2019 feiert der Pole Robert Kubica nach acht Jahren Pause sein Comeback in der Formel 1
2019 feiert der Pole Robert Kubica nach acht Jahren Pause sein Comeback in der Formel 1 © Getty Images
Lesedauer: 8 Minuten

Robert Kubica fährt nach acht Jahren wieder in der Formel 1. Nach seinem Rallye-Unfall 2011 hat sich der Pole eine neue Chance in einem F1-Cockpit erarbeitet.

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Robert Kubica

Geburtstag: 7.12.1984
Geburtsort: Krakau (Polen)
Formel-1-Debüt: Großer Preis von Abu Dhabi 2010
WM-Titel: -
Grand-Prix-Siege: 1
Bisherige Rennställe: BMW Sauber, Renault, Williams
Startnummer: 88

Es ist eine der größten Cinderella-Storys der Formel 1 überhaupt - Robert Kubica hat nach acht Jahren sein Formel-1-Comeback gefeiert. Der Pole galt einst als großes Talent, der in Zukunft um die WM-Titel kämpfen könne. Bis ein Rallye-Unfall vor der Saison 2011 scheinbar alles zunichte machte.

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Vor allem seine schwere Armverletzung brachte Experten zu der Meinung, dass dieser Unfall das Ende der Formel-1-Karriere Kubicas bedeute. Aber der Pole hat alle Vermutungen widerlegt. Im Rallye-Bereich hat er gezeigt, dass er mit seiner Beeinträchtigung in der Lage ist, ein Auto schnell und sicher über die Strecke zu lenken. Als Belohnung für seine Leistungen gibt ihm Williams das Vertrauen und setzt ihn in das Cockpit für 2019.

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Ob nach dem Sensations-Comeback nun auch Siege die Cinderella-Story perfekt machen, wird sich erst noch zeigen müssen. Aber dass Kubica der Kampfwille dafür nicht fehlt, hat er die letzten Jahre unter Beweis gestellt. An seinem Talent gab es schon von Beginn an keine Zweifel.

Kubicas Erfolge im Kart-Bereich

Die Liebe zum Motorsport hatte sich bei Kubica schon früh gezeigt. Bereits mit sechs Jahren trat er in Polen bei Kart-Rennen an. Als Zehnjähriger feierte er als polnischer Meister seinen ersten großen Erfolg. Allerdings zeigte sich schon bald, dass ihm die Rennszene in Polen zu klein wird.

Daher wechselte er als Dreizehnjähriger nach Italien, um sich dort mit der stärkeren Konkurrenz zu messen und an ihr zu wachsen. Mit Erfolg - 1998 konnte er sich als erster Nicht-Italiener den Juniorentitel der italienischen Kartmeisterschaft sichern. In der Kart-Europameisterschaft belegte er zudem Rang zwei.

2001: Aufstieg in den Formel-Bereich

2001 brachten ihm seine Erfolge dann sein erstes Formel-Cockpit ein. In der Formel Renault ging er in verschiedenen Serien an den Start und sicherte sich im italienischen Championat 2002 die Vize-Meisterschaft.

Durch seinen Speed und seine beeindruckenden Leistungen im Rennen rückte er immer mehr in den Fokus verschiedener Rennställe - sein Aufstieg ging unaufhaltsam voran. Als nächstes sicherte sich das Team Prema Powerteam die Dienste des Polens für die Formel-3-Euroserie. Hier erlebte Kubica aber seinen ersten verletzungsbedingten Rückschlag.

Nach einem Straßenunfall fiel er mit einer langwierigen Armverletzung aus und verpasste die ersten vier Rennen. Zwar konnte er in dieser Saison noch seinen ersten Sieg feiern, aber am Ende reichte es nur zu Gesamtrang zwölf.

2004: Neuer Anlauf in der Formel 3

Trotz des durchwachsenen Erfolgs hatte sich Kubica einen Namen in der Formel 3 gemacht. Daher bot ihm Mücke Motorsport eine zweite Chance an. Dort wurde er Teamkollege von Bruno Spengler, der später in der DTM für Furore sorgen sollte. Den Kanadier hatte er in dieser Zeit aber gut im Griff.

Trotzdem zog es Kubica schon im nächsten Jahr wieder weiter. Er stieg bei Epsilon Euskadi ins Auto und fuhr für die Spanier in der Formel Renault 3.5. Mit vier Siegen und sieben Podestplatzierungen heimste er dort seinen ersten Formel-Titel ein. Dieser Triumph war seine Eintrittskarte in die Formel 1.

2006: Sprung in die Formel 1

BMW Sauber sicherte sich die Dienste des polnischen Talents und nahm Kubica zuerst als Testfahrer unter Vertrag. Aber das Warten auf einen Startplatz in der Formel 1 sollte nicht lange dauern. Da Jacques Villeneuve die in ihn gesetzten Hoffnungen zu keiner Zeit erfüllen konnte, ersetzte das Team den Weltmeister von 1997 durch Kubica, der beim Großen Preis von Ungarn seine Chance bekommen sollte. Damit war Kubica endgültig in der Formel 1 angekommen.

Trotz Regens, eines Drehers und eines abgerissenen Frontflügels überzeugte Kubica mit einer starken Performance und fuhr auf den siebten Rang vor. Leider wurde er nachträglich disqualifiziert, da das Auto wegen Unterschreitung des Minimalgewichts gegen FIA-Reglements verstoßen hatte.

