F1 Grand Prix of Russia
F1 Grand Prix of Russia © Getty Images
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Nach der Kollision mit Hamilton gehen Vettel kurz die Gäule durch. Nach dem Rennen verteidigt der Deutsche sein Verhalten - und muss ordentlich Kritik einstecken.

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Sebastian Vettel muss für sein Verhalten nach der Kollision mit Lewis Hamilton beim Großen Preis von Baku ordentlich Kritik einstecken. 

Während einer Safety-Car-Phase fuhr Vettel Hamilton ins Heck, nachdem dieser nach einer Kurve abrupt langsamer wurde. In der Folge scherte der Deutsche aus und rammte den Briten seitlich.

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Die Rennleitung aber entschied sich für eine gemäßigte Bestrafung. Vettel erhielt eine 10-Sekunden-Zeitstrafe, Hamilton kam ungeschoren davon. Allerdings musste der Brite auch in die Box, da sich die Kopfstütze in seinem Mercedes gelöst hatte und eine Reparatur benötigte. Vettel nutzte den Stopp des Kontrahenten für eine schnelle Runde, absolvierte seine Zeitstrafe und kam letztlich knapp vor Hamilton wieder aus der Box. 

SPORT1 fasst die Stimmen bei RTL und Sky zusammen:

Lewis Hamilton (Mercedes): "Ich kontrolliere die Geschwindigkeit. Bei allen anderen Restarts bin ich exakt an der selben Stelle langsamer geworden. Er hat die Konzentration verloren und ist mir reingefahren. Dann noch neben mich zu fahren und mich absichtlich zu rammen ist eine Schande. Wenn er sich als Mann beweisen will, soll er es außerhalb des Autos machen, von Angesicht zu Angesicht. Jemanden ins Auto zu fahren ist gefährlich. Man denke an all die Kinder, die heute zugeschaut und gesehen haben, wie das ein vierfacher Weltmeister macht. So sollte ein Fahrer sich einfach nicht verhalten, das ist gefährlich, aber solche Dinge passieren, und ich möchte da jetzt auch nicht mehr zu sagen. Es ist passiert und jetzt geht's weiter."

...über den Grund, warum er keine Strafe bekam: "Die Stewards haben sich meine Daten angesehen, und ich habe keine Strafe bekommen, weil ich keinen (Brake-Test) gemacht habe. [...] Ich habe das Rennen angeführt, warum sollte ich das also machen? Vor dem Safety-Car hatte ich einen guten Vorsprung."

Sebastian Vettel (Ferrari): "Er ist auf die Bremse gestiegen, ich konnte nirgendwo hin und bin ihm in die Kiste gefahren. Klar, der Führende bestimmt das Tempo. Aber das war einfach unnötig. Für uns beide. Letzten Endes hatte ich dann ein wenig Schaden und er auch. Mit der Strafe bin ich nicht einverstanden. Wenn ich bestraft werde dafür, sollte er auch bestraft werden. Wir sind alle erwachsene Leute und wir sind hier um Rennen zu fahren - das ist auch das, was die Leute von uns erwarten. Dafür benutzen wir auch unsere Ellenbogen."

...zu seiner Rambo-Aktion: "Ich war mit der Art und Weise, wie er gefahren ist, nicht zufrieden. Ich bin dann neben ihn gefahren und hab ihm das gezeigt. Ich werde das noch mit ihm klären. Aber nicht jetzt direkt nach dem Rennen. Ich respektiere ihn nach wie vor sehr als Fahrer."

Helmut Marko (Motorsport-Berater Red Bull): Hamilton hat ihn provoziert. Vettel hat sich geärgert und sich revanchiert. Ich denke Hamilton wollte Vettel aus dem Rhythmus bringen. Das was Vettel dann macht, sind einfach Emotionen. Hamilton hat ihn auffahren lassen. Aber es ist natürlich trotzdem ein Revanche-Foul von Vettel. Aber: Der Vorfall war ja auch bei ganz geringer Geschwindigkeit, hinter dem Safety-Car - es war einfach eine Provokation von Hamilton. Und ein Rennfahrer muss ja Emotionen haben.

Damon Hill (Formel-1-Weltmeister 1996): "Sebastian hat wahrscheinlich einfach damit gerechnet, dass Lewis schneller sein würde. So war es aber dann nicht und dann haben sie sich berührt. Sebastian hat sich dadurch seinen Flügel kaputt gemacht, war deshalb sehr verärgert, ist auf die Seite gezogen und hat Hamilton gerammt. Ich wüsste nicht wie ich das entscheiden soll. Ich bin froh, dass ich kein Stewart bin. Wenn man sein Auto benutzt, um in jemand anderen reinzufahren, zeugt das von einem Mangel an Kontrolle, von einer Wut, die einfach nicht gestattet werden kann. Man kann so etwas einfach nicht machen. Es ist genauso wie beim Fußball: Wenn der Schiedsrichter pfeift und ein Spieler geht dann trotzdem noch auf seinen Gegenspieler zu und schlägt ihn, dann ist das eine Rote Karte."

Toto Wolff (Motorsportchef Mercedes): "Da kochen die Emotionen hoch. Der eine sitzt im Auto und glaubt, dass der vor ihm einen 'Brake Test' gemacht hat. Und der andere versteht nicht, warum er ihm reinfährt. Die Strafe ist, was sie ist. Es war dieses Stop-and-go und das können wir jetzt auch nicht mehr rückgängig machen.

Niki Lauda (Mercedes-Aufsichtsratchef): "Meine Meinung ist einfach: Der, der vorne ist, bestimmt die Geschwindigkeit. So ist das auch im Straßenverkehr. Wenn der vor dir bremst, musst du dahinter auch abbremsen. Das ist auch hier so. Was mich verwundert hat, ist, dass Sebastian dann neben Lewis fährt, rumgestikuliert und ihm ins Auto fährt. Das ist ein Riesen-Foul. Über die zehn Sekunden kann man diskutieren, ob das genug ist. Aber die Entscheidung der Stewarts muss man respektieren. Aber klar ist: Es ist Sebastians Schuld."