München - Charles Leclerc wird bei Ferrari Nachfolger von Kimi Räikkönen und neuer Teamkollege von Sebastian Vettel. Der 20-Jährige musste bereits zwei schwere Schicksalsschläge verkraften.

von Markus Bosch

Gerade einmal 21 Wörter war Ferrari die Verkündung des Nachfolgers von Kimi Räikkönen wert.

Dabei ist Charles Leclerc bei der Scuderia wahrlich kein Unbekannter - und auch der Wunsch-Pilot an der Seite von Sebastian Vettel. Ab 2016 wurde er in der Driver Academy der Roten gefördert und kennt daher auch Vettel bestens.

Im Vorjahr etwa erledigte Leclerc zum Teil die Arbeit für Vettel im Simulator.

Nächstes Jahr werden sich Vettel und Leclerc nun als Teamkollegen auf der Strecke messen.

Wobei die interne Hierarchie klar ist: Vettel ist der Boss, Leclerc der ambitionierte Newcomer. Manche meinen gar: Vettel hat einen "best buddy" an die Seite gestellt bekommen. Was für beide kein Nachteil sein muss. Vettel Status ist unangefochten, Leclerc kann vom viermaligen Weltmeister lernen und in seinem Windschatten reifen.

Leclerc stand vor dem Aus im Motorsport

Der Titel in der GP3 2016 und in der Formel 2 ein Jahr später sind bisher die größten Erfolge von Leclerc, der nun bei Ferrari einen Sprung nach vorne macht und als große Zukunftshoffnung der Roten gilt. "Ich werde härter als jemals zuvor arbeiten, um euch nicht zu enttäuschen", kündigte der Monegasse an.

Dabei wäre es beinahe ganz anders gekommen. Denn Leclerc kommt aus relativ einfachen Verhältnissen. Seine Großeltern waren Plastikproduzenten – nachdem der Betrieb 2010 in finanzielle Probleme schlitterte, hätte Leclerc fast aus finanziellen Gründen mit dem Motorsport aufhören müssen.

Doch ausgerechnet sein damaliger Konkurrent Jules Bianchi und dessen Familie griffen ihm unter die Arme. "Mein Vater und der von Jules waren Jugendfreunde, so hatten wir mit den Bianchis ein sehr, sehr enges Verhältnis", erklärte Leclerc einst die besondere Verbindung. Wäre sein Traum an dieser Stelle geplatzt, wäre er laut eigener Aussage "Autoingenieur oder Architekt" geworden.

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Doch stattdessen nahm ihn Nicolas Todt, Sohn von FIA-Präsident Jean Todt, nach Bemühungen von Bianchis Familie unter Vertrag und förderte die Karriere des ehrgeizigen Fahrers als dessen Manager.

Zwei schwere Schicksalsschläge

Trotz seines fast schon kometenhaften Aufstiegs prägten ihn zwei schwere Schicksalsschläge ganz besonders. Der Tod seines besten Freundes Jules Bianchi im Juli 2015 nach einem schweren Unfall in Suzuka und das Ableben seines Vaters zwei Jahre später.

Über den Tod von Bianchi sagte er: "Ich kannte ihn seit meiner Geburt. Erst war es ein Schock. Ich war damals beim Saisonfinale in Jerez (der Formel Renault; d. Red.) und es fiel mir schwer, mich auf das Rennen zu konzentrieren. Dann galt es, eineinhalb Jahre zu warten, aber auch viel zu hoffen. Leider ist es nicht so geendet, wie wir es uns alle gewünscht hätten."

Parallele zu Michael Schumacher

Leclercs Vater starb am Mittwoch vor seinem letzten Saisonlauf mit der Formel 2 in Aserbaidschan, dennoch trat Leclerc junior an und gewann das Rennen mit der schnellsten Rennrunde. Es entstehen unweigerlich Parallelen zu Michael Schumacher, der 2003 nach dem Tod seiner Mutter in Imola siegte. "Ich wollte ihn stolz machen und ehren. Genau das verdient er. Er hat soviel für mich geopfert", sagte Leclerc nach dem wohl schwersten Sieg seiner bisherigen Karriere.

Auch in seiner Erklärung des Wechsels zu Ferrari würdigte der 20-Jährige seinen verstorbenen Freund und seinen Vater. "An Jules, danke für alles, was du mir beigebracht hast, wir werden dich nie vergessen." Seinem Vater, habe er alles zu verdanken, was nun passiert, schrieb der Monegasse auf Twitter.

Seinen Sprung in die Formel 1 und die starke Debütsaison im deutlich unterlegenen Sauber, als Höhepunkt den sechsten Platz in Baku, bekamen die beiden wichtigsten Menschen in Leclercs Leben nicht mehr mit.

Lob vom Sauber-Teamchef für Leclerc

Doch charakterlich haben sie ihn geprägt, denn Sauber-Teamchef Eric Vasseur lobte den zukünftigen Ferrari-Piloten für seine Fähigkeiten: "Charles ist wie ein guter Katalysator. Er vereint ein Team um sich, ohne zu weich zu sein. Er treibt die Ingenieure an und holt aus jedem das Beste heraus."

Bringt er diese Fähigkeiten auch ins Ferrari-Team ein, werden die zukünftigen Pressemitteilungen wieder deutlich länger werden.

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