Marc Surer nimmt bei SPORT1 die Strategien von Mercedes unter die Lup
Marc Surer nimmt bei SPORT1 die Strategien von Mercedes unter die Lupe © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/iStock

München - In dieser Saison werfen die Strategien von Mercedes viele Fragen auf. Bei SPORT1 sieht Ex-Rennfahrer Marc Surer darin ein Problem, das den Titel gefährden könnte.

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Der Kampf um den WM-Titel in der Formel 1 ist so spannend wie selten. Nach zehn von 21 Rennen liegen nur acht Punkte zwischen Spitzenreiter Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. (SERVICE: Die Fahrerwertung)

Auch die kleinsten Fehler können entscheidend sein - auf der Strecke wie am Kommandostand, wo Taktik und Strategie festgelegt werden. 

In diesem Bereich hat vor allem Mercedes in dieser Saison Schwächen gezeigt. Als Beispiel dafür kann auch das Rennen in Silverstone dienen, als sich Hamilton nach der frühen Kollision mit Kimi Räikkönen noch bis auf Platz zwei vorgekämpft hatte. (SERVICE: Das Ergebnis aus Silverstone)

Geht es nach dem ehemaligen Formel-1-Piloten Marc Surer hätte es für den Briten sogar noch zum Sieg reichen können, wenn ihm Mercedes in der ersten Safety-Car-Phase noch einmal frische Reifen aufgezogen hätte.

Surer: Hamilton hätte Siegchance gehabt

"Im Nachhinein ist es immer einfach, darüber zu diskutieren", sagte der Schweizer bei SPORT1: "Aber wir haben ja gesehen, wie Hamilton das ganze Rennen hindurch überholen konnte. Mit frischeren Reifen wäre es ein Leichtes gewesen, nach vorne zu fahren."

Auch Vettel, der in der Schlussphase lange Zeit nicht am langsamer werdenden Valtteri Bottas vorbeikam, hätte der Brite noch ernsthaft gefährden können. "Es wäre theoretisch möglich gewesen, auch Vettel noch anzugreifen", ist sich der 66-Jährige sicher. 

So aber triumphierte der Deutsche in England. Für Surer "ein Riesenschritt für Vettel in Richtung WM". 

Wolff verteidigt Mercedes-Strategie

Die Silberpfeile indes sorgten mit ihren strategischen Entscheidungen einmal mehr für Diskussionen, auch wenn sie Toto Wolff verteidigte. "Es war absolut richtig", betonte der Mercedes-Motorsportchef noch am Abend nach dem Rennen.

Dennoch: Die Debatten um die richtigen strategischen Entscheidungen in dieser Saison reißen nicht ab. Seit dem Start in Melbourne, als ein falsch berechneter Vorsprung auf Vettel Hamilton den Sieg kostete, werden die Silberpeile damit konfrontiert. "Das sind schwerwiegende Fehler, die sich am Ende des Jahres gegen Mercedes auswirken könnten", sagte Surer.

Surer: "Mercedes glaubt zu sehr an Computer"

"Zwei Fehler kann man Mercedes eindeutig zurechnen. Der erste war in Melbourne und der zweite in Österreich, auch wenn er dort durch den Ausfall dann keine Rolle spielte", rechnet Surer vor.

Auf dem Kurs in Spielberg ließ Mercedes im Gegensatz zu den anderen Top-Teams seinen Spitzenfahrer auf der Strecke, als Bottas eine Virtual-Safety-Car-Phase auslöste. Als Hamilton zehn Runden nach seinem Boxenstopp wieder auf die Strecke kam, hatte er seine Führung verloren.

Dass die Sternmarke in dieser Saison am Kommandostand schon einige WM-Punkte verschenkte, ist für Surer kein Zufall. "Bei Mercedes glaubt man zu sehr den Computern und nicht dem Bauchgefühl", erklärt der langjährige Formel-1-Experte.

Computer stoßen an Grenzen

Dabei würde auch "die Kapazität der Computer irgendwo an ihre Grenzen stoßen", so Surer, der in seiner Karriere 82 Formel-1-Rennen bestritt. Obwohl die Rechner mit genauesten Daten gefüttert würden, könnten diese auch nicht immer genau berechnen, "wie schnell einer mit neuen Reifen fahren kann und wann die alten Reifen wirklich abbauen".

Und wenn sich dann die Ereignisse auf der Strecke auch noch überschlagen, wie am vergangenen Sonntag in Silverstone, seien die Computer sowieso überfordert, so Surer: "Ein Computer kann ja nicht berechnen, dass gleich zwei Safety-Car-Phasen hintereinander kommen."

Ferrari habe sich im Laufe dieser Saison zwar auch schon mal verrechnet - wie in China, als die Scuderia zu Vettels Leidwesen viel zu spät auf einen Undercut von Bottas reagiert hat.

Vom Gefühl her, so Surer, "hat Mercedes aber mehr verschenkt".

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