Die Formel 1 steuert einer ungewissen Zukunft entgegen. Ende 2020 läuft das Grundlagenabkommen aus, kein einziger Teamchef kann absehen, was danach sein wird.

Wenn man so will, steuert die Formel 1 mit hoher Geschwindigkeit auf einen Abgrund zu. Nur weiß niemand, wie tief der Einschnitt sein wird. 

Ende 2020 läuft das Grundlagenabkommen in der Königsklasse aus, kein Top-Fahrer hat seine Zukunft darüber hinaus geplant, kein Teamchef vermag derzeit abzusehen, was danach sein wird. Vom Ferrari-Ausstieg bis zu einer Öffnung für neue Hersteller scheint derzeit alles möglich.

"2021 ist eine große Unbekannte. Es wird gravierende Veränderungen im technischen und sportlichen Reglement geben. Auch der Fahrermarkt wird sich öffnen", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: "Wir haben eine ziemlich genaue Vorstellung, in welche Richtung sich die Formel 1 2019 und 2020 bewegt. Danach aber ist alles offen."

Kein Top-Fahrer mit langfristigem Vertrag

Der Österreicher ist einer der Köpfe, die derzeit die Zukunft der Motorsport-Königsklasse gestalten. Eigentlich sollten längst die Parameter stehen, nach denen ab 2021 gefahren wird - und wer zu diesen Konditionen mitspielen will. Doch alle Parteien pokern.

Wenig verwunderlich ist daher, dass in Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Max Verstappen die drei begehrtesten Fahrer allesamt nur Verträge bis 2020 besitzen. "Wer kann schon sagen, was dann sein wird?", meinte Hamilton nach seiner jüngsten Verlängerung bei Mercedes. (SERVICE: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Liberty Media mit anderen Ansätzen

Die Säulen, welche die Formel-1-Führung von Liberty Media schaffen will, sind nicht unbedingt nach dem Geschmack von Mercedes, Ferrari und Renault, die aktuell neun der zehn Teams mit Motoren ausrüsten.

Geht es nach Liberty Media, sollen die Motoren billiger, einfacher und lauter werden. Interessierten Herstellern wie Porsche oder Aston Martin soll der Einstieg so versüßt werden. Die Big Player machen da aber nicht so recht mit.

Immer wieder geht es um die komplexe Komponente MGU-H, die aus der Wärme des Abgasstroms neue Energie produziert. (SERVICE: Die Teamwertung der Formel 1)

"Wenn man durch die Abschaffung der MGU-H einen weiteren großen Hersteller zum Einstieg in die Formel 1 bewegen kann, dann sollte man darüber nachdenken", sagte Wolff. Allerdings fügte er an: "Eine Veränderung des Motorenkonzepts wäre ein Rückschritt, besonders in punkto Effizienz und Nachhaltigkeit." Die Formel 1 müsse weiter "Vorreiter bei der Entwicklung sein".

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Haltung von Ferrari völlig offen

Auch der am Mittwoch verstorbene Ferrari-Präsident Sergio Marchionne galt als Verfechter des bestehenden Motorenmodells. Immer wieder drohte er mit Ausstieg seiner Marke. Offen ist allerdings, welche Haltung die neue Ferrari-Führung vertritt.

Ein weiterer Streitpunkt ist die angedachte Budgetdeckelung. Geht es nach Liberty Media, sollen die Teams mittelfristig mit 150 Millionen Dollar pro Saison auskommen. Derzeit sind die Etats der Top-Teams mehr als doppelt so hoch.

Vieles spricht für eine schrittweise Anpassung. Die Aerodynamik wird schon 2019 vereinfacht, um das Überholen zu erleichtern. 2021 sollen weitere Einschnitte erfolgen. (SERVICE: Der Rennkalender der Formel 1)

Kleine Teams begrüßen Änderungen

Alle Maßnahmen haben ein Ziel: Die Zweiklassengesellschaft abschaffen. Wer nicht am Steuer eines Ferrari, Mercedes oder Red Bull sitzt, kann alle angedachten Maßnahmen nur begrüßen.

"Auf schnellen Strecken beträgt unser Rückstand teilweise 2,5 Sekunden pro Runde. Da kann man nur Platz machen und weiter sein eigenes Rennen fahren", sagte Renault-Pilot Carlos Sainz jr. (Spanien) am Rande des Großen Preises von Ungarn mit einiger Ernüchterung. 

Einschnitte tun Not, weil immer mehr kleine Teams große Sorgen haben. Force India, Vierter der Team-WM 2016 und 2017, meldete am Freitag Insolvenz an. Wie auch Williams könnte der Rennstall zu einer Art B-Team von Motorenpartner Mercedes werden. Sauber und Haas sind schon jetzt abhängig von Ferrari.

Einem ist die Zukunftsmusik ziemlich egal. Auf 2021 angesprochen, erklärte der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso (Spanien/McLaren), der am Sonntag 37 Jahre alt wurde, lapidar: "Da bin ich nicht mehr hier, da schaue ich die Tour de France."