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Wie DTM-Boss Gerhard Berger die Lage der DTM im Angesicht der Coronavirus-Krise sieht und wie es ihm in der österreichischen Corona-"Hochburg" Tirol geht

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Vergangenen Mittwoch hat die DTM-Dachgesellschaft ITR auf die Coronavirus-Krise reagiert und neuen Kalender präsentiert, doch dem Auftakt Mitte Juli auf dem Norisring droht schon jetzt die Absage. Und die Gefahr besteht, dass weitere Rennen folgen. Aber wie sieht DTM-Boss Gerhard Berger die aktuelle Lage?

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"Es liegt mir derzeit fern, solche Themen in den Vordergrund zu stellen, es geht um Arbeitsplätze und kranke Menschen", sagt der Österreicher gegenüber der 'Kronen Zeitung'. "Der DTM-Kalender steht, ob er realistisch ist oder nicht, wird sich zeigen." Wie Berger selbst die Chancen sieht? "Stand heute würde ich es mit 'sehr schwierig' beurteilen, aber die Situation ändert sich ja täglich."

Vielmehr beschäftigt den 60-Jährigen, der nach mehreren Jahrzehnten in Monaco seit einigen Jahren wieder in Tirol lebt, die kritische Lage in seiner Heimat. Denn in Tirol gibt es bereits 1.936 bestätigte Coronavirus-Fälle (Stand 28.3.). Damit ist das westliche Bundesland in Österreich klarer Spitzenreiter. Weil sich das Virus in Skiorten wie Ischgl eine Zeitlang ungebremst ausbreitete, wurden ganze Regionen und Täler unter Quarantäne gesetzt.

Berger: Coronavirus sorgt für "brutalste Bedinungen"

Auch in ganz Österreich gehen die Zahlen stetig nach oben. Derzeit liegt man bei über 8.000 Fällen und 86 Toten. Ob er angesichts der Lage Angst hat? "Nein", antwortet der Ex-Formel-1-Pilot.

"Aber Fakt ist, dass die Lage jeden Tag rapid schlechter wird. Das sind brutalste Bedingungen. Und sicher ist der Spuk nicht in einer Woche vorbei. Ich hoffe, so wie viele, dass bald der Moment kommt, von dem an alles rapid besser wird. Vielleicht ist's aber auch nur Wunschdenken."

Wie er selbst mit dem Infektionsrisiko umgeht? "Ich halte mich an alle Richtlinien, habe aber das Privileg, mit meiner Familie oben am Berg zu leben", verweist er auf sein Haus in Söll direkt neben einer Skipiste, in dem er mit seiner Lebensgefährtin Helene und den beiden gemeinsamen Kindern wohnt.

So leitet Berger derzeit die DTM

"Aber im Kopf leide ich mit den Menschen, die mit drei Kindern in der Stadt leben und ihre Wohnungen nicht verlassen dürfen. Wie auch mit jenen, die infiziert sind oder gar auf der Intensivstation liegen, oder mit jenen, die ihren Arbeitsplatz verlieren."

Er leitet derzeit die Geschicke seines Speditionsunternehmens und der DTM-Dachgesellschaft aus dem Home-Office. "Dank der Digitalisierung funktioniert das recht gut", meint er. "Ich kann viel per Videokonferenz erledigen. Außerdem: Wenn ich in der Firma jemanden anstecken würde, wäre das katastrophal."

Ob die Einschränkungen richtig sind, "wird sich zeigen"

Aber was hält Berger von den Einschränkungen, die die österreichische Bundesregierung unter der Leitung von Sebastian Kurz durchgesetzt hat? Bereits vor zwei Wochen wurde das gesamte Land auf Notbetrieb heruntergefahren. Ein Verlassen des Hauses ist nur noch erlaubt, um wichtige Besorgungen zu machen, der Arbeit nachzugehen, jemandem zu helfen oder einen kurzen Spaziergang zu machen.

"Was den Schutz der Gesundheit betrifft, ist der österreichische Weg ein vorsichtiger, aber der richtige", urteilt Berger. Die "große Frage" bleibe aber "das Wirtschaftliche. Steuern wir auf eine katastrophale Situation zu? Wenn ich mir die Meinungen aus Holland, Schweden oder auch aus den USA anhöre, tue ich mir schwer zu sagen, welcher der richtige Weg ist. Da werden wir hinterher gscheiter sein. Sicher aber ist, dass sich nach der Krise einiges in der Arbeitswelt ändern wird."

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