Adrian Newey hätte Lewis Hamilton gerne bei Red Bull gesehen
Adrian Newey (r.) hätte Lewis Hamilton gerne bei Red Bull gesehen © Getty Images

München - Vor 24 Jahren verunglückte Ayrton Senna in Imola tödlich. Noch heute macht sich der damalige Williams-Chefkonstrukteur Adrian Newey deshalb Vorwürfe.

von Sven Sartison

Mehr als 24 Jahre ist es inzwischen her, dass Ayrton Senna in Imola tödlich verunglückte. Die genauen Ursache für den Unfall des Brasilianers ist allerdings bis heute nicht final geklärt.

Ein Umstand, der dem damaligen Williams-Chefkonstrukteur Adrian Newey noch immer zu schaffen macht.

"Selbst heute noch kann ich kaum darüber sprechen, ohne dass mir die Stimme wegbleibt", schreibt der 59-Jährige in seiner Biografie How to Build a Car. Und weiter: "Ich werde manchmal gefragt, ob ich mich Ayrtons wegen schuldig fühle. Ja, ich fühle mich schuldig."

Senna war 1994 beim Großen Preis von San Marino in der siebten Runde in der schnellen Tamburello-Kurve von der Fahrbahn abgekommen und voll bremsend, aber ohne erkennbare Lenkkorrektur in die Streckenbegrenzungsmauer gefahren.

Dabei riss der rechte Vorderreifen ab, wobei sich eine Strebe der Radaufhängung durch seinen Helm und in seine Kopf bohrte. Abweichenden Medienberichten zufolge wurde er vom Vorderrad am Kopf getroffen, wobei alle großen Blutgefäße im Hirn durchtrennt wurden.

Unfallursache von Senna bis heute ungeklärt

Ebenso wie über die genaue Todesursache gibt es auch über den Unfallhergang diverse Spekulationen. Die gängigste beruht auf der Annahme, dass die Lenkstange, die Newey auf Wunsch Sennas nach einer komfortableren Sitzposition kurzfristig hatte modifizieren lassen, auf der welligen Strecke gebrochen sei.

Eine Theorie, die Newey nach ausgiebiger Analyse aller verfügbaren Daten, TV-Aufzeichnungen und Fotos allerdings ausschließt. Vielmehr vermutet der Brite, dass der dreifache Weltmeister auf der holprigen Strecke schlicht die Kontrolle über seinen Boliden verloren habe. 

Mögliche Ursache könnte ein schleichender Plattfuß gewesen sein, den Hauptgrund sieht er jedoch in der aerodynamisch zu instabilen Konstruktion des Williams FW16.

Ayrton Senna verunglückte 1994 beim Großen Preis von San Marino in Imola tödlich © Getty Images

Dreimal gab es in Italien seitdem Prozesse zum Unfall-Tod Sennas, das Ergebnis war immer das gleiche - kein Schuldspruch aus Mangeln an Beweisen.

Newey dachte dennoch kurzzeitig über einen Rücktritt aus der Formel 1 nach, in der er seit 1990 für Williams tätig war. Doch der Glaube an seine Profession und die Passion für Autos und den Motorsport waren einfach zu groß.

Newey wollte Hamilton zu Red Bull lotsen

In der Folge wurde er zu einem der bedeutendsten Technischen Direktoren in der Geschichte der Formel 1. Nigel Mansell (1992), Alain Prost (1993), Damon Hill (1996), Jacques Villeneuve (1997), Mika Häkkinen (1998 und 1999) sowie zuletzt Sebastian Vettel (2010-2013) wurden in einem von ihm konstruierten Auto Weltmeister.

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Ein weiterer hätte dazukommen können. Wie er in seiner Biografie verrät, wollte er einst Lewis Hamilton zu Red Bull Racing holen.

Um seinen Landsmann für einen Wechsel zu begeistern, lud er ihn damals sogar zu sich nach Hause ein. Doch aus dem Treffen wurde nichts - Hamilton feierte stattdessen mit Mercedes drei WM-Titel.

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