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In einem Brief gibt Mick Schumacher ungewohnt emotionale Einblicke zu seinem Verhältnis zu Vater Michael, den Umgang mit Rückschlägen - und zu seinen großen Zielen.

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So offen hörte man ihn zuvor selten:

Mick Schumacher hat in einem eigens verfassten Brief, der von seinem persönlichen Sponsor Under Armour zur Veröffentlichung angeboten wurde, emotionale Worte über seinen Vater Michael verloren und über seine ambitionierten Ziele im Motorsport gesprochen.

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"Ich habe ziemlich früh erkannt, dass ich ein Formel-1-Fahrer, ein Champion, sein möchte", erklärte der 21-Jährige, der am kommenden Wochenende in Spielberg (Österreich) in seine zweiten Saison in der Formel 2 startet.

Unter dem Titel "My Way Through" schreibt Mick Schumacher über seine Rolle, der Sohn des vielleicht besten Formel-1-Fahrers aller Zeiten zu sein, Verluste und Rückschläge als auch wie er mit Druck und seinem berühmten Nachnamen umgeht

Mick Schumacher über...

...Erfolg und Misserfolg:

„Wenn man mit meiner Familie und meinen engen Freunden sprechen würde, würden sie sagen, dass ich es nicht ertragen kann zu verlieren – in keiner Situation. Es spielt keine Rolle, was es ist: ein einfaches Spiel, ein Wettlauf zu einem Baum, Daumenringen. Es spielt keine Rolle, welche Herausforderung es ist: Ich muss gewinnen."

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"Natürlich habe ich auch Verluste und Rückschläge erlebt. Diese Schmerzen und Verletzungen haben mich eines gelehrt: dass und wie man mit erhobenem Haupt verlieren kann; mit Klasse. Verlieren bietet die Chance, den Umgang mit Fehlern zu lernen."

"Niederlagen liefern die wesentlichen Informationen, die man braucht, um zu verstehen, dass man sich in jedem Aspekt verbessern muss. Wenn man nie verliert, lernt man nicht. Wenn man nicht lernt, wird man nie gewinnen – zumindest nicht bei den Dingen, für die es sich zu kämpfen lohnt. Ich habe ziemlich früh erkannt, dass ich ein  Formel-1-Fahrer, ein Champion sein möchte. Ich bin mit drei Jahren das erste Mal in ein Gokart gesprungen – damals war es natürlich noch kein richtiges Gokart – und bin mit acht Jahren in den nationalen Rennsport eingestiegen. Als ich 11 oder 12 Jahre alt war, wusste ich, dass ich das professionell machen wollte."

...den Namen Schumacher und Popularität: 

"Anfangs habe ich verschiedene Namen benutzt, um unerkannt Rennen fahren und mich ungestört verbessern zu können, ohne allzu sehr dem Etikett 'der Sohn von' ausgesetzt zu sein. Aber ehrlich gesagt fühle ich keinen Druck, diesen Familiennamen zu tragen oder genau das zu tun, was mein Vater getan hat. Der meiste Stress geht von mir aus, von dem, was ich mir selbst auferlege. Von den Gedanken darüber, was ich falsch gemacht habe und wie ich mich verbessern kann."

"Die Leute kennen die Schlagzeilen und die Berühmtheit meines Vaters, was ich vollkommen verstehe. Komplett nachvollziehbar. Immerhin hat er im Jahr nach meiner Geburt die erste von fünf Formel-1-Meisterschaften in Folge gewonnen – das ist unglaublich, oder? Aber ich habe meinen Vater nie nur als den 'größten Fahrer der Welt' gesehen. Er ist in erster Linie immer mein Vater. Ich nehme die Lektionen, die er mir weitergegeben hat, nicht als selbstverständlich hin."

