Helmut Marko von Red Bull wurde zu unrecht von Lewis Hamilton attackiert
Helmut Marko von Red Bull wurde zu unrecht von Lewis Hamilton attackiert © Imago
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Helmut Marko wird nach einer angeblichen Aussage von Lewis Hamilton attackiert. Dann stellt sich raus: Der Red-Bull-Motorsportchef hat die Aussage nie getätigt.

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Die Welt wird durch das unkontrollierbare Internet und die sozialen Medien immer wahnsinniger.

Ein Gerücht wird gestreut, ein Zitat jemandem in den Mund gelegt und schon hat sich das von Menschenhand geschaffene digitale Lügenvirus rasend schnell ausgebreitet.

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Jüngstes Opfer davon wurde jetzt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko (77). 

Ausgerechnet der Doktor der Rechtswissenschaften wurde plötzlich in der wahrlich wenig intellektuell orientierten Formel-1-Welt als "Rassist" abgestempelt. (Rennkalender der Formel 1)

Hamilton ist Auslöser der Hetzkampagne

Auslöser der Hetzkampagne war Formel-1-Superstar Lewis Hamilton.

Der sechsmalige Weltmeister, der sich seit Jahren sehr engagiert gegen Rassismus einsetzt, war auf eine Webseite hereingefallen, die kurz zuvor Zitate von Marko veröffentlicht hatte, die dieser so aber nie sagte.

Ein englischer Hobbyblogger hat sich auf einem amerikanischen Portal die weltweit aufgeheizte Stimmung zu Nutze gemacht, die seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd besteht.

Vorgeschichte: Floyd starb bei einer Festnahme, nachdem ein Polizist ihm mehr als acht Minuten lang die Luft abdrückte. Hamilton war danach einer der Prominenten, welche die extreme Gewalt von Polizisten gegen Afroamerikaner in den USA öffentlich anprangerten und zur Solidarität aufriefen.

Die 2013 gegründete "BlackLivesMatter"-Bewegung wurde danach lauter und größer als je zuvor.

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Hamilton äußert Empörung bei Instagram

Laut dem britischen Blogger habe Marko sich über das Engagement Hamiltons lustig gemacht – in einem Interview bei RTL.

Hamilton glaubte dem Landsmann und veröffentlichte daraufhin auf Instagram (mit der ausgestreckten Faust der "Black-Power"-Bewegung) einen Post, in dem er Marko direkt ansprach, seine Empörung und Enttäuschung über ihn äußerte und sogar das Wort "Rassismus" erwähnte. 

Allein: Der sozial engagierte Weltmeister hatte es versäumt zu checken, ob Markos Aussagen real waren.

Was Marko nämlich wirklich sagte – auch bezüglich der WM-Chancen seines Top-Piloten Max Verstappen - liest sich so: "Max konzentriert sich ganz auf die Formel 1, während sich andere Piloten auch mit anderen Dingen beschäftigen."

Weder Hamilton wurde beim Namen genannt noch die "Dinge".

Marko verzichtet auf rechtliche Schritte

Zwar setzte die Mercedes-Presseabteilung später alle Hebel in Bewegung, dass Marko keine rechtlichen Schritte gegen Hamilton wegen Verleumdung einleitete, aber fest steht: Die Fake News hatte fast einen ganzen Tag dafür gesorgt, dass der Österreicher abgestempelt war.

Hamilton kann aber weiterhin beruhigt schlafen. Marko sieht von einer Anzeige ab.

Zu SPORT1 sagte er: "Lewis engagiert sich halt, das ist auch gut so. Er hat sich bei mir entschuldigt, damit ist die Sache erledigt. Was die Website betrifft: Wenn es nach mir ginge, würde ich auch nichts machen. Wir leben in einer Zeit, in der Wahnsinn nicht mit anderem Wahnsinn bekämpft werden sollte. Ich habe nichts gegen dichterische Freiheit. Aber da Red Bull Racing erwähnt wurde, wird jetzt in England geprüft, ob man gegen die Website juristisch vorgehen sollte. Das liegt nicht mehr in meiner Hand."