Hülkenberg, Vettel, Hamilton
Hülkenberg, Vettel, Hamilton © SPORT1-Grafik: Getty Images
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Renault-Pilot Nico Hülkenberg spricht in seiner SPORT1-Kolumne über die Streithähne Hamilton und Vettel und und analysiert sein Aus beim Rennen in Aserbaidschan.

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Liebe Formel-1-Fans, 

das Rennen in Baku konnte ich leider nicht zu Ende fahren, obwohl es eigentlich ganz gut für mich begonnen hatte. Ich konnte von den vielen Ausfällen profitieren und machte einige Plätze gut.  

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In der zweiten Runde nach dem Re-Start verschätzte ich mich dann und lenkte etwas zu scharf und zu früh ein. Die neuen Supersoft-Reifen hatten natürlich deutlich mehr Grip als die Soft-Reifen davor. Ich berührte die Wand mit dem rechten Vorderreifen, brach dabei den Lenkarm – und es war vorbei.

Natürlich ist ein Ausfall aufgrund von Eigenverschulden bitter und ärgerlich. Jedoch war der Rennverlauf danach relativ normal und die Top-Autos setzten sich wieder durch. Deshalb wäre wohl "nur" der siebte oder achte Platz realistisch gewesen. Wir haben trotzdem wertvolle Punkte verloren.

Allgemein gab es beim Re-Start viele Vorfälle, weil die Grip-Bedingungen extrem schlecht waren. Es war unmöglich, hinter dem Safety Car Grip und Temperatur im Reifen zu behalten. Wir brauchen eine bestimmte Geschwindigkeit, um die Temperatur zu halten – und das Safety Car kann diese Geschwindigkeit nicht liefern.

Die Szene zwischen Lewis (Hamilton, Anm. d. Red.) und Sebastian (Vettel) ist natürlich interessant - und brisant.

Normalerweise ist immer derjenige schuld, der hintendrauf fährt. Es sieht natürlich komisch aus, was Lewis macht, aber Sebastian muss auch nicht so eng dahinter sein. Bei uns gibt es aber auch keinen Mindestabstand, das alles liegt in unserem eigenen Ermessen und unterliegt unserer Verantwortung. Die beiden haben sich gegenseitig getestet und ausgebremst.

Die Strafe kann ich nachvollziehen, und auch ein bisschen die Reaktion von Sebastian. Wenn man ihn kennt, weiß man, wie emotional er während eines Rennens manchmal ist. Er ist ein Vollblut-Rennfahrer, der schnell aus der Haut fährt. Man konnte sehen, dass er sich sehr aufregte und ihm das gegen den Kragen ging, weil er sich ungerecht behandelt fühlte.

Als Rennfahrer kochen die Emotionen manchmal hoch und im Eifer des Gefechts passieren solche Sachen. Ich finde, Emotionen gehören zum Motorsport auch dazu.

Das nächste Rennen in Spielberg ist die letzte Power-Strecke nach Montreal und Baku. Österreich wird noch einmal ein richtiger Härtetest, wo es voraussichtlich schwierig für uns wird. Punkte sind das Ziel! Im letzten Rennen haben wir gesehen, dass in der Formel1 manchmal verrückte Dinge passieren. Wenn wir strategisch fahren und den Rennverlauf im Blick haben, kann eine Platzierung in der Top 10 drin sein.

Auf bald!
Euer Nico Hülkenberg

Nico Hülkenberg fährt seit dieser Saison für das französische Werksteam Renault. In seiner neuen SPORT1-Kolumne wird er nach jedem Rennen von der Königsklasse berichten.