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München - Peter Kohl zeigt sich in seiner SPORT1-Kolumne begeistert vom Auftritt des jungen Lando Norris. Der Brite werde in den nächsten Jahren um den Titel fahren.

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Der verspätete Saisonstart der Formel 1 hat einen äußerst facettenreichen Grand Prix gebracht.

Unter anderem eine Ausfall-Orgie, wie wir sie in der Königsklasse schon lange nicht mehr erlebt haben. Und eine Podium-Premiere, die aufhorchen lässt. McLaren ist auf dem aufstrebenden Ast. Unter der Leitung von Firmenboss Zak Brown, Sportdirektor Gil de Ferran und Geschäftsführer Andreas Seidl ist seit 2019 eine signifikante Steigerung zu sehen.

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Durch eine Umorganisation auf allen Ebenen darf man dem einstigen Seriensieger 2020 viel zutrauen. Und Spielberg bringt ad hoc die Bestätigung. Aber es ist nicht Vettels Nachfolger bei Ferrari, Carlos Sainz Jr. der für Furore sorgt, sondern Eigengewächs Lando Norris.

Norris kalt wie eine Hundeschnauze

Bereits im Qualifying ist er hinter den Topfavoriten von Mercedes und Red Bulls Speerspitze Max Verstappen der bestplatzierte Verfolger - vier Plätze vor Teamkollege Sainz. Der 20-jährige Engländer agiert kalt wie Hundeschnauze in einem überaus aufregenden und kunterbunt daherkommenden Grand Prix.

Mit sieben Jahren hat er angefangen, auf Rennstrecken Gas zu geben. Eine Bilderbuchkarriere bereits im Kartsport, wo er mit 14 Jahren jüngster Weltmeister wird. Übrigens der letzte Titelgewinner auf dieser Ebene, der dann auch den Sprung in die Formel 1 geschafft hat!

Über die Formel 4, die Formel Renault, die europäische F3, in der er 2017 den Titel gewinnt, gelangt er in das Förderprogramm von McLaren. 2018 wird er Vizemeister in der F2, 2019 steigt er in die Formel 1 auf. Seine ersten Punkte holt er bereits in seinem zweiten Rennen in Bahrain als Sechster und sorgt damit für ein Raunen unter den Experten. Am Ende der Saison wird er Gesamtelfter.

Jüngster britischer Pilot aller Zeiten

Er sieht aus wie ein Schüler, ist der jüngste britische F1-Fahrer aller Zeiten. Er hat ein enormes Fahrgefühl und ein echtes Kämpferherz! Superstar Lewis Hamilton bekommt in der Schlussphase eine Fünf-Sekunden-Strafe aufgebrummt, Norris fährt um sein Leben, legt die schnellste Runde im Rennen hin und holt sich neben den Extrapunkt dafür seinen ersten Podestplatz mit einem Vorsprung von 0,2 Sekunden auf Hamilton.

Er ruft seine beste Leistung in dem Moment ab, in dem er sie braucht! Eine Qualität, die nicht viele haben. Zuvor hat er im Rennen das beinharte teaminterne Duell gegen Sainz für sich entschieden - nach dem Motto: "Du gehst zu Ferrari, hier bin ich der Chef!" Ein wichtiges Statement auf der Strecke für die interne Hackordnung.

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Unsanft rumpelt er sich am Racing Point von Sergio Perez vorbei mit vollem Risiko. Er pusht maximal im furiosen Finale. Und wird zum drittjüngsten Fahrer aller Zeiten, der auf einem Formel1-Podest stehen darf. Er ist smart, hat seine Emotionen im Griff, agiert analytisch und kontrolliert. Er lernt schnell, verarbeitet Informationen und Erfahrungen rasch zu seinen Gunsten.

Damit hat er das beste Werkzeug in einem durchstartenden Team, um weiter für Schlagzeilen zu sorgen. Ein kommender Champion? Durchaus! Mit Sicherheit einer, der Max Verstappen und Charles Leclerc das Leben in den nächsten Jahren schwer machen kann und wird. Die Drei haben das Zeug dazu, eine Ära zu prägen, wenn ein Lewis Hamilton mal abtritt.

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Norris erinnert an Hamilton

Norris erinnert mich mit seiner Zielstrebigkeit, seinem Ehrgeiz und seinem Instinkt, wann es sich lohnt, Risiken einzugehen und zuzuschlagen durchaus an den Serienmeister der vergangenen Jahre, als der in der Newcomer-Rolle steckte.

Der Auftritt von Hamilton in Spielberg hat einige Fragezeichen aufgeworfen. Vor diesem Saisonstart ist unisono zu hören gewesen, dass er sich nur selbst schlagen kann. Im Qualifying landet er unerwartet hinter Teamkollege Bottas. Im Rennen sieht er gegen den Finnen keine Schnitte, kommt immer wieder nur durch die Saftey-Car-Phasen ran.

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Die Kollision mit Alexander Albon ist vermeidbar, wie schon in Brasilien 2019. Dadurch verliert er wichtige Punkte und einen Podestplatz. Der vierte Rang muss sich für den Titelverteidiger wie eine Niederlage anfühlen. Vettel, Verstappen, Ricciardo und einige andere beenden den Grand Prix aus verschiedenen Gründen wie begossene Pudel.

Während Norris das Glück des Tüchtigen hat und sich im Scheinwerferlicht sonnen kann. Ein aufsteigender Stern, der nicht als Sternschnuppe enden wird. Da bin ich mir ganz sicher!

Pedal To The Metal - Ihr Peter Kohl