Maurizio Arrivabene ist Teamchef von Vettel-Team Ferrari
Maurizio Arrivabene ist Teamchef von Vettel-Team Ferrari © Getty Images

Schanghai und München - Beim Großen Preis von China feiert Daniel Ricciardo einen unerwarteten Sieg. F1-Experte Rosberg übt harsche Kritik an Ferrari und Max Verstappen. Die Stimmen.

Beim Großen Preis von China feiert Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo einen unerwarteten Sieg und lobt sein Team für die beiden sensationellen Stopps.

Max Verstappen dagegen vergibt seine Siegchance wegen übertriebener Attacken und nimmt Stellung zur Kollision mit Sebastian Vettel. Der Ferrari-Pilot aber übt keine Kritik am Niederländer, sondern verteidigt diesen sogar. (SERVICE: Die Fahrerwertung)

Dafür aber nimmt Formel-1-Experte Nico Rosberg die Scuderia für ihre taktischen Fehler auseinander. Das Mercedes-Team um Lewis Hamilton und Valtteri Bottas dagegen verschläft die rennentscheidende Safety-Car-Phase.

SPORT1 fasst die Stimmen von RTL, der Pressekonferenz und aus der Boxengasse zusammen:

Daniel Ricciardo (Red Bull), Platz 1:  "Das kam unerwartet! Vor 24 Stunden dachte ich noch, wir müssten vielleicht von ganz hinten starten. Danke an die Jungs, an alle Mechaniker. Dieser Sieg ist eine schöne Belohnung für alle Mühen."

...über das hektische Rennen: "Es ging alles so schnell. Die Doppel-Boxenstopps waren das entscheidende Manöver. Dafür muss ich mich beim Team bedanken."

Valtteri Bottas (Mercedes), Platz 2: "Es lief eigentlich ziemlich gut für uns. Bis zu dem Zeitpunkt, als Red Bull unter dem Safety Car die Reifen wechselte. Danach bekamen wir Probleme. Und das Ergebnis ist unterm Strich natürlich enttäuschend."

Kimi Räikkönen (Ferrari), Platz 3: "Ich nehme, was ich kriegen kann. Denn zwischendurch sah es mal so aus, als würde ich leer ausgehen, nachdem ich sehr lange auf der Strecke geblieben war. Am Ende hätten wir Soft-Reifen gebraucht, um wirklich etwas auszurichten."

Lewis Hamilton (Mercedes), Platz 4: "Als Team sind wir hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ich war heute im Niemandsland. Ich musste einfach schauen, irgendwie durchzukommen. Vor uns liegt ein schwieriger Kampf." (SERVICE: Der Rennkalender)

Max Verstappen (Red Bull), Platz 5: "Ich sah, wie Sebastian mit seinen Reifen kämpfte. Ich versuchte, spät zu bremsen - und traf ihn. Das war mein Fehler. Klar: Im Nachhinein hätte ich besser gewartet. Aber das habe ich eben nicht getan."

"Im Augenblick läuft es einfach nicht so, wie ich es gern hätte. Ich muss deshalb aber nicht ruhiger werden. Vielleicht brauche ich in solchen Situationen etwas mehr Überblick. In diesem Jahr sind zwei Rennen für mich nicht gut gelaufen. Da willst du natürlich Punkte gut machen. Das spielt im Augenblick gegen mich und ist sicher nichts, was ich will. Es ist eine Lektion fürs Leben."

Sebastian Vettel (Ferrari), Platz 8: "Wir waren uns sicher, dass es mit dem Abstand reichen würde. Wir haben uns ein bisschen vertan, Valtteri hat nach dem Stopp eine gute Runde hingelegt. Da kann man niemandem direkt die Schuld geben."