Formel 1: Italian F1 Grand Prix Michael Schumacher (l.) gratuliert Robert Kubica (r.) beim Großen Preis von Italien 2006 zur ersten Podestplatzierung
Michael Schumacher (l.) gratuliert Robert Kubica (r.) beim Großen Preis von Italien 2006 zur ersten Podestplatzierung © Getty Images

Aber der Rückschlag sollte nur von kurzer Dauer sein. Bereits bei seinem dritten Rennen, dem Großen Preis von Italien, landete er auf Rang drei und feierte seinen ersten Podestplatz. Damit war er der erste Pole überhaupt, der in der Formel 1 an einer Siegerehrung teilnehmen durfte und bescherte BMW Sauber auch den erst zweiten Podestrang in dieser Saison. Dafür wurde er mit einem Vertrag bis 2008 ausgestattet.

2007: Schwerer Unfall in Kanada

In seinem zweiten Jahr in der Formel 1 musste Kubica einen erneuten Schockmoment überstehen. Beim Großen Preis von Kanada erlebte der Pole einen der schwersten Unfälle in der Formel-1-Geschichte. Dass er dabei nur mit leichten Verletzungen davonkam, glich einem Wunder. Trotzdem musste er vorsorglich beim nächsten Rennen pausieren und verschaffte somit Sebastian Vettel sein Debüt in der Formel 1.

2008 etablierte sich Kubica dann aber endgültig in der Königsklasse des Motorsports. Mit einem Sieg und sechs Podestplätzen landete er mit 75 Punkten in der Gesamtwertung auf Rang vier und zählte damit für die kommende Saison zu den großen Titelanwärtern. Aber das Auto war in der kommenden Saison alles andere als konkurrenzfähig und durch den Rückzug von BMW würde sich daran kurzfristig wohl auch nichts ändern.

Formel 1: Renault f1's Polish driver Robert Kubica In der Saison 2010 feierte Robert Kubica einige Achtungserfolge mit Renault. Unter an derem wurde er beim Monaco-GP Dritter
In der Saison 2010 feierte Robert Kubica einige Achtungserfolge mit Renault. Unter an derem wurde er beim Monaco-GP Dritter © Getty Images

Daher wechselte Kubica 2010 zu Renault.

2011: Der Unfall, der alles veränderte

In seinem ersten Jahr erlebte der Mann aus Krakau ein klassisches Übergangsjahr. Neues Team, neuer Fahrer - es gab Anpassungsschwierigkeiten, aber mit einigen Achtungserfolgen überzeugte er die Renault-Verantwortlichen von ihrer Wahl. Zumal für 2011 die Vorzeichen gut schienen. Mit der Umstrukturierung des Teams zu Lotus Renault GP waren die Erfolgschancen sprunghaft angestiegen.

Aber im Februar 2011 verunglückte Kubica bei einer Rallye, an der er als Gastfahrer teilnahm, schwer. Insgesamt benötigte er über 30 Operationen, um sich von den Folgen des Unfalls wieder zu erholen. Trotz aller medizinischer Eingriffe hatte seine rechte Hand schwere Schädigungen erlitten.

Damit schien die Motorsportkarriere des Polen viel zu früh beendet zu sein.

2013: Der lange Weg zurück

Weder Experten noch Mediziner gaben ihm eine realistische Chance, je wieder Rennen zu fahren. Aber Kubica gab nicht auf, sondern kämpfte um seinen Traum. Er entschied sich für den Einstieg in den Rallye-Sport und fuhr ab 2013 Rennen der ERC und WRC2. Nach leichten Anfangsschwierigkeiten gelang dem Polen das für unmöglich Gehaltene. Mit seinem speziell für ihn umgebauten Citroen DS3 RRC fuhr er zum Titel in der WRC 2.

Im Folgejahr stieg er mit RK M-Sport World Rally Team in die WRC auf. Allerdings waren Erfolge hier Mangelware. Vielmehr machte er 2014 und 2015 eher als Bruchpilot auf sich aufmerksam.

2018: Rückkehr in die Formel 1

Aber durch sein Engagement im Rallye-Bereich hatte er bewiesen, dass er trotz seiner Einschränkung in der Lage ist, erfolgreich Autorennen zu fahren. Dass es ihm an Talent nicht mangelt, wussten die Rennställe noch aus seinen Jahren in der Formel 1. Nachdem er 2017 bereits erste Tests für Formel-1-Teams durchgeführt hatte, hoffte er nun auf ein freies Cockpit.

Allerdings reichte es 2018 noch nicht für ein Stammcockpit. Bei Williams wurde er immerhin als Test- und Ersatzfahrer fest unter Vertrag genommen. Zu diesem Zeitpunkt war es für ihn fast ein Schock wieder in einem Formel-1-Boliden zu sitzen. Zu groß waren die technischen Veränderungen seit seinem letzten Rennen. Vor allem die Aerodynamik, die neuen Reifen und die stärkeren Power-Units zwangen ihn dazu, seinen Fahrstil völlig zu ändern.

"Ich habe die Änderungen, die nach und nach in die Formel 1 Einzug hielten auf einen Schlag kennenlernen müssen. Ich musste meine Techniken anpassen", so der Pole nach seinen ersten Fahrten.

Nichtsdestotrotz blieb Kubica dran und überraschte immer wieder durch gute Trainingsleistungen. Dann kam ihm das Schicksal zu Hilfe: Nachdem Williams in den letzten Jahren vermehrt auf Pay-Driver gesetzt hatte, wollte man für 2019 die Teamphilosophie grundlegend ändern und wieder mehr auf Talent als Geld setzen. Davon profitiert Kubica und darf sich 2019 im Williams-Cockpit beweisen. Nach den vielen Rückschlägen in seiner bisherigen Karriere scheint es nur fair, dass das Schicksal diesmal auf seiner Seite steht.