Sebastian Vettel und Ferrari haben nicht alle Karten aufgedeckt
Sebastian Vettel und Ferrari haben nicht alle Karten aufgedeckt © Getty Images
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München - Sebastian Vettel und Ferrari hinken bei den Tests deutlich hinter Mercedes her. Teamchef Mattia Binotto lobt die Silberpfeile überschwänglich.

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Bluff oder Wahrheit? Ferraris Leistungen bei den Testfahrten in Barcelona geben Anlass zur Spekulation.

Mit Ausnahme von Sebastian Vettel am Donnerstag hinken die Italiener deutlich hinter Rivale Mercedes hinterher. Teilweise betrug der Rückstand bis zu 2,5 Sekunden, inzwischen liegt er noch bei einer Sekunde, wenn man die schnellsten Zeiten beider Teams vergleicht.

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Doch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff traut diesen Zahlen kein Stück. "Da steckt wahrscheinlich noch eine Sekunde drin", sagte Wolff kürzlich bei Sky über Ferraris Leistungen. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto konterte umgehend: "Mercedes scheint ja genau zu wissen, was wir machen.  Aber das ist nicht korrekt."

"Ferrari hält sich zurück"

Bereits bei den ersten Testfahrten sahen Experten, dass Ferrari nicht mit voller Leistung unterwegs war. "Mercedes versteckt sich nicht, sondern macht seine Tests ohne Heimlichtuerei. Dafür hält sich Ferrari zurück, obwohl sie bei den Longruns absolut auf Augenhöhe mit Mercedes waren. Nur bei den einzelnen Runden haben sie offenbar nicht aufgedreht", erklärte Ex-Rennfahrer Marc Surer bei SPORT1.

Surers These wurde von Vettel – zumindest indirekt – bestätigt: "Bei den Testfahrten geht es nicht darum, auf den Geraden am schnellsten zu sein." Für ihn gehe es vor allem um das Gefühl in den Kurven, dort habe sich das Team aus seiner Sicht "steigern können".

Etwas Ferrari-Optimismus in Zeiten, wo Binotto bereits nach dem ersten Testtag die weiße Flagge hisste und den Saisonstart in Australien abschrieb. Doch bereits da äußerte die Konkurrenz Zweifel, denn die Daten zeigen, dass Ferrari seinen Motor noch nicht einmal an der Leistungsgrenze fuhr. Zudem fuhr Vettel am Donnerstag auf der Geraden eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 310 km/h. In Woche eins schafften die Italiener bereits 329 km/h, gingen da aber absichtlich nicht auf die Jagd nach schnellen Rundenzeiten.

Binotto lobte die Leistungen von Mercedes auffällig überschwänglich: "Wie Mercedes seine schnelle Runde gesetzt hat, ist ziemlich beeindruckend. Schon am ersten Tag, am ersten Morgen, waren sie zuverlässig, stark und schnell." Ein Ablenkungsmanöver?

Entspannte Stimmung bei Ferrari trotz schlechter Zeiten

Zudem schildern Medien-Vertreter aus Barcelona, dass in der Ferrari-Box eine entspannte Stimmung herrscht. Dies wäre sicherlich anders, wenn die Zeiten Anlass zur Sorge geben würden. Surer mutmaßte über Ferraris Strategie: "Vielleicht ist das die neue Philosophie von Binotto, nachdem sie im Vorjahr mit viel Vorschusslorbeeren nach Melbourne gereist und dort eingegangen sind. Diesmal beziehen sie lieber jetzt Prügel bei den Testfahrten und sind dann in Melbourne dabei."

Doch der Schweizer warnte auch: "Es ist ein hartes Brot für die Ferrari-Leute, wenn es um den Vergleich mit Mercedes geht." 

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Während Ferrari bis dato noch nicht einmal sein volles Potenzial gezeigt hat, lieferte Mercedes in der ersten Testwoche einen Beweis seiner Stärke und dominierte die Mehrzahl der Test-Sessions. In Woche zwei versuchten sich auch die Silberpfeile an einem Bluff. Man arbeite an "anderen Dingen, sprich: Grundlagenarbeit, teilte das Team mit. Technikchef James Allison erklärte, dass erst am Freitag wieder der Fokus auf der Leistungsfähigkeit liegen werde.

Offene Karten erst in Australien

Beide Topteams nutzen die Testfahrten also durchaus zum Tarnen und Täuschen gegenüber dem jeweils anderen Rennstall.

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Erst beim Saisonstart in Australien werden die Teams alle Karten auf den Tisch legen. Dann wird sich zeigen, ob die Beschuldigungen gegen Ferrari wegen ihres Bluffs aufrecht erhalten werden können, oder ob die Italiener erneut einen großen Rückstand aufholen müssen.

Bis dahin wird sicherlich noch die eine oder andere "Nebelkerze" gezündet werden.