Lesedauer: 5 Minuten

München - Sebastian Vettel bleibt nur noch die Option Mercedes. Doch dafür braucht er die Hilfe von Lewis Hamilton. SPORT1 analysiert mit Experte Surer die Situation.

Anzeige

Mercedes oder nichts - Sebastian Vettel hat sich für seine mögliche Zukunft in der Formel 1 über die Saison 2020 hinaus wenig Möglichkeiten offengehalten.

Und falls der sechsmalige Weltmeister Lewis Hamilton nach der Saison nicht seine Karriere überraschend beendet, bleibt für Vettel nur der Platz neben dem Briten.

Anzeige

Für den ehemaligen Formel-1-Rennenfahrer Marc Surer wäre es eine große Chance für Vettel, nachdem nach schwankenden Leistungen bei Ferrari zuletzt Kritik an ihm aufgenommen war.

"Für Vettel wäre es das Größte, wenn er gegen Hamilton antreten und zeigen kann, dass er diesen auch schlagen kann", sagte der Experte im Gespräch mit SPORT1.

Vettel im Duell mit Bottas

Dafür müsste Vettel allerdings Valtteri Bottas ausstechen, der aktuell das zweite Mercedes-Cockpit in Beschlag hat. Mercedes und vor allem Hamilton schätzen den Finnen als zuverlässige Nummer 2, die zwar in der Lage ist, Siege einzufahren, dem Star-Piloten im Zweifel aber auch treue Helferdienste leistet.

Surer rät Mercedes dennoch zu einer Vettel-Verpflichtung: "Erstmal braucht Mercedes wieder einen internen Kampf. Zweitens würde Mercedes ein deutscher Weltmeister gut tun. Denn Nico Rosberg konnten sie nicht nutzen, da er gleich aufgehört hat."

Für Surer zählt Vettel neben Hamilton, Max Verstappen und Charles Leclerc nach wie vor zu den "Überfliegern der Formel 1", weshalb er ihm eine Chance gegen Hamilton einräumt: "Am Anfang wäre Vettel zwar nicht der Favorit. Aber es ist oft so, dass einem Fahrer plötzlich das Auto besser liegt oder er mehr Glück hat - und plötzlich ändert sich alles."

Jetzt aktuelle Fanartikel zur Formel 1 kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE 

Teamchef Toto Wolff hat zudem bereits mehrfach angedeutet, dass die Personalie Vettel ein Thema für Mercedes ist. Beim ORF sagte der Österreicher aber auch: "Das ist nicht die allererste Agenda, weil wir uns auf unseren eigenen Fahrerkader konzentrieren müssen."

Mercedes wird Hamilton fragen

Im Falle Hamiltons wird Wolff sicher erst mit seinem Star-Piloten sprechen, bevor er an Vettel herantritt. "Wenn Hamilton darauf und dran ist, den Schumacher-Rekord zu knacken, kann er nicht jemanden im Team gebrauchen, der ihm das Leben schwer macht - siehe Rosberg damals", ist sich Surer sicher.

Doch obwohl Hamilton bereits jetzt mit sechs Titel auf den Spuren von Michael Schumacher (sieben Titel) ist und deutlich vor Ayrton Senna (drei Titel) liegt, hat er bei Diskussionen und Umfragen bezüglich des besten Fahrers aller Zeiten meist klar das Nachsehen.

Surer sieht darin eine Möglichkeit, dass Hamilton doch einem Wechsel von Vettel zustimmen könnte. "Wenn er rein sportlich sagt: 'Mir wird immer alles auf das gute Auto zugeschrieben - dabei bin ich wirklich der Beste und beweise es, indem ich Vettel als Teamkollege schlage'", sagte Surer.

Ein Duell wie Senna versus Prost

Hamilton als großer Senna-Fan weiß, dass genau diese epischen teaminterne Kämpfe mit Alain Prost einen Teil der Faszination Sennas ausmachten. Will er mit seinem großen Idol in einem Atemzug genannt werde, wäre ein direkter Sieg gegen einen viermaligen Weltmeister wie Vettel ideal.

Für Surer eine Traum-Vorstellung: "Wenn Hamilton und Vettel gegeneinander fahren, hätten wir eine Situation wie damals Senna versus Prost. Die anderen bräuchten praktisch gar nicht mehr mitfahren - so war das damals bei McLaren. Man hat nur noch von den beiden geredet und wusste nicht einmal mehr, wer Dritter geworden ist."

Doch so spannend ein Duell zwischen Hamilton und Vettel für die Zuschauer wäre - es wäre laut Surer sehr wahrscheinlich auch hochexplosiv: "Beide werden den Nummer-1-Status für sich beanspruchen wollen. Wenn sie gleichgestellt sind, kann es eigentlich nur Ärger geben."

Gegenüber einem Duell mit einem jungen Wilden wie Leclerc oder Verstappen sieht Surer aber zumindest einen Vorteil: "Man muss schon sehen, dass die beiden sich sehr respektieren. Das würde zumindest ein paar unvernünftige Dinge ausschließen."

Gehalt von Vettel mögliches Problem

Die Silberpfeile, die beim Kampf zwischen Hamilton und Rosberg auch manch "unvernünftiges Ding" erlebt haben, sollten damit umgehen können. Ein größeres Problem dürfte daher das Gehalt für einen zweiten Star-Piloten wie Vettel werden.

Denn SPORT1 erfuhr, dass beim durch den Diesel-Skandal und den Ausbruch der Corona-Pandemie krisengeschüttelten Konzern aus Stuttgart drastische Sparmaßnahmen angekündigt wurden. Alle Sponsoring- sowie Sport-Aktivitäten stehen daher auf dem Prüfstand.

Meistgelesene Artikel
  • Fussball / Bundesliga
    1
    Fussball / Bundesliga
    Bayern drohen sieben Ausfälle
  • Fussball / Bundesliga
    2
    Fussball / Bundesliga
    BVB-Rückfall - wie kam es dazu?
  • Fußball / Bundesliga
    3
    Fußball / Bundesliga
    Schalke bekommt "Stecker gezogen"
  • Fussball / Transfermarkt
    4
    Fussball / Transfermarkt
    Transferticker: Khedira strebt Winter-Wechsel an
  • Fussball / Bundesliga
    5
    Fussball / Bundesliga
    Zu kalt! Flick sorgt sich um Süle

Sollte Mercedes sein F1-Team nicht sogar ganz zurückziehen, müsste Vettel beim Gehalt deutliche Abstriche in Kauf nehmen. Vettel hatte nach Ablehnung des Ferrari-Angebots aber betont, dass es nicht am Geld lag und er nicht so denkt, wenn "es darum geht, bestimmte Entscheidungen zu treffen."

Surer vermutet daher: "Am Geld würde es nicht scheitern, denn der Marketingwert von Vettel wäre so hoch, dass man das locker reinholen könnte."

Doch selbst wenn Mercedes das auch so sehen sollte - die Gefahr eines Vetos durch Hamilton bleibt für Vettel bestehen.