"Ich habe ihn (Verstappen, d. Red.) erst sehr spät gesehen, hatte aber sogar noch etwas Platz gelassen. Ich hatte eigentlich erwartet, dass er schon früher angreifen würde. Ich wollte mich gar nicht wehren, weil ich schon bei Ricciardo gemerkt hatte, dass es ist sinnlos ist. Auf den frischen Reifen waren sie einfach zu schnell. Deshalb wollte ich mir nicht mein Rennen gegen die Autos dahinter versauen. Aber er hat einen Fehler gemacht, seine Reifen haben blockiert. Ich glaube, er hat sich einfach verschätzt und uns so beiden das Ergebnis ruiniert."

"Er hat genug Erfahrung. Aber das kann einem auch passieren, wenn man 300 Rennen gefahren ist. Man darf nicht außer Acht lassen, dass sich Dinge aus dem Auto heraus sehr schwierig einschätzen lassen, wenn man keinen Unfall bauen will. Er hätte sich locker den Frontflügel abfahren oder sich einen Platten holen können. Wir hatten beide Glück. Nach der Berührung setzte das Fahrzeug ziemlich auf und vor allem in der Kurvenmitte hatte ich viel Untersteuern. Am Ende waren die Vorderreifen hinüber. Es tut mir leid, dass ich meine Position nicht verteidigen konnte."

Toto Wolff (Mercedes-Motorsportchef): "Sein (Bottas, d. Red.) Rennen war das beste, das ich in der Formel 1 bisher von ihm gesehen habe. Er hätte den Sieg verdient gehabt, weil er heute toll gefahren ist. Doch das Glück ist uns zu Beginn dieser Saison scheinbar nicht hold. Das Safety Car kam zur falschen Zeit auf die Strecke."

"Die beiden Red Bull waren so mutig, die Reifen während der Safety-Car-Phase zu wechseln. Wir hingegen hielten unsere Position auf der Strecke für wichtiger. Damit lagen wir falsch. Sie hatten Recht. Deshalb ist der Sieg verdient. Im Nachhinein bist du eben immer schlauer."

Christian Horner (Red-Bull-Teamboss): "Unfassbar! Eine fantastische Teamleistung. Kompliment an die Crew für Boxenstopps und Strategie. Daniel ist ein perfektes Rennen gefahren. Und das nach dem vielen Pech, das er in den letzten Grands Prix gehabt hat."

...über Verstappens 10-Sekunden-Zeitstrafe: "Max ist jung, er fährt aggressiv. Heute hat er den Preis dafür bezahlt."

Helmut Marko (Red-Bull-Berater): "Max hat es beim Überholversuch übertrieben. Es war sein Fehler. Max' Zeit wird kommen. Er sollte es jetzt einfach nicht übertreiben. Er weiß aber auch, was er verloren hat. Dieser Sieg hätte seiner werden können, doch er hat es weggeworfen. Aber: Er ist 19 oder 20 Jahre alt, noch immer sehr jung. So etwas passiert."

Nico Rosberg (Ex-Weltmeister und TV-Experte): "Die Formel 1 lebt! Das war der absolute Wahnsinn da draußen, an Spannung nicht zu toppen. Ich konnte gar nicht sitzen, ich stand das ganze Rennen über. Gigantisch!"

"Die Ferrari-Strategie war wirklich schwach und total verschenkt. Dass sie ihm den Undercut überhaupt erlauben - da muss man doch vorher reinkommen. Dann passiert das überhaupt nicht. Sebastian hat dann zwei oder drei Sekunden verloren, also völlig verhauen. Ich kann es gar nicht fassen, dass ihnen so etwas passiert. Aber Mercedes ist da einfach eine absolute Macht."

"Das war wieder ein Schritt zu weit (von Verstappen, d. Red.). Das macht er schon drei Rennen in Folge, immer wieder Chaos. Max muss für sich selber erstmal einen Gang herunterschalten. Das ist zu extrem. Natürlich macht das Spaß zum Zuschauen, aber für Sebastian war das heute natürlich ein Desaster. Das geht gar nicht, dass man da so die WM beeinflusst und Sebastian raushaut. Ich hätte nicht erwartet, dass Sebastian daraus so eine faire Geste macht."

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