München - Max Verstappen ist immer noch das Supertalent der Formel 1. Doch seine Vorschusslorbeeren sind nach wilden Ausritten und kopflosen Aussagen allmählich verspielt.

von

Als Max Verstappen im Red Bull am vergangenen Sonntag beim Großen Preis von Frankreich auf den zweiten Platz fuhr, erzielte er sein bestes Ergebnis in dieser Saison.

Mit ihm auf dem Podest stand ausgerechnet Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen. Der Iceman und der 20-jährige Niederländer mögen sich nicht. Das ist kein Geheimnis. Immer wieder gerieten die beiden in den vergangenen Jahren aneinander.

Immer wieder beschwerte sich Räikkönen über das skrupellose und aggressive Fahrverhalten des Youngsters. Doch der zeigte sich meist uneinsichtig, kuschte nicht vor den Größen des Sports. Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko sagte einst über seinen Fahrer: "Er ist kein Kind von Traurigkeit, der fährt nicht einfach weg, wenn Herr Vettel oder Herr Räikkönen da kommen".

Vor dem prestigeträchtigen Heimspiel des Brause-Imperiums in Spielberg (Das Rennen am Sonntag, ab 15.10 Uhr im LIVETICKER) steht "Mad Max" unter besonderer Beobachtung.

Verstappen stichelte gegen Vettel

Denn nach seinem zweiten Platz in Frankreich zeigte der Niederländer wieder seine unreife Seite und stichelte auf der Pressekonferenz gegen Sebastian Vettel und die Medien. 

Der Ferrari-Pilot hatte bereits beim Start Valtteri Bottas erwischt und eine Zeitstrafe kassiert. "Man sollte jetzt zu Sebastian gehen und ihn fragen, ob er nicht seinen Fahrstil ändern will. Das wurde bei mir ja auch so gemacht", motzte Verstappen. Der 20-Jährige fühlte sich wieder einmal ungerecht behandelt.

Denn seine aggressive und oftmals auch kopflose Fahrweise hat dem Niederländer viel Kritik eingebracht. Medien und Experten ließen nach seinen Aussetzern oft kein gutes Haar an ihm.

"Er lernt nicht dazu! [...] Ich habe bei ihm nicht mehr so viel Hoffnung, das ist jetzt schon das fünfte Mal in diesem Jahr", polterte beispielsweise Ex-Weltmeister Nico Rosberg bei RTL nach dem Rennen in Schanghai, bei dem Verstappen mit einem Rammstoß eine gute Platzierung von Vettel zunichte machte.

Totalausfall in Monaco

Auch in Monaco leistete er sich in dieser Saison einen Totalausfall. Im Training setzte er sein Auto unvermittelt an die Mauer, am Qualifying konnte er deshalb nicht teilnehmen. Am Ende reichte es im potenziellen Sieger-Red-Bull nur für Platz neun.

Verstappen ist mit seinen 20 Jahren zehn Jahre jünger als Sebastian Vettel und sogar 18 Jahre jünger als Altmeister Kimi Räikkönen. Allerdings ist es bereits die vierte Saison des Niederländers.

Er ist der jüngste Formel-1-Fahrer aller Zeiten. Doch allzu lange kann er sich nicht mehr auf seinem Talent ausruhen. Die einstigen Vorschusslorbeeren scheinen mittlerweile schon fast verspielt: "Vernunft scheint sich bei diesem Menschen nicht einzustellen", schimpfte Formel-1-Legende Niki Lauda: "Normalerweise wächst man mit seinen Fehlern. Er wird nur kleiner. Das scheint mir auch eine Intelligenzfrage zu sein", lautete sein vernichtendes Urteil.

Verstappen reist endlich alleine zu den Rennen

Dabei riss er sich zuletzt auf der Strecke durchaus zusammen. In Montreal reiste Verstappen zudem erstmals ohne Manager und Vater Jos zum Rennwochende. "Das zählt auch zu seiner Entwicklung, dass er nicht bei jedem Rennen jemanden um ihn herum braucht", erklärte Red-Bull-Berater  Marko.

Verstappen ist älter geworden. Dass er nun aber auch erwachsener geworden ist, muss das Supertalent noch nachweisen. Frankreich war diesbezüglich eher ein Rückschritt. Bei Red Bulls Heimrennen richten sich wieder viele Augen auf Mad Max.

Nach seinem selbstbewussten Auftreten darf er sich dort keine Aussetzer erlauben.

-----

Mehr aus der Formel 1:

Kostet seine Unbeherrschtheit Vettel wieder die WM?

Stimmen: Hamilton und Lauda wüten nach Vettel-Crash