beiden die maximale Performance heraus", sagte er im AvD Motorsport Magazin.

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Seidl macht aber auch deutlich: "Es gibt klare Regeln. Eine davon ist, dass es keine Berührungen geben darf. Das nehme ich dann persönlich." Im zweiten Rennen in Spielberg wurde das Teamplay deutlich, als Sainz Teamkollege Norris klaglos passieren ließ, als dieser deutlich schneller war.

Bei allen Akteuren muss für Seidl stets das Teamplay oberste Priorität haben. Sollte sich jemand selbst wichtiger nehmen als das Team, reagiert er rigoros. Aber ist er von seinen Fahrern überzeugt, zögert er auch nicht, diese frühzeitig an sich zu binden.

Als der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso 2019 für Testfahrten in Bahrain zu McLaren zurückkehrte, begegnete Seidl den aufkommenden Gerüchten um ein McLaren-Comeback Alonsos sofort und bestätigte das junge Fahrer-Duo Sainz/Norris für 2020.

Damit war McLaren das erste Team, das die Fahrerpaarung für die kommende Saison bekanntgegeben hatte.

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Erfolge in verschiedenen Rennserien

Dass er mit seiner Art für Erfolg sorgen kann, hat er in der Vergangenheit in verschiedenen Rennserien unter Beweis gestellt. In der Formel 1 sammelte er von 2000 bis 2009 bei BMW Erfahrung.

Nach deren Ausstieg aus der Formel 1 zeichnete er sich für das erfolgreiche DTM-Comeback von BMW verantwortlich. Danach wurde er Director of Operations beim Porsche-LMP1-Kader und hinterließ auch im Langstreckenbereich seine Spuren.

Den aktuellen Höhenflug McLarens will Seidl aber nicht überbewerten. "Ich glaube, dass es noch drei, vier Jahre dauern wird, bis wir da stehen, wo wir hinwollen. Aber dann werden wir wieder um die Spitze mitkämpfen", erklärte er seinen Plan zum Erfolg.

Sollte sich der Erfolg tatsächlich einstellen, wird dieser zweifelsohne die Handschrift von Seidl tragen.