© DTM
Lesedauer: 4 Minuten

Warum sich die DTM-Fahrer ein stärkeres Push-to-pass-System wünschen, obwohl das Überholen diese Saison trotz geringerem DRS-Effekt einfacher geworden ist

Anzeige

©

Die DTM erwägt für die kommende Saison, das Push-to-pass-System aufzuwerten. Im Gespräch sind mehr Einsätze pro Rennen, mehr Leistung als die bisherigen 30 Zusatz-PS oder ein längerer Zeitraum als die fünf Sekunden, in denen der Boost-Knopf bisher nach der Aktivierung seine Wirkung zeigte.

Anzeige

Doch wie sehen die Fahrer die Angelegenheit? Braucht es 2020 ein stärkeres Push-to-pass-System? "Als Rennfahrer sage ich immer: mehr ist mehr!", zögert BMW-Pilot Philipp Eng im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' nicht lange mit seiner Antwort. "Also ich will mehr Power."

Der Österreicher überlegt kurz und grinst: "Als Fahrer würde ich sogar sagen: mehr Power und länger." Ob er eine Aufwertung für einen notwendigen Schritt halte, um das Überholen zu erleichtern? "Das kann man vielleicht als Außenstehender besser beurteilen als im Cockpit", antwortet Eng.

Eng lobt Aerodynamik-Abrüstung: Können besser kämpfen

Er findet aber, dass das Überholen in der DTM trotz des geringeren DRS-Effekts, der auf den nur noch aus einem Element bestehenden Heckflügels zurückzuführen ist, in der vergangenen Saison einfacher geworden ist. "Ich finde, dass man besser heranfahren kann. Das mit der Dirty-Air ist besser geworden", verweist er auf die Beschneidung des Frontsplitters, der die Bedeutung der Aerodynamik vor der Saison 2019 verringert hat.

"Speziell die Art und Weise, wie die Luft vom Auto weggeht, ist glaube ich jetzt besser", lautet Engs Urteil. Der DRS-Effekt sei zwar geringer, aber "auf jeden Fall ausreichend. Und was dazu kommt: Du kannst dir auch mal in die Kiste fahren."

Der BMW-Pilot, der zu Saisonbeginn sogar DTM-Leader war, nennt zwei Beispiele: "Robin Frijns und ich haben uns in Zolder zwei, drei Mal berührt. Das war echt geiles Racing und hat echt Spaß gemacht. Mit ihm kannst du richtig gut Rennen fahren. Auch mit Loic Duval hatte ich in Brands Hatch ein, zwei Kontakte. Da sind bei mir Teile weggeflogen, aber das hat null Auswirkung gehabt. Und so soll es sein! Als früher die Flaps weggeflogen sind, hattest du hingegen keine Performance mehr."

Habsburg: Push-to-pass kaum spürbar

Landsmann Ferdinand Habsburg, der 2019 seine DTM-Premierensaison im Aston Martin absolvierte, wünscht sich ebenfalls mehr Leistung durch das Push-to-pass-System. "Ich denke, es sollte ein bisschen mehr Boost machen, also einen größeren Push machen", sagt er.

Wieso er dieser Meinung ist? "Das liegt daran, dass du eigentlich nicht so viel merkst", hält er die 30 Zusatz-PS für zu wenig spürbar. "Das gibt dir vielleicht ein Zehntel oder so. Wenn es dir aber zweieinhalb Zehntel geben würde, dann wäre das schon ein größerer Unterschied."

Rockenfeller: Auch ohne Push-to-pass tolle "Fights"

DTM-Routinier Mike Rockenfeller ist währenddessen beim Dream-Race in Fuji aufgefallen, dass die DTM-Fahrer auch ohne DRS und Push-to-pass gegen die mit rund 50 PS mehr Leistung ausgestatteten Super-GT-Autos kämpfen konnten. "Wir haben Mega-Überholmanöver und Fights gesehen", sagt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Dabei hatten wir gar keinen Topspeed, waren grottenlangsam auf der Geraden, konnten zum Teil aber trotzdem mitfighten."

Das führt der Neuwieder auf die Streckencharakteristik zurück: "Ich glaube, es gibt immer noch Strecken, wo es sehr gut geht, und Strecken, wo es sehr schwierig ist. Das hat sich nicht geändert. Insgesamt können wir ganz gut überholen."

Spengler: Turbos haben sich positiv auf Duelle ausgewirkt

Dass das Überholen diese Saison einfacher geworden ist, fällt auch BMW-Routinier Bruno Spengler auf. Der Kanadier führt das aber auch auf das durch die Turbomotoren anspruchsvollere Reifenmanagement zurück. "Wir beanspruchend den Reifen mehr, also gibt es auch mehr Reifenabbau. Dadurch gibt es mehr Unterschiede zwischen den Autos auf frischen und denen auf alten Reifen. DRS und Push-to-Pass helfen auch auf jeden Fall."

Vor allem die unterschiedlichen Strategien sorgen laut Spengler für Spannung: "Es gibt dadurch auch Unterschiede in der Pace, weil die Reifen bei manchen schneller einbrechen als bei anderen." Das führe zu "mehr Überholmanövern und einer besseren Show. Das geht auf jeden Fall in die richtige Richtung und gefällt auch uns Fahrern."

© Motorsport-Total.com