München - Der Kampf um den WM-Titel zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton spitzt sich zu. Besonders das Material wird immer entscheidender.

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Lewis Hamilton vs. Sebastian Vettel: Der Titelkampf in der Formel 1 verspricht bis zum Saisonende Spannung pur (Das Rennen in Monza am Sonntag ab 15.10 Uhr im LIVETICKER).

Denn neben den packenden Duellen auf der Strecke spielt auch der Materialverschleiß eine gewichtige Rolle. Am Ende könnte Red Bull sogar den Titelkampf mit entscheiden.

Das Regelwerk sieht vor, dass jeder Fahrer im Laufe einer Saison nur drei Power Units verwenden darf. Dies beinhaltet drei Verbrennungsmotoren, drei Turbolader, drei MGU-Hs und drei MGU-Ks (Motor-Generatoren). Bei Batterie und Steuergeräten dürfen sogar nur zwei Teile pro Saison verwendet werden. Allerdings sind diese deutlich weniger verschleißanfällig.

Vettel und Hamilton am Limit bei Power Unit

Doch bei Motor und Turbolader sind die beiden WM-Führenden bereits am Limit angekommen. (SERVICE: WM-Fahrerwertung)

Im Laufe der letzten Jahre wurde die Anzahl der erlaubten Teilewechsel immer weiter nach unten geschraubt, um einerseits die massiven Kosten zu senken und andererseits auch kleineren Teams einen Platz in der Königsklasse einzuräumen.

Im ersten Jahr der Hybrid-Motoren waren noch je fünf Komponenten erlaubt, 2013 sogar noch acht. Bei noch acht ausstehenden Rennen droht dem Titelkampf der Königsklasse ein Strafen-Chaos, das möglicherweise sogar die Weltmeisterschaft entscheidet.

Denn überschreiten die Piloten die Anzahl der erlaubten Teile, kommt es zu empfindlichen Strafversetzungen. Mit der ersten umgebauten Einheit geht es für den Piloten in der Startaufstellung zehn Plätze nach hinten. Wird ein weiteres Teil getauscht, kommen pro Einheit jeweils fünf Plätze dazu.

Empfindliche Strafen bei Überschreitung von Limit

Muss bei einem anderen Rennen wieder ein Teil gewechselt werden, geht es erneut mindestens zehn Plätze nach hinten. Im vergangenen Jahr kam es so zu insgesamt 720 Plätzen Strafversetzungen – ein neuer Rekord.

Auch aktuell sind bereits alle Teams am Limit angekommen, oder sogar darüber hinaus. So gab es in dieser Saison bereits Strafen für Valtteri Bottas, Nico Hülkenberg, Carlos Sainz jr., Pierre Gasly und Stoffel Vandoorne nachdem sie an ihren Boliden einen Austausch vornehmen mussten.

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Wird Verstappen zum Zünglein an der Waage?

Einzige Ausnahme ist Red-Bull-Pilot Max Verstappen, der erst zwei Einheiten benutzt hat. Der Niederländer könnte somit im WM-Kampf noch zum Zünglein an der Waage werden, sollten Vettel und Hamilton jeweils eine neue Power Unit benötigen und bestraft werden. Denn der Niederländer hat noch einen Wechsel frei und kann den beiden WM-Führenden wichtige Punkte klauen, sollten diese vom Ende des Feldes starten müssen.

Denn ein Benutzen des aktuellen Systems bis zum Saisonende ist für Vettel und Hamilton allein schon aus Verschleißgründen und der enormen Belastung im Rennen ein Ding der Unmöglichkeit.

Rückstand auf Ferrari bringt Mercedes in Dilemma

Vor allem Mercedes steckt im Dilemma. Das Weltmeister-Team hat aktuell einen Rückstand auf Ferrari in Sachen Motor-Leistung und muss sich überlegen, ob sie absichtlich Grid-Strafen in Kauf nehmen, um den Motor weiterzuentwickeln und zu Ferrari aufzuschließen oder versuchen durch einen schonenden Umgang mit der Power Unit sich einen Vorteil zu erkämpfen.

So oder so werden sich die beiden Titelfavoriten in mindestens einem der kommenden Rennen am Ende des Feldes wieder finden und müssen ihre Überholqualitäten zeigen. Kassiert einer der beiden eine zusätzliche Grid-Strafe könnte dies bereits entscheidend im Duell um den WM-Titel sein.

Am Ende setzt sich nicht  der vermeintlich besssere Fahrer die Krone auf, sondern derjenige, der am effizientesten mit dem Material umgeht. Eine neue Dimension des heißen Titelkampfes zwischen Vettel und Hamilton.