München - Kimi Räikkönen beendet in Austin seine sieglose Durstrecke nach schier endloser Zeit und bricht einen Schumacher-Rekord. Die Fans liegen dem Finnen zu Füßen.

von Markus Bosch

"Verdammt, endlich! Danke Jungs."

Im Moment seines größten Triumphes seit Jahren machte Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen seinem Spitznamen "Iceman" wieder alle Ehre. (Service: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Während andere Fahrer nach einer Durststrecke von 2044 Tagen und 113 Rennen seit ihrem letzten Sieg – eine in der Formel 1 zuvor noch nie dagewesene Zeitspanne - am Boxenfunk voller Emotionen reagiert hätten, blieb der 39-Jährige ganz ruhig.

Räikkönen: "Platz eins ist besser als Platz zwei"

Auch im anschließenden Interview zeigte der Finne keinerlei Euphorie. Auf die Frage, ob er sich nicht mehr freuen müsse, konstatierte Räikkönen: "Platz eins ist besser als Platz zwei."

Lediglich die Sonnenbrille, die er bei der Siegerehrung trug und sein genussvoller Schluck aus der Champagnerflasche verrieten, wie sehr er seinen Coup in Texas genoss.

Auch in den sozialen Netzwerken gab es eine Welle der Begeisterung. Die Formel-1-Fans freuten sich mit dem Mann mit, der in den vergangenen Jahren immer zurückstecken musste, sich dabei aber nur selten öffentlich beklagte. Höchstens einmal einen flapsigen Spruch über den Boxenfunk.

Kinder bekommen neue Siegerkappe

Doch genau diese authentische und aufrichtige Art mit Ecken und Kanten im ansonsten durchgestylten Formel-1-Zirkus lieben die Anhänger beim 39-Jährigen.

Aber nicht nur die Fans dürften sich über Räikkönens Coup gefreut haben. Auf der Pressekonferenz nach dem Rennen verriet er, dass seine Kinder Rianna und Robin ihn seit "einer Weile nach einer neuen Siegerkappe gefragt" haben, und nun könne er endlich Vollzug melden.

Obendrein war es noch ein ganz besonderer Sieg, denn er überholte mit seinem 21. Erfolg in der Formel 1 den ehemaligen Mercedes-Piloten Mika Häkkinen und ist nun der erfolgreichste Finne in der Königsklasse des Motorsports.

Räikkönen bricht Schumacher-Rekord

Zwischen Räikkönens erstem Sieg in Malaysia 2003 und dem am Sonntag in Austin liegen 15 Jahre, sechs Monate und 28 Tage – eine historische Bestmarke. Zuvor war es Rekordweltmeister Michael Schumacher, der 14 Jahre, einen Monat und einen Tag zwischen erstem und letztem Triumph vergehen ließ.

Die Presse ist begeistert: "Räikkönen ist auf seine Art ein Künstler der Geschwindigkeit", schwärmte die italienische Zeitung Corriere della Serra in den höchsten Tönen vom Finnen. Der englische Telegraph lobte den 39-Jährigen für sein "altersloses Talent".

Bemerkenswert: Der Sieg des Finnen beim USA-GP passierte exakt elf Jahre nach seinem Weltmeister-Titel 2007 für die Scuderia Ferrari. Bis heute der letzte Titelgewinn für die Italiener.

Doch am Saisonende muss der 39-Jährige sein Cockpit für Shooting-Star Charles Leclerc räumen und wechselt zum Hinterbänkler-Team Sauber. Und das obwohl er Vettels Wunschteamkollege ist. "Ich freue mich für Kimi", sagte Vettel nach dem Sieg seines guten Freundes.

Macht Ferrari bereits den ersten Fehler für die neue Saison mit dem Abschied von Räikkönen? Denn auch wenn der 39-Jährige erklärte, dass er mit dem Schritt "prima leben" könne, droht Ferrari im nächsten Jahr ein teaminterner Konflikt.

Droht Vettel teaminterner Zoff?

Räikkönen hatte sich stets als loyaler und zuverlässiger Unterstützer für Vettel gezeigt und seine Erfahrung auch gerne an das Team weitergegeben. Leclerc wird wohl mehr gegen den Status der Nummer zwei ankämpfen und dem Heppenheimer das Leben auf und neben der Strecke schwer machen.

Räikkönen, der noch drei Rennen beim italienischen Traditionsteam vor sich hat, freut sich bereits auf die neue Herausforderung im Schweizer Team, denn die Sauber-Fabrik stehe nur eine halbe Stunde von seinem Zuhause entfernt. "Es wird meine Familie freuen, dass ich mehr daheim sein kann."

Ziel mit Sauber sind Siege

Gleichzeitig ist er aber immer noch hungrig. Trotz seines Wechsels zu Sauber 2019 - einem Team, das nicht um Grand-Prix-Erfolge wird kämpfen können - beteuerte er, dass er sich stets mit dem Ziel, Rennen zu gewinnen, in Formel-1-Autos setzen würde.

Aber sollte ihm tatsächlich mit dem unterlegenen Sauber ein Sieg gelingen, lägen ihm die Motorsport-Fans endgültig zu Füßen und der "Iceman" würde vielleicht auch in der Öffentlichkeit auftauen.