2018 könnte es zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull zum Titel-Dreikampf kommen
2018 könnte es zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull zum Titel-Dreikampf kommen © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/iStock

München - Sebastian Vettel sorgt im Ferrari mit seinem Sieg in Melbourne für eine Überraschung. Nur Zufall oder ist Mercedes tatsächlich schlagbar? Der SPORT1-Titelcheck.

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Sebastian Vettel geht nach seinem überraschenden Sieg in Melbourne als WM-Führender ins zweite Rennen. Allerdings war dieser Sieg besonderen Umständen geschuldet.

Daher drängt sich die Frage auf: Ist Ferrari in diesem Jahr endlich wieder reif für den Titel oder führt an Mercedes kein Weg vorbei? Oder kann sogar Red Bull der lachende Dritte im Kampf um die WM-Krone werden? SPORT1 macht den Titelcheck.

Ferrari:

Party-Stimmung wollte Vettel trotz des Sieges nicht verbreiten. Stattdessen gab er ehrlich zu, dass Vettels "Loria" nicht das schnellste Auto in Melbourne war und der Sieg einer großen Portion Glück zu verdanken war. (SERVICE: Die Fahrerwertung)

"Lewis war im ersten Teil des Rennens schneller und auch im zweiten. Auf uns wartet Arbeit. Wir müssen uns in der Qualifikation und im Rennen verbessern", sagte Vettel.

Ein kleiner Rückstand im Qualifying auf die Silberpfeile war von Ferrari erwartet worden, doch sieben Zehntel auf einer Runde sind für die Italiener viel zu viel - Mercedes-Partymodus hin oder her.

Dies wäre im Rennen natürlich noch korrigierbar. Doch Vettel mutmaßte nach den Melbourne-Erfahrungen, dass man auch hier etwa drei Zehntel langsamer als Mercedes ist. Einziger Trost: Auf den Geraden sah der Ferrari ebenbürtig aus.

Zu einem Trumpf im Titelkampf könnte der wiedererstarkte Kimi Räikkönen werden. Der Australien-GP zeigte, welchen Vorteil zwei starke Fahrer im Spitzenfeld bringen können. So zwang man Mercedes durch Räikkönens frühen Stopp ebenfalls in die Box, was letztlich zu Vettels Sieg führte.

Mercedes:

Trotz des verpassten Sieges zum Auftakt sind sich alle einig: Mercedes hat auch 2018 das schnellste Auto. Auch Lewis Hamilton wirkt hochmotiviert, in diesem Jahr den fünften WM-Titel einzufahren. Der harte Kampf mit Vettel scheint den Briten zu beflügeln. (SERVICE: Der Rennkalender)

In den Qualifyings dürfte das Paket Mercedes plus Hamilton daher nur selten zu schlagen sein. Denn auch wenn Hamilton es abstritt, gab Teamchef Toto Wolff zu, dass man in Q3 sehr wohl den Motor aufdreht.

Eine weitere gute Nachricht für Mercedes: Im Gegensatz zum Silberpfeil von 2017, der schwierig abzustimmen war und von Wolff sogar als "Diva" bezeichnet wurde, gibt sich das neue Auto deutlich pflegeleichter.

Laut Valtteri Bottas soll der Motorenvorteil von Mercedes gegenüber Ferrari und Renault allerdings deutlich geringer geworden sein. Zudem haderten sowohl Bottas als auch Hamilton damit, dass der Motor sehr schnell überhitzt, wenn man hinter einem Konkurrenten fährt.

Abzuwarten bleibt, wie Bottas seinen Quali-Crash und sein mäßiges Auftaktrennen weggesteckt hat. Wolff machte sich jedenfalls Sorgen, dass der heftige Einschlag negative Auswirkungen auf die Psyche des Finnen hat - und wie sehr Mercedes einen starken Bottas braucht, hat Melbourne gezeigt.

Red Bull:

Nur Platz vier und sechs im Rennen, nachdem man sich bereits im Qualifying hinter Ferrari einreihen musste: Auf den ersten Blick verlief das Auftaktwochenende für Red Bull alles andere als optimal. (SERVICE: Die Teamwertung)

Supertalent Max Verstappen erwischte zudem keinen guten Tag und drehte sich übermotiviert von der Strecke, nachdem er beim Start zurückgefallen war. Der Niederländer kämpfte darüber hinaus mit einem schwer zu fahrenden Auto, nachdem er sich bei einem kleinen Fahrfehler zu Beginn den Diffusor beschädigt hatte.

Auch bei der Strategie, mit den härteren Reifen loszufahren, hatten die Österreicher kein glückliches Händchen. In Sachen Motor hat Renault zwar einen Sprung gemacht - unter den drei Spitzenteams hat Red Bull hier aber immer noch das Nachsehen.

Dennoch gibt es auch einige Dinge, die Red Bull Mut machen. So knallte Daniel Ricciardo in Melbourne die mit Abstand schnellste Runde auf den Asphalt - eine halbe Sekunde schneller als Hamilton. 

Viele Experten sind sich außerdem einig, dass der Red Bull das aerodynamisch beste Auto ist. Gerade dem Ferrari ist man in Kurven klar überlegen. "Sobald wir freie Fahrt hatten, war es okay. Die Pace war gut. Wir müssen uns keine Sorgen machen", sagte auch Verstappen.

FAZIT:

Mercedes ist mit Hamilton trotz des Ausrutschers in Melbourne der klare Titelfavorit. Ferrari und Red Bull scheinen aber nah genug dran zu sein, dass sie jeden kleinen Fehler der Silberpfeile bestrafen und diesen Rückstand auch innerhalb der Saison aufholen können.

Fraglich ist noch, ob der Red Bull auch auf Motorenstrecken wie in Montreal, Hockenheim oder Monza mithalten kann. So oder so kann das Team jedoch zum Zünglein an der Waage werden, falls es dem aerodynamisch schwächeren Ferrari auf einigen Strecken wertvolle Punkte klaut.

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