Auf Sebastian Vettel lastet am Hockenheimring eine Menge Druck
Auf Sebastian Vettel lastet am Hockenheimring eine Menge Druck © Getty Images
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Hockenheim - Der harte WM-Kampf mit Lewis Hamilton, der Traum vom ersten Heimsieg und der Kampf um die Formel-1-Zukunft von Hockenheim: Der Druck auf Sebastian Vettel ist gewaltig.

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Sebastian Vettel macht in diesen Tagen im Fahrerlager des Hockenheimrings einen konzentrierten, aber auch lockeren Eindruck.

"Ich verspüre keinen zusätzlichen Druck, sondern eher eine große Freude", betont der viermalige Weltmeister demonstrativ.

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Dabei lastet gleich ein dreifacher Druck auf dem Ferrari-Piloten. Vettel will den Vorsprung auf Weltmeister Lewis Hamilton in der Gesamtwertung der Formel 1 verteidigen oder möglichst sogar ausbauen. Vettel will endlich den langersehnten Heimsieg keine 40 Kilometer von seinem Geburtsort Heppenheim feiern. Und Vettel soll bestenfalls – als eine Art Messias - die Königsklasse des Motorsports in Deutschland vor einem Absturz in die Versenkung bewahren.

WM-Kampf mit neuem Auspuff

Rein sportlich geht es im Duell gegen Mercedes-Rivale Hamilton vor allem um wichtige Punkte im Kampf um den WM-Titel. Acht Zähler Vorsprung hat Vettel – ein dünnes Polster.

"Wir fühlen uns gut", betont Vettel. Der Triumph über Hamilton bei dessen Heimspiel vor zwei Wochen in Silverstone gibt zusätzlichen Schub. In den ersten zwei Trainingseinheiten am Freitag hinterließ Vettel einen ordentlichen Eindruck.

Zudem tut Ferrari alles für Vettels Titel. In Hockenheim überraschte die Scuderia bei Vettels Auto mit neuem Frontflügel, neuer Heckabdeckung und vor allem einem neuen Auspuff. Ziel der Konstruktion ist es, dass der Heckflügel durch den neuen Auspuff zusätzlich angeblasen und somit mehr Anpressdruck erzeugt wird.

Innovativ, aber auch nicht ungefährlich. Bei den Wintertests hatte Renault keine guten Erfahrungen mit einer ähnlichen Konstruktion, als ein Heckflügelblatt durch die heißen Abgase angebrannt wurde.

Vettel: „Geht um mehr als 25 Punkte“

Ausgerechnet der Grand Prix in Hockenheim ist für Vettel noch immer ein weißer Fleck, ein Makel, ein unerfüllter Traum in der ansonsten schillernden Karriere. Sein bestes Ergebnis in Hockenheim ist ein dritter Platz 2010.

"Natürlich wäre ein Sieg hier für mich etwas ganz Besonderes, es geht für mich um mehr als um 25 Punkte", sagt Vettel vor dem Qualifying (15 Uhr im LIVETICKER). Seine Worte an die Zuschauer klingen wie ein Appell, beschwörend: "Wir hatten eine schlechte Fußball-WM. Ich hoffe, dass die Fans ihre Fahnen wieder heraus holen und für eine großartige Stimmung sorgen. Vor so vielen Fans durch das Motodrom zu fahren, ist fantastisch und ein zusätzlicher Antrieb."

Sollte Vettel auch am Sonntag (15.10 Uhr im LIVETICKER) scheitern, könnte sein Streben ausgerechnet in Hockenheim unvollendet bleiben.

Kampf um Zukunft in Hockenheim

Denn die Zukunft der Formel 1 in Deutschland steht in den Sternen.

Sicher ist, dass es 2019 keinen Großen Preis von Deutschland gibt. Die Betreiber von Hockenheimring und Nürburgring wollen nicht mehr die geforderte Antrittsprämie zahlen. "Es wäre eine Schande, den Großen Preis von Deutschland, eines der klassischen Rennen, zu verlieren", sagt Vettel.

Die deutschen Fans hoffen, dass durch einen Sieg von Vettel noch ein Umdenken bei den Formel-1-Betreibern stattfindet. Eine große Last für Vettel – und wohl auch eine trügerische Hoffnung im auch wirtschaftlich hochgezüchteten PS-Zirkus.

Denn 2013 fuhr Vettel auf dem Nürburgring zu seinem einzigen Sieg bei einem Großen Preis von Deutschland. Seitdem ist der Nürburgring nur noch ein Formel-1-Friedhof.