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München - Ferrari schreibt den Saisonstart quasi schon nach den ersten Tests ab. Formel-1-Experte Marc Surer macht der Scuderia Hoffnung. Von der Mercedes-Idee ist er begeistert.

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Die Formel 1 ist aus dem Winterschlaf erwacht. 

Nach der Vorstellung ihrer neuen Boliden absolvierten die zehn Teams in der vergangen Woche in Barcelona die ersten drei Testtage. 

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Mercedes dominiert erste Testtage

Dabei begann das Formel-1-Jahr 2020, wie das Jahr 2019 endete: mit der Dominanz von Mercedes. 494 Runden drehten die Silberpfeile, so viele wie kein anderes Team - und das mit einem Auto, das im Winter radikal umgebaut wurde. 

Weltmeister Lewis Hamilton fuhr zudem mit 1:16,676 Minuten die schnellste Runde vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas (1:16,832). Ferrari, seit Jahren hinter Mercedes zurück, erlebte dagegen Testtage zum Vergessen. Sebastian Vettel und Charles Leclerc fehlten über 2,5 Sekunden auf die Bestzeit Hamiltons. 

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Für Ex-Rennfahrer und Formel-1-Experte Marc Surer noch kein Grund zur Besorgnis.

"In den letzten Jahren war Ferrari immer der Test-Weltmeister und Mercedes hat beim ersten Rennen dann zugeschlagen. Ich habe das Gefühl, dass es dieses Jahr genau umgekehrt ist. Mercedes versteckt sich nicht, sondern macht seine Tests ohne Heimlichtuerei. Dafür hält sich Ferrari zurück, obwohl sie bei den Longruns absolut auf Augenhöhe mit Mercedes waren. Nur bei den einzelnen Runden haben sie offenbar nicht aufgedreht", analysiert Surer im Gespräch mit SPORT1

Surer zu neuem Mercedes-Lenksystem: "Clevere Idee"

Mercedes überraschte bei den Tests in Barcelona mit einem neuartigen Lenksystem. Wie Online-Aufnahmen zeigen, drückte und zog Star-Pilot Lewis Hamilton auf der Start-Ziel-Geraden sein Lenkrad, wodurch sich die Position der Reifen leicht veränderte.

Ein erneutes Drücken des sechsmaligen Weltmeisters vor dem Bremspunkt brachte das Lenkrad wieder in die ursprüngliche Position und die Vorderräder wurden wieder in die Ausgangsstellung versetzt. Experten vermuten, dass Mercedes mit dem "DAS-System" die Reifentemperatur besser managen kann, da bei gerader Spur weniger Reibung entsteht.

"Das finde ich eine extrem clevere Idee. Da es die FIA abgesegnet hat, ist es auch legal. Trotzdem würde ich nicht ausschließen, dass wir deswegen in Melbourne einen Protest haben", sagte Surer zu der technischen Innovation. 

Nun liege es an der Konkurrenz - insbesondere Ferrari -, sich Gedanken zu machen, ob sie versucht das System nachzubauen, was auf die Schnelle sehr schwer sei, oder ob sie sagt, "das ist vom Reglement her nicht ganz sauber", ergänzte Surer.

Ferrari schenkt Saisonstart ab

Bei Ferrari sind nach den ersten Testtagen bereits die Hoffnungen auf einen guten Saisonstart in Melbourne (15. März) verflogen. Zu problematisch verliefen die ersten Tage in Barcelona. 

Am ersten Testtag konnte Vettel wegen gesundheitlicher Probleme nicht teilnehmen, am dritten Tag stellte er seinen neuen SF1000 am Vormittag mit einem Motorschaden ab und verlor wichtige Zeit zum Testen. Auch bei Leclerc lief nicht alles rund. 

Teamchef Mattia Binotto hakte daher den Saisonstart schon einmal ab. "Ferrari wird Mercedes über die Saison schlagen können. Wird Ferrari sie schon in Australien schlagen? Vielleicht nicht", sagte er. 

Surer hat zu den Aussagen Binottos eine klare Meinung: "Vielleicht ist das die neue Philosophie von Binotto, nachdem sie im Vorjahr mit viel Vorschusslorbeeren nach Melbourne gereist und dort eingegangen sind. Diesmal beziehen sie lieber jetzt Prügel bei den Testfahrten und sind dann in Melbourne dabei."

Surer macht Ferrari Hoffnung

Und was passiert bei Ferrari, wenn der Saisonstart wieder daneben geht und der Worst Case eintritt? "Italiener geben nie Zeit, die hauen immer drauf. Es ist ein hartes Brot für die Ferrari-Leute, wenn es um den Vergleich mit Mercedes geht", sagte Surer. 

Gänzlich an einen erneuten Ferrari-Fehlstart glauben mag er aber nicht und verweist auf die ähnliche Situation, in der Mercedes im vergangenen Jahr steckte. Damals waren die Silberpfeile erst am letzten Testtag gut und fanden den Anschluss an Ferrari. 

"Vielleicht ist es jetzt umgekehrt, dass Ferrari in Melbourne den Anschluss findet, weil sie gemerkt haben, dass sie irgendwo in die falsche Richtung entwickelt haben", macht Surer den Ferraristi Hoffnung. Zu Bedenken gibt er aber, dass es in diesem Jahr weniger Testtage gibt und "das Aufholen dadurch deutlich schwieriger geworden ist."

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Im Gegensatz zu Ferrari erlebte Racing Point erfreuliche erste Testtage. Der Rennstall mit Sitz im englischen Silverstone gehört nach den bemerkenswerten Vorstellungen zu den größten Überraschungen vor der neuen Saison. Lance Stroll und Sergio Perez landeten auf Platz fünf und sechs des Wochenklassements.  

"Sie haben den letztjährigen Mercedes 'kopiert'. Das scheint extrem gut zu funktionieren. Sie waren selbst überrascht, wie gut das funktioniert hat. Aber das ist noch mit Vorbehalt zu sehen, denn sie müssen das Auto auch im Verlauf der Saison weiterentwickeln. Auf Anhieb hat das Team aber ein Auto, das ganz klar auf Position vier steht", erklärte Surer den überraschenden Sprung des Teams.

Für Spannung in den kommenden Wochen ist also gesorgt.