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München - Formel-2-Pilot Anthoine Hubert kommt am Samstag in Spa bei einem schweren Unfall ums Leben. Er war der Formel 1, wo seine Freunde fahren, bereits ganz nah.

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Es war der größte Erfolg seiner Karriere, Charles Leclerc aber kämpfte mit gemischten Gefühlen.

"Mein erster Sieg in der Formel 1", sagte der Monegasse nach dem Triumph beim Großen Preis von Belgien in Spa nach der Zieleinfahrt im Boxenfunk - und ergänzte: "Das ist für Anthoine!"

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Anthoine, das ist Anthoine Hubert. Jener erst 22 Jahre junge Franzose, der am Samstagabend nach einem schrecklichen Unfall im Formel-2-Hauptrennen seinen schweren Verletzungen erlag.(Reaktionen zum Tod von Hubert)

Im sonst so turbulenten, rasanten Motorsport-Zirkus drehte sich am Sonntag alles einen Tick langsamer. Erstmals seit der Tragödie um Jules Bianchi beim Formel-1-Rennen in Suzuka 2014 hatte ein Unfall in einer der beiden größten Formel-Serien ein Leben gefordert.

Leclerc kann Erfolg nicht genießen

Das für Sonntag angesetzte Sprintrennen der Formel 2 wurde abgesagt, bei den anderen Veranstaltungen in Spa war die Trauer um Hubert omnipräsent - auch in Leclercs sportlich größter Stunde.

"Es fühlt sich gut an", funkte der 21-Jährige an die Box, "aber es ist schwierig, das an einem Wochenende wie diesem zu genießen".

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Wie viele andere Fahrer trauert auch Leclerc um einen Freund. "Ich kann es nicht glauben. Ruhe in Frieden", schrieb er am Samstagabend zu einem gemeinsamen Foto mit Hubert aus Jugendtagen.

So groß und schillernd die Motorsport-Welt nach außen hin scheint, so familiär geht es dort oft zu. Man kennt sich, trifft sich immer wieder.

"Du verlierst einen deiner besten Freunde"

"Du verlierst einen deiner besten Freunde. Ich bin seit meinem siebten Lebensjahr und im Kartsport mit ihm aufgewachsen", sagte Formel-1-Pilot Pierre Gasly, der sich mit Hubert eine Zeit lang sogar ein Zimmer teilte: "Ich bin noch immer geschockt. Ich verstehe einfach nicht, dass es so schnell gehen kann."

Nicht nur Gaslys und Huberts Wege kreuzten sich immer wieder, auch die Parallelen zwischen Leclercs und Huberts Werdegang im Formelsport sind frappierend: Aus dem Formel Renault 2.0 Eurocup über die europäische Formel-3-Meisterschaft und die GP3-Serie in die Formel 2 - die beiden nahmen nahezu denselben Weg, Leclerc machte den nächsten Schritt meist ein Jahr vor Hubert.

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SPORT1-Motorsportkommentator Christian Glück lernte Hubert 2016 in dessen einziger Saison bei Van Amersfoort Racing in der Formel 3 kennen - und den jungen Mann sofort schätzen. Hubert sei wie auch seine Eltern "sehr höflich und zurückhaltend" gewesen, erinnert sich Glück, aus sportlicher Sicht "ein sehr akribischer Arbeiter", der immer sehr viel analysiert habe.

Hubert sei ein ruhiger Typ gewesen, die bisweilen im Motorsport vorkommenden Macho- oder Star-Allüren waren ihm fremd. Hubert habe immer in erster Linie mit seiner Leistung gesprochen.

Besonders eindrücklich ist Glück Huberts erster Formel-3-Sieg am Norisring in Erinnerung geblieben. "Ihm ist damals ein Stein vom Herzen gefallen", erzählt Glück. Der Franzose sei dankbar gewesen für jede Sekunde Berichterstattung und jede Chance, auf der Jagd nach seinem großen Traum voranzukommen.

"Anthoine war einer der besten Fahrer, den ich auf der Strecke erleben durfte"

Dafür tat er selbst am meisten: Mit beeindruckenden Leistungen machte Hubert in der Formel 3 auf sich aufmerksam, obwohl er nicht bei einem absoluten Topteam mit Titelchancen fuhr - und verdiente sich so ein Cockpit in der GP3-Serie. Für das Team ART Grand Prix fuhr er in seiner ersten Saison vier Mal aufs Podest, im zweiten Jahr holte er den Meistertitel. Nach seinem Wechsel in die Formel 2 schien der letzte Schritt in die Königsklasse des Motorsports nur noch eine Frage der Zeit.

"Ich kann noch immer kaum glauben, was passiert ist. Anthoine war einer der besten Fahrer, den ich auf der Strecke erleben durfte", erklärt der Brite Jake Hughes, der 2018 gemeinsam mit Hubert für ART Grand Prix fuhr.

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Am Samstagnachmittag half dem Franzosen auch all sein fahrerisches Können nicht: Beim Versuch, in der Eau Rouge dem schlingernden Auto von Giuliano Alesi auszuweichen, verlor Hubert selbst die Kontrolle über seinen Boliden, prallte gegen die Streckenbegrenzung und wurde zurück auf die Strecke geschleudert.

Dort raste der nachfolgende US-Amerikaner Juan Manuel Correa mit rund 270 km/h in die linke Seite des querstehenden Wracks. Correa erlitt Beinbrüche und eine leichte Verletzung der Wirbelsäule, sein Zustand war laut Automobil-Weltverband FIA am Sonntagmorgen "ernst, aber stabil".

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Hubert wurde am Samstagabend um 18.35 Uhr im Medical Center an der Strecke für tot erklärt.

"Ich bin sehr dankbar dafür, ihn einen Freund nennen zu können", sagt sein ehemaliger Teamkollege Hughes: "Wir werden ihn alle sehr vermissen."