Audi steigt aus der DTM aus
Audi steigt aus der DTM aus © Audi AG
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Warum WRT-Audi-Teamchef Vincent Vosse mit dem Zeitpunkt der Audi-Bekanntgabe hadert und weshalb dieser für die DTM negative Konsequenzen haben könnte.

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Audis Entscheidung, den auslaufenden DTM-Vertrag nicht zu verlängern, kam nicht überraschend. Das Timing sorgt aber für Aufregung in der Traditionsserie. Nach DTM-Boss Gerhard Berger und BMW gibt es auch unter den Audi-Teams kritische Stimmen.

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"Leider war der Zeitpunkt schlecht", sagt WRT-Audi-Teamchef Vincent Vosse im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Die Entscheidung wurde uns mitgeteilt, wir konnten nicht einmal darüber sprechen."

Der belgische Teamchef des Audi-Kundenteams glaubt zwar, dass der Vorstand "sicher gute Gründe für die Art und Weise hatte, wie das kommuniziert wurde", sieht aber für die DTM negative Konsequenzen.

Warum Audi-Entscheidung zum "falschen Zeitpunkt" kommt

"Die Entscheidung kommt zum falschen Zeitpunkt, weil wir keine Möglichkeit haben, einander zu treffen", spielt der Belgier auf die Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie an.

"Dieser Tage ist eine normale Arbeitsweise sehr schwierig. Wir können derzeit nur warten und an einer Rückkehr zur Normalität arbeiten, was noch nicht komplett gelungen ist, um die Saison endlich zu starten", verweist Vosse auf die unklare Situation in Hinblick auf den für Mitte Juli geplanten Saisonauftakt auf dem Norisring. "Wenn wir dann anfangen, über 2021 zu sprechen, dann ist es zu spät."

Gut möglich, dass der Zeitpunkt für die Bekanntgabe von den Entscheidungsträgern in Ingolstadt auch deswegen gewählt wurde, weil die Welt nach wie vor im Zeichen der Coronakrise steht und dadurch das Verständnis für einen derartigen Schritt größer ist. Die Produktion im stillstehenden Audi-Stammwerk wurde erst am Mittwoch vor einer Woche - also zwei Tage nach der DTM-Bekanntgabe - wieder aufgenommen.

Vosse: Audi hätte Ausstieg intern kommunizieren können

Aber ist der frühe Zeitpunkt nicht auch ein Vorteil für die Teams, was die Zukunftsplanungen angeht? "Wir haben jetzt noch genügend Zeit, um für 2021 Gespräche mit neuen Geschäftspartnern zu führen", nickt Phoenix-Audi-Teamchef Ernst Moser, der die Art und Weise der Audi-Kommunikation als "sehr korrekt" empfand.

Vosse stimmt zu, "aber man hätte das ja auch intern kommunizieren können", wirft er ein. Nun könne man die Situation aber ohnehin nicht mehr ändern: "Wir müssen damit leben und müssen überleben."

Auch wenn der Zeitpunkt der Bekanntgabe für die Rennserie nicht optimal ist, ist das Verständnis für den Audi-Ausstieg jetzt, wo die Welt noch im Zeichen der Pandemie steht, vermutlich größer. Und niemand weiß derzeit, wie die Lage in ein paar Monaten aussehen wird. Auch das war möglichweise ein Grund dafür, dass Audi jetzt reinen Tisch machte.

Audi-Sportchef Biermaier: "Wann wäre richtiger Zeitpunkt?"

Während Rosberg-Audi-Teamchef Kimmo Liimatainen "erst ab Sommer oder Spätsommer" mit einer Entscheidung gerechnet hatte, stellt auch Abt-Audi-Sportdirektor Thomas Biermaier im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar: "Das ist definitiv nicht der beste Zeitpunkt für die DTM."

Doch der Kemptener relativiert seine Aussage: "Für so eine Entscheidung gibt es nie den richtigen Zeitpunkt. Das ist ein bisschen wie in einer Ehe. Wenn es so weit ist, dann ist es so weit. Das ist nie eine schöne Entscheidung."

Abgesehen davon stellt er sich die Frage: "Wann wäre denn der richtige Zeitpunkt gewesen? In einem Monat? In zwei Monaten? Nach dem ersten Rennen? Dazu kommt, dass wir nicht einmal wissen, wann das erste Rennen stattfinden wird."

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