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Robert Wickens, der nach dem IndyCar-Unfalldrama um die Rückkehr ins Rennauto kämpft, würde gerne Zanardis DTM-Boliden fahren: Wir haben bei BMW nachgefragt

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Ex-DTM-Pilot Robert Wickens, der sich bei einem IndyCar-Horrorunfall auf dem Pocono Raceway vor eineinhalb Jahren schwere Wirbelsäulenverletzungen zugezogen hat, kämpft derzeit mit eisernem Willen darum, wieder gehen zu können. Das Ziel des 31-jährigen Kanadiers ist aber ein anderes: "Ich werde wieder Rennen fahren", ist der fünfmalige DTM-Sieger gegenüber 'Motorsport-Total.com' überzeugt.

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"Für meinen nächsten Schritt würde ich nichts lieber tun als Jens Marquardt von BMW anzurufen, um ihn zu fragen, ob er mich das DTM-Auto von Alex Zanardi mal fahren lässt - oder den GTLM M8, den Alex in Daytona gefahren hat", sagte Wickens vor wenigen Tagen. Zanardi der 2001 bei einem IndyCar-Crash seine Beine verloren hatte, steuerte erst Ende November 2019 beim Dream-Race in Fuji den DTM-Boliden ausschließlich mit seinen Händen.

Grund genug für 'Motorsport-Total.com', bei Jens Marquardt für den fünfmaligen DTM-Sieger nachzufragen. Die Reaktion? "Zunächst einmal fühlen wir uns natürlich geehrt, dass Robert Wickens gerne eines unserer Fahrzeuge fahren würde", richtet der BMW-Motorsportdirektor Wickens aus. "Wir kennen Robert gut, zum einen aus früheren Formel-BMW-Zeiten, zum anderen aus den Jahren, als er Teil der DTM war."

So reagiert BMW auf Wickens' Wunsch

Durch die Coronavirus-Pandemie sind den Münchnern aber derzeit die Hände gebunden, weshalb kein Test möglich sei: "Im Moment ist aus offensichtlichen Gründen kein Motorsport möglich, andere Themen sind im Moment wichtiger. Insofern steht das in der Form aktuell nicht bei uns auf der Agenda." Dennoch drücke die BMW-Motorsport-Familie "Robert für seine Genesung weiterhin alle Daumen!"

Bis die Pandemie überstanden ist, möchte sich Wickens nun wie viele andere Rennfahrer im Sim-Racing versuchen. Bereits am vergangenen Samstag wollte er seinen neuen Simulator mit einem umgebauten Lenkrad, das wie bei Zanardi über einen zweiten Bedienkranz für Gas und Bremse verfügt, ausstatten und beim IndyCar-iRacing-Bewerb mit seinen Ex-Kollegen teilzunehmen. Doch der Plan scheiterte.

So will Wickens die Sim-Racing-Welt erobern

Der Grund: Die Sonderanfertigung, die von Ex-Rennfahrer Max Papis' Firma MPI gebaut wurde, traf nicht rechtzeitig bei Wickens ein. Sein erster Auftritt ist aber nur eine Frage der Zeit, denn Sim-Racing sei derzeit die "perfekte Plattform" für ihn, stellt Wickens auf 'Twitter' klar.

Das wissen er und das IndyCar-Team McLaren-SP, bei dem er nach wie vor Teammitglied ist und das ihn bei seinen Bemühungen unterstützt, "schon lange, aber jetzt wird all das auf aufregende Art und Weise Realität. Ich kann es gar nicht mehr erwarten, bis mein Rennsimulator für zuhause endlich eintrifft und die Party losgehen kann."

Wickens fuhr nach Unfall bereits Demorunde

Wickens hatte sich bei seinem Horrorunfall neben der Verletzung des Rückenmarks Brüche der Brustwirbelsäule, der Rippen, im Halswirbelbereich, an Schien- und Wadenbein in beiden Beinen, an beiden Händen, am rechten Unterarm und am Ellenbogen zugezogen. Dazu kam eine Lungenquetschung.

Zunächst wurde berichtet, der Rookie des Jahres 2018 sei von der Brust abwärts querschnittgelähmt, das Rückenmark wurde aber beim Unfall glücklicherweise nicht vollständig durchtrennt.

Ende 2019 gelang es Wickens mit beeindruckender Konsequenz, zunächst mit einer Gehhilfe und dann alleine erste Schritte zu machen. Bereits im vergangenen Juli hatte Wickens ein Comeback im IndyCar-Zirkus gegeben, als er beim Heimrennen in Toronto in einem umgebauten Acura NSX eine bewegende Demorunde drehte.

© Motorsport-Total.com