...Lektionen und Lerneffekte: 

"Eine dieser Lektionen ist, beständig zu bleiben, nie zu euphorisch oder zu niedergeschlagen zu sein. Selbst damals, als ich 2018 in der Formel-3-Serie nach dem 15. Rennen auf Platz 10 war. Selbst da hatte ich nie Zweifel daran, dass dies mein Jahr werden würde. Ich war im Training gut unterwegs, und ich habe mich in die Arbeit gestürzt. Ich musste nur auf Kurs bleiben und Druck machen. Es gab keinen Ausweg, der einzige Weg war, es durchzustehen und härter zu arbeiten."

"Und wir haben es geschafft – wir haben das Ergebnis erreicht, das wir in Spa-Francorchamps brauchten. Die Emotionen des Sieges haben uns wieder angestachelt, und am Ende haben wir noch sieben weitere Siege geholt und den Titel gewonnen. Der Schlüssel zum Erfolg war der Glaube an die Arbeit, die wir bereits geleistet hatten. Die Siege waren das Ergebnis. Das vergangene Jahr in der Formel 2 war hart, aber so ist der Sport. Man gewinnt, man verliert, man lernt und verbessert sich."

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...Fitness und Training: 

"In der F2 ist das Auto viel schwerer, mit einem ganz anderen Fahrverhalten. Es erzeugt eine Menge G-Kräfte. Man kann es sich nicht leisten, müde zu sein. Diese Tatsache bedeutet, dass mein körperliches Training kontinuierlich abgestimmt und verfeinert werden muss – und mit Hilfe meines Partners Under Armour bin ich in der Lage, mich stärker auf die wesentlichen Elemente meiner Vorbereitungen zu konzentrieren. Das betrifft das Training innerhalb und außerhalb des Gyms."

"Ich trainiere meine Körpermitte (Core) und fordere meinen gesamten Körper mit High Intensity Interval Training (HIIT) und PT-Sitzungen täglich aufs Neue heraus. Was viele Motorsportfans nicht verstehen, ist, dass selbst mit diesem Training in Verbindung mit Ausdauertraining für einen Fahrer seine Nackenstärke ein wichtiger Schlüssel ist. Aber wenn man mal genauer darüber nachdenkt, erkennt man einen Rennfahrer an seiner Statur: ein Oberkörper wie der eines Rugby-Spielers und von der Hüfte an abwärts wie ein 800-Meter-Sprinter."

"Der Nacken, die Schultern und Arme müssen in bester Verfassung sein, um die G-Kräfte zu beherrschen. Die Körpermitte ist extrem wichtig, um den Körper aufrecht halten zu können. In Rennautos gibt es keine Servolenkung wie bei den Autos, die man auf der Straße sieht. Daher ist es entscheidend, dass man fit genug ist, um die Last um die Kurven zu tragen."

...die Formel 2:

"Im zweiten Jahr in der F2 wird es für mich vor allem darum gehen, Fehler zu begrenzen, unvorhergesehene Ereignisse zu vermeiden und Risiken besser zu kalkulieren. Ich weiß, dass dieses Jahr ein bedeutendes Jahr für meine Entwicklung und meinen Fortschritt ist. Ich bin bereit und gut aufgestellt."

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"Auch das Prema-Team ist bereit. Und ich habe meine Familie und Freunde, die mich am Boden halten und mich zentrieren. Letztendlich bin ich überzeugt von dem, was ich tue. Das muss ich sein, denn ich habe mir keine andere Möglichkeit gegeben. Ich liebe das, was ich tue; irgendwie mache ich das schon 18 Jahre meines Lebens – und ich bin 21."

"Ich werde nicht aufhören, bis ich die oberste Stufe des Podiums erreicht habe. Ich werde den Champagner versprühen und mit meinem Team lachen und feiern. Ich werde dabei trotzdem daran denken, was ich in der neunten und 23. Runde in der zweiten Kurve hätte besser machen können. Es wird sich in mein Gedächtnis einbrennen. Es wird mir durch die Glückwunsch-Interviews in Erinnerung bleiben. Und warum? Weil ich es meinem jüngeren Ich schulde, das damals zu dem Baum gerannt ist."