München und Monza - In Monza wird Valtteri Bottas einmal mehr als Wingman benötigt. Mercedes-Sportchef Toto Wolff verteidigt die Aktion, von der Lewis Hamilton profitiert.

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Toto Wolff frohlockte nach dem Coup von Lewis Hamilton im Ferrari-Land. "Heute war unser Tag", sagte der Mercedes-Sportchef im Anschluss an den Sieg des Briten beim Großen Preis von Italien in Monza.

Nach dem Qualifying mit der Doppel-Pole von Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel hatte alles für einen Ferrari-Doppelsieg gesprochen. Doch die Silberpfeile schlugen der Scuderia ausgerechnet beim Heimspiel ein Schnippchen - auch, weil Valtteri Bottas einmal mehr eine entscheidende Rolle als Wingman einnahm, während Ferrari am Start auf eine Stallorder verzichtete.

"Es ist eben nicht immer ein rationaler Job, bei dem das schnellste Auto gewinnt", so Wolff, dessen Strategie mitentscheidend für den Rennausgang war. Denn Hamilton profitierte nicht nur vom frühen Crash mit Sebastian Vettel und seiner fahrerischen Klasse, sondern auch von Bremsklotz Bottas (LIVETICKER zum Nachlesen).

Bottas bremst Räikkönen aus

Bereits in Runde 20 hatte Ferrari Räikkönen dazu verordnet, seine Reifen von supersoft auf soft zu wechseln. Hamilton fuhr unterdessen weiter. Ein Täuschungsmanöver? "Nein. Wenn Kimi draußen geblieben wäre, wären wir reingekommen", sagte Wolff.

Als nach einem Defekt von Daniel Ricciardo entgegen der Hoffnung der Silberpfeile nicht das Virtuelle Safety Car zum Einsatz kam, schien Räikkönen im Vorteil. Denn Hamiltons Zeiten wurden langsamer und nach seinem Stop in Runde 28 kam er erst hinter dem Ferrari-Piloten und dem Führenden Bottas zurück auf die Strecke.

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Doch Räikkönen war nun im Mercedes-Sandwich gefangen. Während der "Iceman" hinter seinem Landsmann sich und seine Reifen aufrieb, robbte sich Hamilton wieder heran. "Halte Kimi hinter dir", bekam Bottas per Boxenfunk zugerufen: "Das machst du sehr gut." Kritik an der Aufhaltetaktik wies Wolff von sich – das Ausbremsen Räikönens sei nur ein netter Nebeneffekt gewesen (Die Fahrerwertung der Formel 1).

Wolff: Beste Strategie für Bottas

"Da gibt's überhaupt kein Haar in der Suppe. Das war die beste Strategie für den Valtteri. Wir wussten, dass Valtteri das Rennen am Ende gegen Verstappen entscheiden kann, weil sein Reifen viel neuer ist als der von Verstappen", so Wolff mit Blick auf den zwischenzeitlichen Red-Bull-Verfolger, der das Rennen aufgrund einer Fünf-Sekunden-Strafe nach einem Crash mit Bottas als Fünfter beendete.

Es sei allerdings "ein strategischer Vorteil" gewesen, vor Räikkönen zu fahren: "Kimi hat da womöglich seine Reifen zerstört. Für uns war das ein No-Brainer. Im Ergebnis ganz praktisch."

Bottas ging mit seiner Mission offener um: "Meine erste Aufgabe war es, Kimi für eine Weile aufzuhalten." Er würde aber nicht sagen, "dass ich mein Rennen dafür geopfert habe." Ansichtssache.

"Wir hatten uns schon vor dem Rennen die Möglichkeit zurechtgelegt, einen langen Stint zu fahren. Das war gut, denn so hatte ich am Ende noch frischere Reifen und habe noch dazu Lewis geholfen, das Rennen zu gewinnen", so Bottas, der nach dem Großen Preis von Ungarn wegen der Hilfe für Hamilton bereits von Wolff als "sensationeller Wingman" betitelt worden war.

Räikkönen ruiniert Reifen

Nachdem die Nr. 2 bei Mercedes in der 36. Runde seinen Boxenstopp einlegte, war der erbitterte Zweikampf zwischen Hamilton und Räikkönen endgültig eröffnet. Hamiltons eigentlicher Konkurrent Vettel betrieb währenddessen nur Schadensbegrenzung und belegte Rang vier.

Im Duell an der Spitze hatte der Brite das bessere Ende für sich, da Räikkönens Reifen starke Blasen entwickelten. Der Finne hatte diese offenbar nach seinem Boxenstopp über Gebühr belastet, was sich im Kampf mit der Mercedes-Zange rächte. In der 45. Runde ließ Hamilton seinen Gegner am Ende der Start- und Zielgeraden stehen.

"Wir haben gesehen, dass der Reifen von Kimi total weg war und möglicherweise nicht mehr hält. Wir haben ihm (Hamilton, d. Red.) gesagt: 'Pass auf deine Reifen auf, das entscheidet das Rennen'", erklärte Wolff.

Auch Raikkönen lobte indirekt die Mercedes-Strategie: "Es war nicht besonders gut, so lange hinter anderen Autos festzusitzen. Da kannst du deine Reifen nicht schonen. Wir mussten es probieren und es hat sich nicht bezahlt gemacht. Am Ende waren die Reifen einfach hinüber. Zum Glück haben sie noch bis ins Ziel durchgehalten."

So rettete Räikkönen zumindest Platz zwei ins Ziel. Der Mercedes-Party im Ferrari-Land tat das bei nun 30 Punkten Unterschied zwischen Hamilton und Vettel aber keinen Abbruch.

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