Valtteri Bottas (r.) folgte bei Mercedes auf Nico Rosberg
Toto Wolff (M.) stellt Lewis Hamilton (l.) eine Stallregie in Aussicht © Getty Images

München - Sebastian Vettel kann im WM-Kampf nicht mehr auf Mercedes' Gentleman-Gedanken bauen: Toto Wolff stellt Lewis Hamilton eine Stallregie in Aussicht.

von Martin Hoffmann

In Ungarn kostete das Fairplay von Mercedes Lewis Hamilton drei Punkte im Kampf um den WM-Titel - nun überdenken die Silberpfeile ihre Haltung zum Thema Stallorder.

"Wir wollen uns jetzt nicht mehr versteifen auf irgendeine Strategie, die am Ende supersportlich ist, aber uns nicht den Titel gewinnt", sagte Motorsportchef Toto Wolff nach dem von Hamilton gewonnenen Qualifying in Spa-Francorchamps bei Sky: "Darum nehmen wir es jetzt Rennen für Rennen."

Klare Botschaft: WM-Leader Sebastian Vettel im Ferrari muss ab jetzt damit rechnen, dass Valtteri Bottas sich seinem Teamkollegen unterordnet.

Mercedes behält sich Stallorder vor

Bottas (169 Punkte) hat im Kampf mit Vettel (202) - bei der Quali in Belgien Zweiter vor dem Finnen - theoretisch noch ebenso Chancen wie Hamilton (188). Auch deshalb hatte sein Team den Briten beim vergangenen Rennen in Budapest zurückgepfiffen.

Bottas hatte Hamilton im Lauf des Rennens vorbeigelassen, um ihm die Chance zu geben, die Ferrari-Konkurrenten an den Positionen 1 und 2 zu überholen. Als Hamilton das nicht gelungen war, musste er Bottas Platz 3 kurz vor dem Ziel wieder überlassen.

Ein riskantes Manöver, das Wolff mit dem Image der Marke Mercedes begründete, sie solle für Fairness stehen, nicht für Rücksichtslosigkeit.

Für Naivität aber offensichtlich auch nicht: Wolff behält sich ab jetzt eine Stallorder vor. "Wir haben nach Ungarn entschieden, jetzt wollen wir es Rennen für Rennen nehmen", erklärte er. Ab wann er die Teamregie greifen lassen will, ließ er offen: "Es gibt so viele unterschiedliche Situationen, dass wir es gar nicht vordenken, wir werden es im Rennen entscheiden."

Wolff mit kleiner Spitze gegen Ferrari und Vettel

Bei Ferrari ist die Hierarchie klar wie immer in der Geschichte des Rennstalls: Vettel ist die Nummer 1, Kimi Räikkönen muss ihm zuarbeiten.

Wolff kann es verstehen, auch wenn er seinen Kommentar dazu mit einer kleinen Spitze versieht: "Ferrari ist in einer Situation, wo Sebastian so viel mehr Punkte hat, dass es logisch ist, dass sie alles hinter Vettel stecken."

Für das Rennen in Spa erwartet Wolff ein enges Duell: "Alles ist offen, beide Autos haben die Pace gewinnen zu können."