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München - Der eigene SF1000 macht Probleme, die Konkurrenz präsentiert sich stark. Nach der ersten Testwoche rätselt Ferrari, Teamchef Binotto schreibt Siege vorerst ab.

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Die Ferrari-Fans würden die Saison 2019 in der Formel 1 vermutlich am liebsten vergessen. Zu deutlich war der Rückstand auf Mercedes, zu oft verhinderten Fehler von Fahrer und Team bessere Platzierungen.

2020 sollte alles besser und der Angriff auf den ersten Titel seit 2007 (Fahrer-WM) bzw. 2008 (Konstrukteurs-WM) aufgenommen werden.

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Doch schon nach der ersten Testwoche sind die Hoffnungen auf einen gelungenen Saisonstart der Scuderia tief gesunken.

"Ich bin nicht so optimistisch wie vergangenes Jahr. Die anderen sind schneller als wir. Machen wir uns Sorgen? Natürlich, weil wir nicht so schnell sind, wie wir es gerne wären", stöhnte Teamchef Mattia Binotto.

Binotto hakt Saisonstart ab

Für den Saisonstart am 15. März im australischen Melbourne übt sich Binotto bereits in Durchhalteparolen. "Es ist eine sehr lange Saison mit möglicherweise 22 Rennen. Da gibt es eine Menge Zeit, sich zu erholen." Ferrari werde Mercedes "über die Saison schlagen können. Wird Ferrari sie schon in Australien schlagen? Vielleicht nicht."

Die Aussagen erinnern frappierend an den Verlauf der vergangenen Saison. Als die Italiener zur Saisonhalbzeit endlich auf Augenhöhe mit Mercedes agierten, war Weltmeister Lewis Hamilton in der Fahrer-WM längst enteilt.

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Der Auftakt in die Testfahrten in Barcelona war für Sebastian Vettel und Teamkollege Charles Leclerc enttäuschend verlaufen. Am ersten Testtag konnte Vettel wegen gesundheitlicher Probleme nicht teilnehmen, am dritten Tag stellte er seinen neuen SF1000 am Vormittag mit einem Motorschaden ab und verlor wichtige Zeit zum Testen.

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Leclerc wurde am zweiten Testtag lediglich Elfter mit 1,3 Sekunden Rückstand auf die Spitze, am ersten Tag landete er auf Platz acht. Da Ferrari bis zum Saisonstart keine weiteren Updates mehr plant, sind bis zur Reise nach Melbourne vermutlich keine großen Verbesserungen mehr zu erwarten.

Wolff rechnet mit Red Bull als härtester Rivale

Die wahre Stärke der Teams wird allerdings erst in Melbourne zu sehen sein, häufig taktieren die Rennställe in den Testfahrten und üben sich in Understatement. Allerdings machen der Scuderia nicht nur die (möglichen) eigenen Probleme Sorgen, sondern auch die Konkurrenz.

"Wir haben gesehen, dass Mercedes und Red Bull sehr schnell sind", meinte Binotto. "Aber ich denke, dass wir die wahre Performance erst kommende Woche oder in Australien sehen werden. Ich denke, das Potenzial ist da. Am wichtigsten wird sein, das Paket in die richtige Richtung zu entwickeln."

Tatsächlich gilt Red Bull mit Max Verstappen als ärgster Mercedes-Konkurrent. "Max könnte der jüngste Weltmeister werden, wenn er gewinnt. Ich denke, dass Red Bull und Helmut (Marko, Anm. d. Red.) da großen Wert drauf legen", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei Sky Sports F1.

DAS-System sorgt für Sorgenfalten

Wolff ist sich sicher, dass Red Bull für den Verstappen-Rekord vieles in Bewegung setzen wird und im kommenden Jahr der härteste Mercedes-Gegner sein könnte. Um den 22-Jährigen zum Titel zu pushen, könnte sich der Rennstall "enorm auf die Saison 2020 konzentrieren" (Wolff) und 2021 eher vernachlässigen. "Es wäre schön für sie", meint der Mercedes-Boss.

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Neben Red Bull präsentierte sich auch Mercedes bei den noch bis 28. Februar dauernden Testfahrten in guter Form. Hamilton und Teamkollege Valtteri Bottas dominierten am ersten Trainingstag und fuhren mit 173 Runden mehr als alle anderen Teams.

Mindestens genau so viele Sorgen wie die Mercedes-Performance macht Ferrari deren neues Lenksystem. Durch eine revolutionäre Idee des sogenannten DAS-Systems sollen die Silberpfeile die Reifentemperatur besser managen können.

Vettel zeigt sich ahnungslos

Ferrari tappt bei der Aufdeckung der Vorteile im Dunkeln. "Ich habe nur Gerüchte gehört. Ich bin nicht sicher, was stimmt", orakelte Vettel. "Vielleicht unterschätze ich das auch. Ein großer Teil in der Fabrik ist drauf und dran, das zu verstehen." 

Anstatt die eigenen Zeitrückstände aufzuholen, beschäftigt sich Ferrari also mit einer Idee der Konkurrenz, deren tatsächlicher Vorteil noch gar nicht ersichtlich ist.

Dass unter diesen Umständen eine gelungene Saison mehr als unrealistisch erscheint, dürfte unter den Ferrari-Fans erneut große Sorgenfalten hervorrufen.