München und Budapest - In Ungarn verpasst Sebastian Vettel den erhofften Sieg. Dass er nicht einmal die Möglichkeit hat, Hamilton zu attackieren, liegt vor allem an den Fehlern seines Teams.

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Sebastian Vettel klatschte nach dem Rennen auf dem Hungaroring mit seinen Mechanikern ab.

Zu größerem Enthusiasmus reichte es aber nicht, auch wenn der Ferrari-Star mit einem starken Manöver in der Schlussphase den Großen Preis von Ungarn hinter Lewis Hamilton noch auf Platz zwei beendete. (SERVICE: Das Ergebnis aus Ungarn)

Man habe zwar "unter diesen Umständen das Maximum" erreicht, sagte Vettel. Aber das eigentliche Ziel, den Sieg beim letzten Rennen vor der Sommerpause, haben die Italiener verpasst. Statt den Rückstand verkürzt zu haben, geht Vettel nun mit einem Rückstand von 24 Punkten auf Hamilton in die Restsaison. (SERVICE: Die Fahrerwertung der Formel 1)

War es am vergangenen Sonntag am Hockenheimring noch Vettel selbst, der den sicher geglaubten Sieg wenige Runden vor Schluss noch aus der Hand gab, leistete sich in Ungarn das Team die entscheidenden Fehler.

Ferrari verschenkt Zeit an der Box

Am meisten verschenkt hat die Scuderia bei Vettels Reifenwechsel, als der Deutsche eineinhalb Sekunden länger an der Box stand als der große Rivale Hamilton.

Die Zeit, die das Nachziehen einer klemmenden Radmutter am linken Vorderrad von Vettels Ferrari gekostet hat, ist in der Formel 1 eine halbe Ewigkeit - und brachte den Heppenheimer womöglich um den Sieg bei der Hitzeschlacht in Ungarn.

Denn anschließend kam er nicht vor, sondern hinter Valtteri Bottas wieder zurück auf die Strecke. Das bedeutete, er musste erst einmal am Finnen vorbei, ehe er Jagd auf seinen eigentlichen WM-Rivalen Hamilton machen konnte.

Fünf Runden vor Schluss quetschte er sich zwar noch an Bottas vorbei, doch der Sieg war bereits zu diesem Zeitpunkt längst außer Reichweite.

Nur wenn der Boxenstopp optimal funktioniert hätte und Vettel anschließend nicht so lange von Bottas aufgehalten worden wäre, hätte er mit den frischeren Ultrasoft-Reifen den vorauseilenden Hamilton noch einholen können.

"In der Hinsicht haben sie den besseren Job gemacht", musste auch Vettel in Richtung Mercedes einräumen.

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Scuderia holt Vettel zu spät an die Box

Doch auch schon zuvor hat Ferrari einen entscheidenden Fehler begangen, indem man den viermaligen Weltmeister zu spät an die Box beordert hatte.

"Es war ein bisschen unglücklich mit dem Verkehr auf den Runden vor dem Stopp", kommentierte Vettel das Zögern seines Teams.

Exakt zur Rennmitte wäre der Vorsprung des 31-Jährigen auf Bottas noch so groß gewesen, dass er nach dem Stopp bequem vor dem Finnen wieder herausgekommen wäre. Doch man traute Vettel wohl nicht zu, 35 Runden lang auf den Ultrasoft-Reifen zu fahren - und holte ihn erst in die Box, als sein Vorsprung, auch aufgrund von Überrundungen, zu sehr geschrumpft war.

Ein Fehler, den auch Vettel selbst ansprach: "Die ganz weichen Reifen haben doch besser gehalten, als wir erwartet hatten."

Ferrari verpatzt F1-Qualifying

Dass Ferrari am Sonntag überhaupt dazu gezwungen war, taktisch ins Risiko zu gehen, war schon nach dem Qualifying klar.

Denn die bei trockenen Bedingungen überragende Scuderia wurde am Samstag vom Regen kalt erwischt. Während Hamilton seinen Mercedes auf nasser Strecke auf Startplatz eins manövrierte, blieb Vettel sogar noch hinter seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen zurück.

Es war der Anfang vom Ende der Hoffnungen auf einen Big Point vor der Sommerpause.

Um den großen Traum vom WM-Triumph zu realisieren, müssen sich sowohl Vettel als auch sein Team in den verbleibenden neun Rennen gleichermaßen steigern.