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München - Der langjährige RTL-Reporter Kai Ebel kannte Formel-1-Legende Niki Lauda seit vielen Jahren. Für SPORT1 erinnert er sich an gemeinsame Anekdoten. Ein Nachruf.

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Meine erste persönliche Erinnerung an Niki Lauda ist eng verknüpft mit dem Tod von Ayrton Senna 1994. Damals haben wir zum ersten Mal Live-Interviews in der Boxengasse gemacht. Niki Lauda war jemand, der sofort zum Interview bereitstand und immer eine klare Meinung hatte, die sich oft von der von anderen abhob.

Mein erster Eindruck war der eines sehr geradlinigen und schnörkellosen Menschen. 

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Über all die Jahre habe ich ihn dann als einen liebenswerten Kollegen kennengelernt. Was viele vielleicht nicht unbedingt wissen: Er konnte unglaublich gut über sich selbst lachen und er hatte einen wirklich spitzen Humor. Da war er durch und durch Österreicher. 

Einmal saßen wir in Brasilien abends beim Steakessen zusammen, mit dabei war Daniel Brühl, der ihn in dem Film Rush verkörpert hat. Da hat Daniel Brühl gesagt: “Da muss ich ja jetzt genau hinsehen, damit ich Sie dann auch spielen kann, dass Ihnen das gerecht wird.”

Und Niki Lauda hat - weil ich ihn auch immer nachgemacht habe - geantwortet: “Da schaust mal wie der Kai das macht, dann hört sich das gut an. Dann spielst du das genauso und dann passt das schon.” 

Das ging mir natürlich jetzt zigmal durch den Kopf.  

Narben von Lauda gehörten zu ihm

Mit Niki Lauda konnte man über alles sprechen. Auch über den Tod. Er hat immer sehr pragmatisch, fast lässig drüber gesprochen. Viele haben ihn auch gefragt, warum er sich nicht nach dem schweren Unfall auf dem Nürburgring hat operieren lassen, da hat er immer gesagt: “Das gehört zu mir, ich bin verunfallt, das ist mein Leben, das ist so und fertig aus.”

So war er halt, sehr pragmatisch. 

Der Unfall auf dem Nürburgring zeichnete Niki Lauda schwer
Der Unfall auf dem Nürburgring zeichnete Niki Lauda schwer © Getty Images

Er wusste genau was er wollte. Wenn er gesagt hat, dass er in den Urlaub fährt, dann ist er morgens an den Strand gefahren und kam nachmittags zurück. Das hat ihm gereicht. “Jetzt habe ich alles gesehen, was soll ich mehr machen. Da ist der Strand, da ist das Meer, ich hab’s begriffen und weiter.” Hart zu anderen, hart zu sich selbst. So war er. 

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Große gesundheitliche Probleme

In letzter Zeit habe ich ihm immer mal wieder Kurznachrichten geschrieben. Er hat in seiner Art sehr kurz geantwortet. Dann hat man immer gedacht: Ach Mensch, das wird schon wieder. Aber in den letzten Wochen habe ich mich mit einigen engen Freunden unterhalten, die täglich mit ihm Kontakt hatten, und erfahren, dass es schwierig ist. Jede kleine Erkältung bei einer neuen Lunge ist ja ein riesiges Drama. 

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Man sollte Niki Lauda in Erinnerung behalten als eine einzigartige, herausragende Legende. Einer, der über den sportlichen Erfolg hinaus einer der interessantesten Menschen war, die jemals in der Formel 1 gefahren sind. Vielleicht ist er sogar der bekannteste Österreicher aller Zeiten. 

Es gibt einige Formel-1-Fahrer, die sind auch dreimal Weltmeister geworden, aber die Umstände bei ihm waren ja ganz anders. Am Nürburgring damals wollte der Pater ihm die letzte Ölung verabreichen, Niki Lauda hat nur gesagt: Verschwinde, was willst du hier, ich lebe doch.” 

Das sind so Dinge, die gehen einem nun durch den Kopf. Das war halt der Niki.